Rezeptforschung: Kalter Hund

Share in top social networks!

Rezeptforschung macht Spaß, kann aber auch ziemlich mühsam sein. Deshalb habe ich mir gedacht, ich suche einfach mal mit meinen Lesern gemeinsam (auch mit den Leserinnen natürlich …). Es geht um den „Kalten Hund“, einen Schoko-Keks-Kuchen, der nicht gebacken wird und den die meisten von uns wahrscheinlich aus Kindertagen kennen. Ich habe damit in den 1970er Jahren Bekanntschaft gemacht, das Rezept stand wahrscheinlich in irgendeiner Zeitschrift; in dem einzigen Backbuch, das meine Mutter jemals besessen hat, kommt es jedenfalls nicht vor. Ich kenne ihn auch nur als „Kalter Hund“, obwohl er noch eine ganze Reihe anderer Namen hat: Kalte Schnauze, Schwarzer Peter, Kalter Igel, Kalte Pracht, Kellerkuchen, Lukullus …

Foto: Daniel Rentsch (Creative Commons)

Man könnte meinen, Kalter Hund wäre eine Erfindung der Nachkriegszeit, womöglich noch von Fernsehkoch Clemens Wilmenrod, der außer nicht kochen sicher auch nicht backen konnte, aber dem ist nicht so. Der Kuchen ist schon viel älter. Wahrscheinlich stammt das Ursprungsrezept aus dem Hause Bahlsen, das in den 1920er Jahren auf Werbezetteln ein Rezept für einen „Schokoladenkuchen aus Leibniz-Keks“ verbreitete. Diese Idee wurde einige Zeit später bereitwillig von Palmin aufgegriffen, denn eine wichtige Zutat dieses Kuchens war das damals sehr moderne Kokosfett.

Wie aber kommt die Kekstorte zu ihren lustigen Bezeichnungen? Sprachforscher wollen uns ernsthaft erzählen, der Name „kalter Hund“ habe etwas mit der Kastenform des Kuchens zu tun, die an so genannte Grubenhunte aus dem Bergbau erinnere, kastenförmige Förderwagen auf Rollen. Das halte ich nun wirklich für völlig abwegig – wer denkt sich denn sowas aus? Ist am Ende mal wieder der Berliner Witz für die „kalte Schnauze“ und den „kalten Hund“ verantwortlich? Oder eine andere Region? Dr. Oetker scheidet schon mal aus, das entsprechende Backbuch meiner Mutter ignoriert den „Kuchen ohne Backen“ noch in den 1960er Jahren.

Also lasst uns forschen: Habt ihr ältere Backbücher aus der Zeit vor 1970? Ausgeschnittene Rezepte aus Zeitschriften? Das handgeschriebene Kochbuch eurer Großmutter? Ich denke da zum Beispiel an Jutta, die das große Glück hat, gleich drei alte Rezeptsammlungen aus dem Familienkreis geerbt zu haben. Wenn ihr den Kuchen irgendwo finde: Von wem ist das Rezept, lässt es sich ungefähr datieren (bei privaten Kochbüchern manchmal schwierig) und wie wird es genannt? Ich bin gespannt. Antworten könnt ihr mir als Kommentar unter diesem Post oder auch per mail an mail(et)petrafoede.de

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
This entry was posted in Deutschland and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

14 Responses to Rezeptforschung: Kalter Hund

  1. Ulrike says:

    Nun, ich biete Koch- und Backbücher ab 1900 ;-) . DAS Schulkochbuch, das zu Beginn noch Koch- und Backrezepte enthielt, habe ich seit 1927. Gehe gleich ‘mal forschen.

  2. Ulrike says:

    Ausgabe G des Dr. Oetker Schulkoches von 1952 hat ein Rezept für “Streifenkeks” auf S. 291, da werden die vorher selbstgebackenen Kekse und die Kakaomasse lagenweise abwechselnd in eine mit Papier ausgelegt Kastenform (für 1/2 Pfund Mehl!) gegeben. In der Ausgabe F von 1951 heißt der Kuchen auch Streifenkeks und steht auf S. 275

  3. Petra Foede says:

    @Ulrike: vielen Dank fürs Suchen, der “Streifenkeks” ist auf jeden Fall ein interessanter Fund. Das Rezept gibt es auch in dem gelben Backbuch von Dr. Oetker aus den Fünfziger Jahren, aber da die Kekse vorher gebacken werden müssen, habe ich es beim Blättern gar nicht erkannt. Offenbar hat Oetker ein eigenes Rezept entwickelt, um keine Leibniz-Kekse verwenden zu müssen oder vielleicht auch, weil ein “Kuchen ohne Backen” nicht so gut in ein Backbuch gepasst hätte.

