Wer hat das Frühstücksei erfunden?

Share in top social networks!

Das Frühstück ist vielleicht nicht die spannendste Mahlzeit des Tages, aber trotzdem ein paar Gedanken wert. Seit wann frühstücken wir eigentlich so, wie wir es heute tun? Seit wann geht zum Beispiel eine Tasse Kaffee ohne Essen als Frühstück durch, wie lange gibt es eigentlich schon Müsli und was haben die Deutschen gegessen, ehe es morgens Marmeladenbrötchen und ein gekochtes Ei gab?

Das traditionelle deutsche Frühstück war seit ewigen Zeiten ein Getreidebrei oder eine Morgensuppe. Sehr verbreitet war eine warme Biersuppe, in die Brot gebrockt wurde, und die auch der Adel löffelte, wenn auch mit Gewürzen verfeinert. Auf dem Land blieb man teilweise noch bis ins 20. Jahrhundert hinein bei dieser Gewohnheit, wenn sich auch der Kaffee am Morgen immer weiter ausbreitete, bei den kleinen Leuten natürlich meistens „Muckefuck“, also Ersatzkaffee. Während die Dienstboten in Ostfriesland um 1800 noch morgens wie abends Buttermilch mit Hafer- oder Gerstengrütze und dazu ein Stück Butterbrot bekamen, aßen die Marschbauern ihre Butterstulle schon mit Kaffee, ganz modern. An der Mosel kochte man zu dieser Zeit Erbsen- oder Kartoffelsuppe zum Frühstück. Gut gestellte Bauern im Badischen schöpften aus dem Vollen, denn „sie nehmen zum Frühstück eine gute dicke Brodsuppe, welcher nicht selten … dürre Bohnen, Erbsen, Linsen und auch Grundbirnen (= Kartoffeln) beygemischet werden und nach solcher … noch entweder Käse oder bloß gesottene Grundbirnen mit Salz oder sauere Milch“.

Von Biersuppe und Haferbrei zum Kaffee

Das Zeitalter des modernen Frühstücks begann mit der Verbreitung des Kaffeetrinkens im 18. Jahrhundert, in den Städten schneller als auf dem Land. Das bürgerliche deutsche Frühstück bestand jetzt aus einem schlichten Brötchen zum Kaffee. Um 1800 waren bei uns morgens aber weder Marmeladenbrot noch gekochte Eier üblich. Beides haben wir, so wie es aussieht, später von den Engländern bzw. den Schotten übernommen. Einen Hinweis darauf gibt ein Handbuch der Gesundheit im Jahr 1808: „Wir haben uns in neueren Zeiten an Thee und Kaffee zum Frühstück gewöhnt … In Schottland pflegt man die sogenannte Marmelade oder mit Zucker eingemachte Pomeranzenschalen zum Frühstück zu essen; an andern Orten wählt man frische Eier, die eben so wenig getadelt werden können.“ In Deutschland lagen diese Orte offensichtlich nicht.

Einige Jahrzehnte später schildert Carl Gustav Carus das damals in Schottland übliche Frühstück: „Dann versammelte man sich im Salon zum Frühstück, bei welchem die Tafel ganz reichlich … mit kaltem Fleisch, gebratenen Fischen, allerhand Gebackenem, weichen Eiern, Schinken, Honig und nebenbei mit der Scotish Marmelade besetzt war. Diese letztere ist ein appetitliches Eingemachtes von feingeschnittenen Orangenschalen in Zucker und wird (sonderbar genug – aber wirklich ganz empfehlenswert) zum Butterbrot gegessen.“ Marmelade zum Brot – das war für Deutsche damals noch eine höchst merkwürdige Idee.

Englisches Frühstück. Foto: André Zahn (Creative Commons)

Marmeladenbrot und Frühstücksei – alles aus Schottland?

Womöglich haben die Schotten wirklich das Frühstücksei erfunden. Die Engländer haben sich für diese Sitte jedenfalls so sehr begeistert, dass sie Anfang des 19. Jahrhunderts einen Eierkocher konstruierten: „In England hat man vor kurzem eine neue Art von silbernen Eyersiedern erfunden, die täglich in diesem Lande nötiger werden, weil die aus Schottland dahin verpflanzte Sitte, Eyer zum Frühstück zu genießen, immer allgemeiner wird. In der Mitte dieses neuen Eyerkochers steht eine Art von Theekanne, unter welcher eine von Spiritus unterhaltene Lampe brennt. Rings umher ist eine ansehnliche Familie von Eyerbecherchen aufgepflanzt, und oben befindet sich eine Sanduhr, welche gerade drey Minuten läuft; dies ist nämlich genau die Zeit, welche erfordert wird, um ein Ey halbgar zu kochen und es zum Frühstück zu essen.“ (Gabriel Ch. Busch, Handbuch der Erfindungen, Band 4, Eisenach 1807)

1871 berichtete eine Reisende in der Gartenlaube aus England: „Eine Dame ißt nur ein (gekochtes) Ei beim Frühstück, Herren mögen zwei essen … Trotz dieser Mäßigkeit werden in London eine ungeheure Anzahl von Eiern verbraucht. Es gibt große Geschäfte, die nur mit Eiern handeln …“.

Gabelfrühstück

Zu uns kam das Frühstücksei wahrscheinlich nach 1800 zusammen mit dem „Gabelfrühstück“, also dem zweiten Frühstück am späten Vormittag, das Thomas Mann in seinem Roman über die Lübecker Familie Buddenbrook schildert: „In einem … Brotkorb … lagen Rundstücke (= Brötchen) und Schnitten von Milchgebäck. Unter einer Kristallglocke türmten sich kleine, geriefelte Butterkugeln, unter einer anderen waren verschiedene Arten von Käse … Herr Grünlich frühstückte warm … verspeiste nach englischer Sitte ein leicht gebratenes Kotelett. Seine Gattin fand dies zwar vornehm, außerdem aber auch in so hohem Maße widerlich, daß sie sich niemals hatte entschließen können, ihr gewohntes Brot-und-Ei-Frühstück dagegen einzutauschen.“ Da ist es also, das Ei.

Während die Kulturgeschichte von Marmeladenbrötchen und Frühstücksei noch weitgehend unerforscht ist, sieht es beim Müsli besser aus. Erfunden wurde es um 1900 von dem Schweizer Maximilian Bircher-Benner für die Patienten seines Sanatoriums. Es bestand aus Haferflocken, Äpfeln, Nüssen, Zitronensaft und gezuckerter Kondensmilch – und war zunächst ein Abendessen. Als Frühstück populär wurde es bei uns erst in den 1970er Jahren durch die Studentenbewegung.

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
This entry was posted in Kulturgeschichte and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Wer hat das Frühstücksei erfunden?

  1. Da haben wir uns beide fast am gleichen Tag mit dem Thema Frühstück beschäftigt, schöner Zufall! Auch wenn mein Ausgangspunkt ein ganz anderer war. Und mein Bild vom englischen Frühstück ist schöner, als das von Herrn Zahn! :) :) :)

  2. Petra Foede says:

    @AT: Ja, dein Bild ist natürlich viel schöner :) Aber nächste Woche koche ich Porridge und fotografiere selbst und das Bild wird garantiert der Knaller ;)