Ein echtes Schmankerl: Pischingertorte

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Die Wiener Pischinger-Torte war ein Liebling unserer Urgroßmütter, weil sie sich so leicht herstellen lässt; sie war bei uns eine der ersten Buttercreme-Torten neben der Münchner Prinzregententorte und vielleicht die erste Torte, für die man überhaupt nichts backen musste – und das lange vor der Einführung der „Modetorten“. Als Tortenböden verwendet man die großen Karlsbader Oblaten, die bei den Damen zum Kaffee ebenfalls sehr beliebt waren. Also wer sich unter Pischinger-Torte überhaupt nichts vorstellen kann: Es ist vom Prinzip so was Ähnliches wie der ominöse Kalte Hund alias Kalte Schnauze alias Lukullus, nur viel vornehmer und deutlich älter.

Optisch nicht ganz perfekt ...

Die Torte verdankt ihren Namen ihrem Erfinder Oscar Pischinger (1863-1919), einem Wiener Konditor, der die Tortenkunst im Betrieb seines Vaters Leopold erlernte. Schon ganz jung machte er sich mit einer eigenen Biskuit- und Zwiebackfabrik fabrik selbstständig und dort erfand er 1883 (diese Jahreszahl stammt von ihm) die Oblatentorte. Sie dürfte von Anfang an in hohen Stückzahlen produziert worden sein, denn Pischinger betrieb damals weder ein Café noch eine Konditorei. Einige Jahre später übernahm er den Betrieb seines Vaters, der um 1900 zweihundert Mitarbeiter beschäftigte, in der Adventszeit sogar bis zu fünfhundert.

Natürlich war das Tortenrezept ein gut gehütetes Familiengeheimnis, aber da die Karlsbader Oblaten im Geschäft zu kaufen waren, mussten andere Konditoren „nur“ noch die Rezeptur der Schokoladenbuttercreme und der Glasur nachahmen und natürlich erschienen bald auch in Kochbüchern diverse Rezepte für Hausfrauen. Die Karlsbader Oblaten waren im 18. Jahrhundert noch schlichte dünne Waffeln, die den Kurgästen als leicht verdaulich angepriesen wurden. Kaiser Wilhelm I. soll sie gerne zum Frühstück gegessen haben, was weder für noch gegen das Gebäck spricht.

Tortenrezept von Katharina Schratt (aus: "Es hat ihm sehr geschmeckt" von Bascha Batorska)

 

Rezept

Das Originalrezept der Pischingertorte kenne ich natürlich auch nicht. Ich habe mich an verschiedenen älteren Rezepten orientiert; die Füllung schmeckt ein bisschen wie selbst gemachte Nutella …

Zutaten für 6 Schichten: 6 Karlsbader Oblaten, 150 g Butter, 150 g feiner Zucker, 150 g Blockschokolade (Vollmilch oder Zartbitter), 75 g gemahlene Mandeln, 100 g Zartbitter-Glasur. Zubereitung: Die Butter eine Weile bei Zimmertemperatur erwärmen bis sie weich ist, dann die Butter mit dem Zucker schaumig rühren, anschließend die Mandeln unterühren. Die Blockschokolade im Wasserbad schmelzen, kurz abkühlen lassen und mit der Buttermasse vermischen. Dann ein Fünftel der Füllung auf der ersten Oblate verteilen, die zweite darauf setzen, ebenfalls bestreichen usw. Auf die oberste Oblate kommt keine Masse. Die Oblatentorte für etwa eine Stunde in den Kühlschrank stellen, wobei sie mit einem Gewicht beschwert werden sollte, z.B. mit einem runden Holzbrett. Danach die Glasur im Wasserbad schmelzen und zügig auf der Torte und rundum verteilen; vor dem Anschneiden sollte die Pischingertorte ein paar Stunden im Kühlschrank kalt stehen.

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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One Response to Ein echtes Schmankerl: Pischingertorte

  1. George says:

    Interessant, die erste Torte ohne Backen. Das passte sicher schön in die damalige Zeit, so schnellebig wie man sie damals, mitten in der industriellen Revolution, schon empfand. Mir ist das zu süß und pappert, wobei es aber auch pappsüßes Zeug gibt das ich komischerweise mag. So wie Punschkrapfen oder Esterhazy-Torte, die Prinzregent mag ich auch ganz gern.

    Bei Karlsbader Oblaten fällt mir gleich wieder das Karlsbader Kaffeegewürz ein; kennst du das noch? Ach, dem trauere ich ewig hinterher.
    Dein Blog gefällt mir sehr, es bringt viele Erinnerungen in mir hoch. Ich hab das Kochen udn Backen von meiner Oma und Mama gelernt. Die Oma war Jahrgang 1909 und lange Wirtin. Mei, hat die kochen können, und ihre Mehlspeisen. Gezeigt hat sie mir vieles, aber manches krieg ich einfach nicht so hin. Ich schieb es auf die Zutaten, die heute anders sind als früher ;)