  4. Antje Radcke says:

    Meine Mutter hat es auch gefunden in der Koch- und Backlexikon-Reihe “Menue” von 1968 (also nicht sooo alt). Dort heißt er “Kekskuchen”.

  5. Petra Foede says:

    @Antje: danke fürs Nachschlagen

  6. Liebe Petra,

    bei diesem Kuchen kann ich nicht weiterhelfen, da er ein reiner Hausfrauenkuchen zu sein scheint. In meinen Fachbüchern habe ich jedenfalls bisher noch nichts darüber gefunden, und kennen tu ich ihn auch nur von Kindergeburtstagen, bei denen ich eingeladen war.

    Es grüßt mit leeren Händen

    Martin

  7. Petra Foede says:

    @Martin: nein, das ist sicher kein Kuchen für Profis, die wären bei diesem Rezept eindeutig unterfordert

  8. Ulrike says:

    Dann kann ich dir ergänzend sagen, dass in der Dr. Ö Ausgabe 1927 der Kuchen definitiv nicht erwähnt wird und in der Ausgabe “Backen macht Freude” con 1979 auch nicht

  9. Tine says:

    Ich habe im Kiehnle-Kochbuch von 1960 gesucht. Und wurde sogar irgendwann fündig. Das Ding heißt dort Schatzkästlein (Wochenendtorte, Kalte Pracht) und ist mit Lebniz-Keksen und Palmin. Louise Haarer von 1959 kennt sowas noch nicht.

  10. Petra Foede says:

    @Tine: Also “Schatzkätzlein” finde ich sehr hübsch, den Name habe ich vorher noch nie gehört.

  11. In meinem Backbuch aus der DDR von 1967 finde ich es unter Lukullus. Es wird mit Butterkeks in Klammern Tortenkeks gemacht.
    Schwarzer Peter ist dort was ganz anderes.

  12. Marlise says:

    Ich habe hier das “Praktische neue Kochbuch” von Gertrud Oheim, Bertelsmann Verlag, 15. Aufl. 1956. Im Kapitel “Kleingebäck” habe ich etwas gefunden: sie nennt das Rezept prosaisch “Schokoladenschnitten mit Kokosfett” und verwendet keine Butterkekse, sondern Oblaten. Ich kenne Oblaten als die papierähnlichen Scheiben, auf die Makronen gesetzt werden, auch beim Abendmahl oder als Siegel unter Dokumenten verwendet – das kann ich mir mit der Palmin-Zucker-Schokoladenpulver-Eier-Masse nur schwer vorstellen. Was hat man denn 1956 unter Oblaten verstanden?
    Zum Abkühlen sind 3-4 Tage angegeben (“sehr kalt stellen”).

    Bei uns hieß der Kindergeburtstagskuchen übrigens Schokoladenigel, ich kenne aber auch Kalter Hund oder Kalte Hundeschnauze. Möglicherweise kommt ja der Hund ins Spiel, weil Hunde immer eine kalte Nase haben?

  13. Petra Foede says:

    @Marlise: Danke fürs Nachschlagen. Es gibt “Karlsbader Oblaten”, das sind sehr dünne gefüllte Gebäckwaffeln, die es früher wohl auch ungefüllt gab. Ich nehme mal an, dass die Autorin so etwas gemeint hat. Mit der Vermutung, dass der Name etwas mit der kalten Nase von Hunden zu hat, könntest du recht haben.

  14. Cornelia Bäckmann says:

    Bei uns im Schwabenland (Raum Stuttgart) ist dies ein beliebter süßer Zwischendurchsnack und nennt sich hier “Gestreifter Affe”. Mit etwas Rum verfeinert eine feine Sache.