Vor 145 Jahren erfand der Berliner Koch und Konservenfabrikant Johann Heinrich Grüneberg (1819-1872) eine Wurst, die kaum Fleisch, dafür aber jede Menge Hülsenfrüchte enthielt: die Erbswurst. Aufgegossen mit heißem Wasser entsteht daraus eine Erbsensuppe. Das war quasi die Erfindung der Tütensuppe, wenn auch noch ohne Tüte. Ob Grüneberg bei seiner Erfindung eher an Hausfrauen oder an Soldaten gedacht hat, ist ungewiss, aber der preußische Staat dachte garantiert nur an Letztere, als er Grüneberg die Rezeptur angeblich für die stolze Summe von 35.000 Talern abkaufte. Im Krieg gegen Frankreich 1870/71 hatten deutsche Soldaten für den Fall der Fälle dann stets eine Erbswurst im Marschgepäck. Dass sie sich überwiegend von dieser Suppe ernährt haben, ist allerdings ein Legende.
Die Erbswurst gibt es immer noch, seit 1889 hergestellt von der Firma Knorr, wenn auch nicht mehr abgefüllt in Naturdärme wie im 19. Jahrhundert. Über die Erfindung Grünebergs wurde schon 1870 in der heimischen Presse ausgiebig berichtet, zum Beispiel in der Deutschen Industrie-Zeitung: „Unter den eigentümlichen Schöpfungen, welche der Krieg in Berlin hervorgerufen hat, befindet sich auch eine grosse Wurstfabrik, wie sie in der Welt noch nicht zum zweiten Male besteht … Ein Berliner Koch namens Grünberg hat nämlich sogenannte Erbswurst erfunden, und sein Geheimnis dem Kriegsministerium … verkauft. Richtiger gesagt ist das Fabrikat nicht eine Erbswurst, sondern ein vollständiges Erbsengericht, in einen Darm gefüllt, getrocknet und dauerhaft gemacht … Die errichtete Wurstfabrik beschäftigt ein Arbeiterpersonal von nicht weniger als 1200 Personen, von denen 20 Köche … an 40 Wurstbrei-Kesseln die Masse bereiten, die von 150 Wurstspritzen, von je einem Arbeiter bedient, in die Därme getrieben wird. Verarbeitet werden täglich 225 Centner Speck, 450 Centner Erbsmehl, 28 Scheffel Zwiebeln, 32 Säcke Salz à 125 Pfund … Der Soldat braucht die Wurst (1 Pfund) nur in seinen Feldkessel zu legen und das Wasser siedend zu machen, so ist er fertig und hat genug daran.“
Besuch in der Erbswurstfabrik
Die Berliner Erbswurstfabrik, die von Grüneberg persönlich geleitet wurde, scheint 1870/71 das Exkursionsziel zahlreicher Journalisten gewesen zu sein; an die Möglichkeit von Industriespionage scheint damals noch niemand gedacht zu haben. Zu den neugierigen Besuchern gehörte damals auch die Berliner Salondame Hildegard Freifrau von Spitzemberg (1843-1914), eine große Verehrerin Bismarcks. In ihrem Tagebuch schilderte sie den Besuch in der Fabrik: „Am Nachmittag fuhr ich mit Carl nach der Kurfürstenstraße, wo die große Fabrik für Armeepräserven errichtet ist, welche unter der Leitung des Koches Grüneberg … jetzt für die gesamte Armee Lebensmittel einmacht. Ein Spezifikum ist die dort gemachte Erbswurst, schuhlange Würste, bestehend aus in Fett gekochtem Erbsmehl mit gehacktem Speck, Schweinefleisch, viel Zwiebel und Pfeffer; ein dem Manne patentiertes Geheimmittel, ,lupus’, macht, daß die Wurst nach 24-stündigem Trocknen steinhart und unverderblich wird und nur des Kochens in Kaltwasser bedarf, um sich zur schmackhaften Suppe aufzulösen. Außerdem aber werden zahllose Filets, Roastbeefs, Siedefleisch mit Bouillon und Gemüse, besonders aber Gulaschfleisch in Blechbüchsen eingemacht … In Nebenräumen befinden sich die kolossalen Erbsmehllager … Grüneberg selbst führte uns umher und gegen einen Betrag in die Sammelbüchse eroberten wir drei Erbswürste. Zwei davon sollen die Taubes erhalten, die dringend um eine baten, die dritte schicke ich dem Vater als Kuriosität.“
Offenbar konnten sich die Besucher damals nicht vorstellen, dass die Erbswurst sie selbst lange überdauern und noch ihren Urenkeln vorgesetzt werden würde. Dass Erfinder Grüneberg 1870 die fantastische Summe von 35.000 Talern erhalten hat, darf übrigens bezweifelt werden, das würde nämlich der Kaufkraft von heute fast 900.000 Euro entsprochen – damit hätte er sich wohl zur Ruhe gesetzt.











