Kleine Abkühlung: Sorbet

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Es ist seltsam, aber in meiner Erinnerung waren die Sommer meiner Kindheit viel wärmer und sonniger als die Sommermonate heute und zwar wochenlang am Stück, die ganzen Sommerferien lang. Im Juli und August war es oft so heiß, dass es unmöglich war, den Weg bis zum Eisverkäufer im Ort barfuß zurückzulegen, obwohl es nur etwa zweihundert Meter waren, weil der Asphalt des Bürgersteigs glühend heiß war. Dann studierte ich pro forma die Eiskarte an der Tür und nahm ein Dolomiti, mein Lieblingseis, oder aber ein kleines pinkfarbenes „Wassereis“, dessen Name mir entfallen ist, das aber wunderbar künstlich nach Himbeere schmeckte. Die Farbstoffe und Aromen darin sind garantiert längst verboten, aber ich habe als Kind jeden Sommer mindestens ein Dutzend davon geleckt und fand es wunderbar.

Foto: Renee Comet

 

Kein Sorbet für Goethe

Aber es ist noch gar nicht so wahnsinnig lange her, dass Fruchteis etwas so Kostbares und Besonderes war, dass es kaum jemals an Kinder „verschwendet“ wurde, weil es als Genuss für Erwachsene galt. Oder man hielt die Kälte für gesundheitsschädlich. So musste der kleine Johann Wolfgang von Goethe 1759, als er gerade zehn Jahre alt war, zu seinem Leidwesen zusehen, wie seine Mutter das „Gefrorene“, das ihnen ein einquartierter französischer Leutnant geschickt hatte, resolut in die Spüle goss, „weil es ihr unmöglich vorkam, daß der Magen ein wahrhaftes Eis, wenn es auch noch so durchzuckert sei, vertragen könne“.

Die Italiener waren vermutlich die ersten Europäer, die Gefallen an eiskalten Leckereien fanden, wenn auch zunächst als Getränk, wobei schon die alten Römer ihren Wein mit Natureis und Schnee kühlten, der im Winter aus den Bergen herangeschafft und in Kellern und Eisgruben monatelang gelagert wurde. Die Osmanen nannten ein mit Eis gekühltes Getränk sherbet, das sie von den Arabern übernommen hatten und das „in einfachster Gestalt aus einem Aufguß frischen Wassers über zerquetschte Rosinen besteht, in der besseren türkischen Küche aber nach Art unserer Limonaden aus einem Fruchtsirup mit Wasser bereitet, mit Moschus gewürzt und mit Schnee gekühlt wird.“ (Habs/Rosner 1894) Die Italiener tauften dieses Getränk Sorbetto, die Franzosen Sorbet.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde es in Frankreich Mode, Zitroneneis mit Champagner oder Wein aufzugießen und als Sorbet bei einem Menü vor dem Braten zu servieren, um den Gaumen zu erfrischen und zu neutralisieren. Trotzdem kannte man bei uns schon deutlich früher Fruchteis als Dessert – es hieß nur anders. Das Neue Saltzburgische Koch-Buch von Conrad Hagger enthält schon 1719 ein Rezept für ein Eis aus Granatapfelsaft.


Rezept: Erdbeer-Sorbet

Mein Rezept habe ich bei pastasciutta gefunden, es stammt im Original von Dessertspezialist David Lebovitz. Das Kirschwasser schmeckt man nicht heraus, es unterstützt den Geschmack der Erdbeeren und soll verhindern, dass das Sorbet zu stark kristallisiert.

Zutaten für 4 Portionen: 500 g reife Erdbeeren, 150 g Puderzucker, 1 EL Zitronensaft, 1 EL Kirschwasser, 1 Prise Salz. Zubereitung: Zunächst die Erdbeeren putzen und klein schneiden, mit dem Puderzucker und dem Zitronensaft vermischen und eine Stunde durchziehen lassen. Dann alles pürieren, Kirschwasser und die Prise Salz zugeben. Da ich keine Eismaschine habe, musste ich das Sorbet während des Gefrierens von Hand rühren, das erste Mal nach einer Stunde im Tiefkühlfach, danach alle halbe Stunde. Nach etwa vier Stunden ist das Erdbeersorbet servierbereit.

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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One Response to Kleine Abkühlung: Sorbet

  1. dasPossum says:

    Dolomiti! Ohh, ich liebte Dolomiti. Keine Ahnung, wieviele E´s ich damit zu mir genommen haben. Those were the days….