Eine Gebrauchsanweisung für alle Fälle

Wieder mal ein Stresstag im Büro: Das Telefon klingelt pausenlos, die Abteilungsleiterin macht Druck, weil in wenigen Tagen eine wichtige Präsentation ist, und Kollegin X ist nicht ansprechbar, weil sie sich gerade von ihrem Freund getrennt hat. Zu allem Überfluss ist eine Mitarbeiterin krank und ihre Vertretung ist völlig überfordert und kommt ständig angerannt, um etwas zu fragen oder ihren Frust abzulassen. Kurz vor Feierabend drückt Ihnen Kollege Meyer dann noch eine Mappe in die Hand: "Kannst Du da bitte noch mal drübergucken, ich hab´s nicht ganz fertig gekriegt, aber ich muss jetzt dringend los, Termine ..."

Kommt Ihnen das bekannt vor? Jedes Büro, jede Abteilung ist eine Art Mikrokosmos. Und mit den Kolleginnen ist es wie mit der eigenen Familie: Man kann sie sich nicht aussuchen. Sie sind einfach da. Eine kleine Gebrauchsanleitung für spezielle Typen erleichtert den Arbeitsalltag ungemein und schont die Nerven. Die Typologie gilt übrigens auch für die lieben Kollegen - es gibt schließlich auch männliche Zicken!
 

Die Streberin

Der Job ist ihr Leben, das Büro ihr zweites Wohnzimmer. Sie verlässt ihren Schreibtisch auch nach Feierabend nur ungern und nimmt übers Wochenende schon mal ein paar Akten mit nach Hause. Im unvermeidlichen Urlaub belegt sie Fremdsprachenkurse oder verbessert zumindest ihr Handicap im Golf. Bei Stress blüht die Streberin richtig auf, Pausen sind nur lästige Unterbrechungen. Ob die Kollegen sie mögen, ist ihr egal - sie ist sowieso auf dem Weg nach oben.

  • Stärken: Überaus belastbar, ein echtes Arbeitstier, sehr zuverlässig, mit einem Hang zum Perfektionismus.
  • Schwächen: Eher eine Einzelkämpferin als eine Teamarbeiterin. Fällt durch Besserwisserei und Ellbogen-Mentalität unangenehm auf.
  • Strategie: Lassen Sie sich durch die Streberin nicht dazu verleiten, in einen Überstunden-Wettstreit zu treten. Punkten können Sie beim Chef auch mit Kompetenz, neuen Ideen und effektiver Arbeitsweise. Wenn Sie selbst auf der Karriereleiter auch eine Stufe höher wollen, versuchen Sie nicht, ihre Konkurrentin mit angelesenem Wissen zu übertrumpfen, sondern setzen Sie auf soziale Kompetenz, Kreativität und Kommunikationstalent.
     

Die Betriebsnudel

Sie ist ein Kommunikationstalent und lässt sich ihre gute Laune auch am Arbeitsplatz nicht so schnell verderben. Mit lockeren Sprüchen trägt sie zur Verbesserung des Betriebsklimas bei, und auch der Chef kriegt bei Gelegenheit sein Fett weg. Sie kümmert sich um die Kaffeekasse, organisiert Betriebsausflüge und plant Geburtstagsfeiern für Kollegen. Ein Einzelzimmer ist nichts für sie, richtig wohl fühlt sie sich im Großraumbüro.

  • Stärken: Sagt stets klar, was Sache ist und hält sich nicht lange mit diplomatischer Taktik auf. Gute Teamarbeiterin.
  • Schwächen: Verwechselt eine Konferenz schon mal mit einer Talkshow, redet oft schneller als sie denkt und findet garantiert das nächste Fettnäpfchen. Mit mühsamer Detailarbeit hält sie sich ungern auf.
  • Strategie: Seien Sie kein Spielverderber und legen sie nicht jedes Wort auf die Goldwaage. Lassen Sie sich aber nicht von wichtigen Arbeiten ablenken. Sagen Sie direkt: "Sorry, aber ich bin total im Stress." Wenn Sie ein Anliegen haben, bringen Sie es möglichst locker rüber und geben Sie ihr einen Kaffee aus.


Die Zicke

Sie wechselt ihre Launen wie ein Chamäleon, von Stunde zu Stunde oder von einer Minute zur anderen. Im Mittelpunkt ihrer Welt steht immer sie selbst. Energisch besteht sie darauf, Raucher und erkältete Kollegen aus ihrer Nähe zu entfernen. Lehnt der Chef ihre Vorschläge ab, storniert ein Kunde kurzfristig einen Auftrag oder stürzt der PC ab, dann läuft die Zicke zu Hochform auf und die Kollegen sollten rechtzeitig in Deckung gehen. Wirklich honigsüß ist sie nur, wenn sie von ihrem Gegenüber etwas will.

  • Stärken: Selbstbewusst. Geht keinem Konflikt aus dem Weg und gibt auch dem Chef Kontra, wenn ihr etwas nicht passt.
  • Schwächen: Flippt bei Stress schnell aus, wenig belastbar. Teamfähig ist die Zicke nur, wenn sie das Sagen hat.
  • Strategie: Ziehen Sie sich nicht jeden Schuh an, der Ihnen hingestellt wird, ignorieren Sie kleine Boshaftigkeiten. Zurückzicken sollten Sie nur, wenn Sie selbst auch eine Zicke sind und darin Übung haben - führt sonst schnell zu noch mehr Frust. Setzen Sie aber klare Grenzen und verbitten Sie sich Türenknallen, Aktenwerfen und Beleidigungen. Sagen Sie: "Wir können gerne miteinander reden, aber sachlich - wenn das heute nicht möglich ist, vielleicht klappt es ja morgen."

Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Woman erschienen. Wenn Sie den Text komplett lesen möchten, schicken Sie mir bitte eine Mail.