Himmel und Erde

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Schon wieder ist eine Woche um und ich bin mal wieder zu nichts gekommen, jedenfalls zu nichts, was sich sinnvoll verbloggen ließe. Ein bisschen gekocht habe ich zwar (mit neuen Töpfen) in meiner Zwergenküche, aber nichts Interessantes, nichts mit Geschichte. Eigentlich wollte ich etwas über Teltower Rübchen schreiben, passend zur Jahreszeit, aber dann habe ich kurz vor knapp bei der Recherche festgestellt, dass das einzige Büchlein, dass zu dieser Wurzel jemals geschrieben wurde, nur in einem einzigen Buchladen dieses Landes zu haben ist – und der befindet sich nicht in Berlin. Sondern in Kleinmachnow. Mal sehen, wann es mich auf dem Postweg erreicht. Das heißt jedenfalls: Der Beitrag über Teltower Rübchen fällt diese Woche aus.

Immerhin habe ich durch die Verzögerung jetzt ausreichend Zeit, an einem Blog-Event bei Louise von Months of edible Celebrations teilzunehmen, die ihren vierten Blog-Geburtstag mit einer “Kochbuch-Party” feiert. In den USA wird jeder Monat diversen Gerichten und Lebensmitteln gewidmet, außerdem gibt es noch zahlreiche spezielle Feiertage. Der Oktober ist unter anderem Käse-Monat, Apfel-Monat, Chili-Monat, Keks-Monat, Pasta-, Pizza- und Spinat-Monat …  und das ist nur eine kleine Auswahl. Also jeder Teilnehmer der Kochbuch-Party sucht sich eines dieser Lebensmittel aus, das dann in seinem Rezept vorkommt. Meine Wahl fiel auf die Äpfel. Äpfel habe ich nämlich immer im Haus. Was habe ich sonst noch so da? Kartoffeln, Zwiebeln, Eier, Butter … Und was habe ich damit noch nie gekocht? “Himmel und Erde” zum Beispiel.

Das hat seine Gründe. Als Kind empfand ich die Kombination von Kartoffel- und Apfelbrei als geschmackliche Zumutung, und Kartoffelpuffer mit Apfelbrei mochte ich auch nicht. Und dann auch noch gebratene Blutwurst, die es im Rheinland dazu gibt – nein danke! Also kurz und gut: Um das deutsche Traditionsgericht “Himmel und Erde” habe ich immer einen großen Bogen gemacht. Aber gestern habe ich es gekocht – und gegessen. Und ich fand es gar nicht mal so schlecht. Wo es erfunden wurde, weiß übrigens niemand so genau, man kennt es in Norddeutschland, in Schlesien, im Rheinland, in Westfalen … Es ist klar, dass das Rezept erst nach der Verbreitung der Kartoffel in Deutschland entstanden sein kann, also kaum vor dem 18. Jahrhundert. Vor 1900 hieß das Gericht in den Kochbüchern auch noch nicht “Himmel und Erde”, sondern schlicht “Kartoffeln mit Äpfeln” und war eine Beilage zu Fleisch.

Rezept von Sophie Wilhelmine Scheibler (1866)

Mein Rezept stammt von Horst Lichter, der bekanntlich Rheinländer ist. In seinem Kochbuch Alles in Butter bereitet er “Himmel und Erde” sehr klassisch zu, er ersetzt lediglich die Äpfel durch Birnen und mischt sie unter den Kartoffelbrei. Das war mir zu langweilig (zuviel Brei …). Seine Variante mit dem Reibekuchen hat er im Februar in der ZDF-Fernsehsendung “Lafer! Lichter! Lecker!” gekocht.

