Kochbuch: Himmlische Küche

Share in top social networks!

Die traditionelle deutsche Küche, vor allem die Regionalküche, ist seit einigen Jahren wieder sehr gefragt, und diesen Trend spiegeln auch die neueren Kochbücher wider. Christa Spilling-Nöker, evangelische Pfarrerin und Hobbyköchin, widmet sich in ihrem Buch „Himmlische Küche. Kochbuch für die christlichen Feste“ aber nicht nur traditionellen Gerichten, sondern sie bettet sie ein in Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Feiertagen und Zyklen des Kirchesjahres. Außerdem gibt es ein Dutzend Rezepte von Spitzenköchin Lea Linster.

Reine Kochbücher nach dem bewährten Schema „Rezept plus Bild“ interessieren mich weniger. In diesem Buch gibt es jedoch auch einiges zu lesen, sowohl zu den christlichen Festen als auch zu Gerichten und Gebäcken. Die Autorin beginnt ihre Übersicht über das Kirchenjahr etwas überraschend mit dem Sonntag und einem Menü der Buddenbrooks, ehe sie zur Adventszeit und Weihnachten übergeht. Es folgen Silvester und Neujahr, Heilige Drei Könige, Karneval, die Fastenzeit, Gründonnerstag, Ostern, Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnahm, Allerheiligen/Halloween und Sankt Martin. Während die Erläuterungen zum religiösen Hintergrund meistens sachlich-nüchtern ausfallen, sind die eingestreuten Geschichten zu Lebkuchen, Marzipan oder dem Osterhase deutlich erzählfreudiger. Besonders gut gefallen mir aber die autobiografischen Erinnerungen von Schriftstellern und realitätsnahe Schilderungen aus der Literatur, die dem Buch etwas Lebendiges und Authentisches geben.

So berichtet Theodor Fontane in seinem Roman „Vor dem Sturm“ 1878 über die Festtafel zu Neujahr: „Alle Speisen standen schon in der Mitte, als erster Gang eine große Schüssel mit Mohnpilen, daneben links ein Heringssalat und rechts eine Sülze. Alles reich gewürzt; auf dem Mohn eine dichte Lage von gestoßenem Zimt, auf dem Salat kleine Zwiebeln, die mit Pfeffergurken und sauren Kirschen abwechselten. Ein echtes Berliner Essen …“.

Dass sich die Rezepte von Lea Linster zwar an den Jahreszeiten orientieren, aber (verständlicherweise) nicht an den Terminen des Kirchenjahres, merkt man, wenn zum Beispiel ein Hühnchen in Weißwein als „Fastnachtshuhn“ auftritt und Seeteufel à l’amoricaine zum „Heiligabend-Fisch“ erklärt wird. Das stört (zumindest mich) nicht weiter. Die übrigen Rezepte stammen vor allem aus älteren Kochbüchern, sind aber nicht so alt, dass sie nicht problemlos nachkochbar wären. Ein paar Rezepte hat die Autorin selbst beigesteuert, andere sind einem Kochbuch der Dominikanerinnen von Wörishofen entnommen. Erwähnenswert wäre noch, dass die „Himmlische Küche“ kein reines Kochbuch ist, weil es auch Backrezepte enthält.

Passend zum Konzept des Buches ist nicht jedes Rezept bebildert, viele Fotos illustrieren Festtage des Kirchenjahres. Das Cover ist für meinen Geschmack ein bisschen zu kühl und unsinnlich ausgefallen, aber wie heißt es so schön: Don`t judge a book by it’s cover.

Christa Spilling-Nöker: Himmlische Küche. Kochbuch für die christlichen Feste; Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2010; 213 Seiten (22,95 Euro)

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
This entry was posted in Bücher and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

2 Responses to Kochbuch: Himmlische Küche

  1. Penelope says:

    Don`t judge a book by it’s cover – and not by it’s title: weil, das “Himmlisch” gefällt mir so gut und scheint sich zumindest in den Rezepten nicht so wiederzufinden, denn Manna vermisse ich da schon und auch Engelkuchen…

  2. Petra Foede says:

    @Penelope: “Himmlische Küche” ist sicher nicht ganz treffend, aber der Untertitel gibt ja eine gewisse Orientierung. Es geht jedenfalls weder um Kloster-Küche noch um Rezepte aus der Bibel