wobei die Wurst in deiner Erbswurst-Suppe wohl eine echte Wurst ist.
Als ich klein war, gabs das häufig bei uns zuhause. Da war sie aber in kleinen Kartonschächtelchen verpackt, vermutlich von Maggi.
@lamiacucina: Maggi stellt auch Erbswurst her? Das wusste ich gar nicht, vermutlich nach einem eigenen Rezept. Bei uns sieht Erbswurst immer noch aus wie eine Wurst, siehe Foto. Die Wurst in meiner Suppe ist ein echtes Wiener Würstchen, das ich aus optischen (und geschmacklichen) Gründen dazugegeben habe, in der Erbswurst selbst sind nur winzige Speckpartikel. Bei uns gab es früher zum Glück nur äußerst selten mal Erbswurst, ich mochte den Geschmack nämlich nicht (und daran hat sich auch nichts geändert
)
Auch mein Großvater hatte die früher gerne bei sich, wenn er auf die Alm ging. Ich hab die immer zuhause, sie ist die perfekte Vorratswirtschaft. Es ist eine Fertigsuppe, die nicht so künstlich schmeckt so wie viele andere , man kann damit auch Eintöpfe würzen usw. Am besten schmeckt sie mir pur mit frischer Petersilie.
@Mathias: Den Unterschied zu einer echten Erbsensuppe schmeckt man schon recht deutlich finde ich, aber das mit der Petersilie ist wahrscheinlich eine gute Idee, um den Geschmack zu verbessern (Würstchen sind übrigens auch nicht schlecht …)
Meine Erbswurst, die als uraltes Relikt in der Küche hängt ist von Knorr. Als Kind liebte ich Erbswurstsuppe mit Sauerkraut. Würde ich auch heute noch essen, doch die Erbstwurst hat ein Verfallsdatum von 2005
Mit Anfang 20 habe ich die Erbswurst mal in einem Supermarkt entdeckt. Weil ich nicht wusste, was das war, nahm ich sie mit und bereitete sie nach Packungsanleitung zu. Überraschenderweise schmeckte die Suppe gar nicht schlecht. Trotzdem habe ich Erbswurst hinterher höchstens noch ein- oder zweimal gekauft.
@Margit: Auf jeden Fall schimmelt die Erbswurst nicht
@Nata: Ich finde, die Erbswurst hat irgendwie einen unnatürlichen Beigeschmack, ich kann mir nicht helfen. Aber vielleicht hilft ja Sauerkraut …
Meine Mutti hat die Erbswurst immer zum Würzen von Erbspüree genommen (zu Eisbein, Sauerkraut und Kartoffeln). Hach, das könnte ich jetzt auch essen
@Margit Kunzke: die Erbswurst ist tatsächlich nahezu unverderblich… und da das Datum ja nicht “Verfallsdatum” sondern “mindestens haltbar bis” bedeutet, kann man getrost davon ausgehen, dass sie noch genießbar ist. Auf einen Versuch käm’s an… oder warte einfach auf schlechte Zeiten damit, dafür wurde sie ja erfunden
Na mensch da schließt sich für mich ja mal wieder eine Bildungslücke. Wußte gar nciht das es sowas in dieser Form gibt
Find ich mal ganz nett. Muss ich gleich mal gucken gehen in den Supermärkten, ob ich sie noch finde
Ich mag sowohl die grüne als auch die gelbe Variante. Den Geschmack finde ich gut, auch wenn es an eine selbst gemachte Erbsensuppe nicht heran kommt. Immerhin besser als das ganze Zeug, das es in Tüten zu kaufen gibt und mir meist zu künstlich schmeckt.
Ich nehme die Erbswurst auch gerne um mal einen Eintopf anzudicken.