Wir haben zwar schon vorige Woche ausgiebig gefrühstückt, aber das Thema ist noch nicht gegessen, wie man so schön sagt. Zufällig ist heute der Geburtstag von Robert Burns (1759-1796), einem berühmten schottischen Dichter, zu dessen Ehren die Schotten heute abend weltweit Burns Suppers ausrichten und dabei das Nationalgericht Haggis auftischen. Ich bin mir nicht sicher, ob es dabei auch Porridge gibt, aber passend wäre es durchaus, denn der Dichter schrieb nicht nur das Gedicht Adress to a Haggis, sondern fand auch für den Haferbrei einst die huldigenden Worte: „The halesome parritch, chief of Scotia’s food“. (Und wer Haferbrei nicht mag, sollte sich ernsthaft überlegen, ob er an dieser Stelle jetzt lieber etwas zu Haggis lesen würde …)
Vom Eintopf zum Getreidebrei
Wie schon erwähnt, aß die Bevölkerung Mitteleuropas in früheren Tagen war zwar allgemein täglich Getreidebrei, auch am Morgen, aber nur die Schotten haben diese einfache, nahrhafte Kost in den Rang eines Nationalgerichts erhoben und halten zumindest symbolisch bis heute an dieser Tradition fest. Das Wort porridge existiert seit dem 16. Jahrhundert, allerdings war es zu dieser Zeit noch kein Haferbrei, sondern eine dicke Gemüsesuppe. Zusammengekochtes in einem Topf nannte man im Mittelalter pottage, vom Französischen potage (pot = Topf). Ein damals beliebtes Eintopfgericht war green porray aus grünem Gemüse, darunter der namensgebende Porree (Lauch). Aus der Vermischung dieser beiden Wörter entstand als neue Bezeichnung Porridge. Getreide kam zunächst nur zusätzlich zum Andicken hinein.
Mitte des 17. Jahrhunderts war schottisches Porridge dann grundsätzlich ein Brei aus Hafermehl oder -schrot. In England aß man zu dieser Zeit ein fast identisches Gericht aus Weizenmehl, das frumenty hieß, in Wales kannte man einen steifen Getreidebrei als flummery, der mit Honig, Wein, Bier oder Milch gegessen wurde. Noch aß man diese Speisen auch mittags. Die Penny cyclopaedia von 1837 schreibt über die schottische Landbevökerung: „Ihr Frühstück und oft auch ihre übrigen Mahlzeiten werden vor allem aus Hafermehl zubereitet. Als Porridge wird es mit Zwiebeln, Butter, Pfeffer, Zucker, Milch, Bier oder Whiskey gewürzt, als Mittagessen fügt man geschnittenen Kohl oder Rüben hinzu.“
Haferflocken gibt es erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, vorher war oatmeal mehr oder weniger fein geschrotet und wurde oft stundenlang weich gekocht. Die Schotten bestehen darauf, Porridge werde traditionell nur mit Wasser und einer Prise Salz gekocht; die Milch kommt separat auf den Tisch. Engländer und Iren sehen das wesentlich lockerer und geben großzügig Obst und Rosinen in ihren Haferbrei, die Waliser Sahne und Zucker. Und was Engländer und Waliser können, das kann ich auch …
Rezept
Zutaten pro Person: 4 EL feine Haferflocken, 200 ml Milch, 1 EL Sahne, Honig oder Karamellsirup, Aprikosen (aus der Dose). Zubereitung: Die Milch aufkochen lassen, dann die Hitze runterdrehen und die Haferflocken darin etwa 10 Minuten aufquellen lassen (grobe Haferflocken entsprechend länger), kurz vorher die Sahne zugeben. Aprikosen klein schneiden und auf dem Teller untermischen, nach Belieben mit Zucker, Honig oder Sirup süßen.
Ein exotisch angehauchtes Porridge-Rezept nach Ottolenghi gibt es bei Fool for food









das original ist ja eher von der frugalen sorte. meine variante mit viel milch und/oder obers, gewürzen etc. dürfte in schottland einreiseverbot bekommen
http://www.esskultur.at/index.php/2010/01/06/winterfruhstuck-bei-schneegestober/
@katha: Wobei ich mir habe sagen lassen, dass die Österreicher bei kulinarischen Verstößen auch ganz schnell Einreiseverbote aussprechen
Haferflocken vorher anrösten klingt auf jeden Fall interessant, das werde ich mir merken. Wobei ich ja auch mit der Kokosmilch von Ottolenghi liebäugele …
deshalb habe ich ja gleich vorgebeugt
mit kokosmilch und (gerösteten) kokosflocken und dann eher exotischen früchten dazu (frische thaimangos!) machen wir’s auch gerne. wie’s gerade passt, ist nie gleich.