Rezept

Zutaten für 4 Personen: 500 g Kartoffeln, 1 säuerliche Äpfel, 2 Zwiebeln, 250 g Blutwurst am Stück, 2 Eier, Mehl, Butter, Öl, Zucker, Salz, Pfeffer, Muskatnuss. Zubereitung: Butter in der Pfanne schmelzen, die Äpfel schälen, in Spalten schneiden und ein paar Minuten dünsten, dann mit Zucker bestreuen und leicht karamellisieren. Äpfel aus der Pfanne nehmen und warm halten. Eine Zwiebel in Ringe schneiden, in der Pfanne goldgelb dünsten, salzen, herausnehmen und warm halten. Die Blutwurst pellen, in dicke Scheiben schneiden und in Mehl wenden. In Öl oder Butterschmalz bei mittlerer Hitze anbraten; aus der Pfanne nehmen und warm halten. Die Kartoffeln schälen und auf einer Reibe “mittelfein” reiben (bei mir war es eher fein). Die Kartoffelmasse in einem Geschirrtuch gut auspressen und in eine Schüssel geben. Eine klein gehackte Zwiebel, die Eier und 1 EL Mehl dazu geben und alles miteinander vermengen. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken. Öl oder Butterschmalz in einer sauberen Pfanne erhitzen, eine kleine Schöpfkelle voll Kartoffelmasse hineingeben, mit einem Löffel zu einem flachen Fladen drücken und goldbraun ausbacken. Auf Küchenkrepp etwas abtropfen lassen, dann zusammen mit der Blutwurst, den Zwiebeln und den Äpfeln anrichten.

 

 

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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7 Responses to Himmel und Erde

  1. Louise says:

    Oh Petra, this recipe is just perfect for the Cookbook Party. I’m sorry the turnips didn’t work out but, in a way, I’m very delighted. YOU get to join us at the Cookbook Party!!! I know exactly which book I will send you if you win. (did you read about the prizes?)

    I love the story, the humor and of course the heavenly dish you have set before us. Thank you so much for joining in Petra. It’s just wonderful!!! Louise

  2. Petra Foede says:

    Louise you are really one of my favourite readers :) It’s always so much fun to join in your games

  3. Claus says:

    Allerliebste Petra. Ich glaub´, da musste nochmal nachjustieren…:-)

  4. Mathias says:

    Kartoffelpuffer mit Apfelmus hatte ich das erstemal letzte Woche, wir essen bei uns traditionell grünen Salat dazu. Mir hat´s geschmeckt.. jederzeit wieder.
    Himmel und Erde hab ich auch schon einmal gekocht, allerdings nach einem Rezept mit Speckwürfel und ohne Wurst. Als Kind hätte ich die Kombination Apfel und Kartoffel wohl auch nicht so gemocht. Auch den Apfelkren hab ich erst im Erwachsenenalter kennen gelernt. Früher aß man in Österreich auch gerne Apfelkren mit Salzkartoffeln, also ganz ohne Tafelspitz.

  5. Petra Foede says:

    @Mathias: Kartoffelpuffer mit Salat mag ich auch, mochte ich auch schon als Kind. Aber die Hauptspeise zusammen mit dem “Nachtisch” auf einem Teller – das habe ich überhaupt nicht eingesehen :)

  6. lone says:

    Bei uns zuhause, wurde dies Gericht anders gekocht.Kartoffeln mit so wenig wie möglich Wasser aufsetzen.Wenn das Kartoffelnwasser kocht, kleingeschnittene Apfel hinzugeben. In der Zwischenzeit fette Speck- und Zwiebelwürfel braun anbraten.
    Wenn die Kartoffeln gar sind, Speck+Zwiebeln hinzugeben.Falls zu viel Wasser noch im Topf ist, evtl. mit Maizena etwas andicken.(Ich verwende manchmal das Pulver von Fertig-Kartoffelmus zum andicken).Dazu serviere ich gern Grützwurst oder Leber.
    Ich weiß nicht, woher meine Familie dies Rezept hat. Weiß jemand aus welchem Landstrich diese Art der Zubereitung kommt?
    (Vielleicht war meine Großmutter nur zu faul, alles zu stampfen.)

  7. Petra Foede says:

    Also Kartoffel und Äpfel für dieses Gericht gemeinsam zu kochen war im 19. Jahrhundert noch weit verbreitet, allerdings wurde danach normalerweise beides gemeinsam zu Brei gestampft, also zu Apfel-Kartoffelbrei. So macht das zum Beispiel auch Henriette Davidis, die war Westfälin. Möglicherweise mochte deine Oma einfach keinen Brei oder war wirklich zu faul, alles zu stampfen :) Oder kennt das sonst noch jemand so? Kartoffelbrei und Apfelbrei getrennt essen ist jedenfalls relativ modern