Wie die Limonade ins Bier kam

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Ehrlich gesagt bin ich keine große Biertrinkerin, eher gar keine. Um mir Bier schmackhaft zu machen, muss man schon etwas hineinschütten. Ich meine keinen Schnaps, sondern Limonade. Dieses Gemisch kennt man in Süddeutschland als Radlermaß und in Norddeutschland als Alsterwasser, mancherorts hat man dafür aber auch noch ganz andere Namen wie „Fliegerpils“, „Ententeich“, „Wurstwasser“ … Je nach regionaler Vorliebe kippt die Kellnerin dann Zitronen- oder Orangenlimo ins Pils oder ins Weißbier. Und das im Land des Reinheitsgebots!


Spezialgetränk für Radfahrer

Und wer hat damit angefangen, das reine deutsche Bier mit Limonade zu panschen? Ausgerechnet die Bayern. Behaupten sie jedenfalls selbst. Ein echtes bayerisches Original, der Kugler Franz, soll im Sommer 1922 die erste Radlermaß ausgeschenkt haben. Franz Xaver Kugler (1873-1935) verdiente seinen Lebensunterhalt als junger Mann zunächst als Gleisarbeiter an der Strecke München-Holzkirchen; bald kam er auf die Idee, die Bierversorgung der Männer zu übernehmen und mit einer Kutsche zwischen der nächstgelegenen Wirtschaft und der Baustelle zu pendeln. Dann eröffnete er einen Kiosk. Als die Bahnstrecke 1897 fertig gestellt war, eröffnete Kugler ein Ausflugslokal in Deisenhofen bei München, die Kugler-Alm. Die Gaststätte war sehr beliebt, und im Juni 1922 sollen tausende von Radfahrer die Alm regelrecht gestürmt haben. Als am Nachmittag das Bier knapp wurde, soll der Kugler Franz die geniale Idee gehabt haben, den Gerstensaft mit Zitronenlimonade zu strecken und als ideale Erfrischung für Radler anzupreisen … die Geburtsstunde der Radlermaß.

Franz Xaver Kugler

Kuglers Alm war in den 1920er Jahren tatsächlich ein Magnet für Ausflügler, es gab dort auch Bier mit Limo – nur erfunden wurde das „Radler“ dort nicht. Lena Christ, die als junges Mädchen in der Gastwirtschaft ihrer Eltern in München als Kellnerin arbeitete, berichtete schon 1912 in ihren Erinnerungen einer Überflüssigen:

In der Schenke ging es zur Mittagszeit noch ziemlich ruhig her; doch war am Nachmittag auch hier ein großes Hinundher. Da wurde nicht nur Bier ausgeschenkt, sondern auch alle möglichen Limonaden, Sauerbrunnen, Schorlemorle, Radlermaße und auch gar manche Flasche Wein.“

Kugler-Alm um 1910

Kugler-Alm um 1910

Postkarte der Kugler-Alm

Berliner Sitten in München

Die „Limonadisierung“ des Münchner Bieres muss viel früher begonnen haben, wie ein Bericht aus dem Jahr 1869 beweist, als ein Besucher in der berühmt-berüchtigten Kneipe „Zum Ewigen Licht“ – in der angeblich die Weißwurst erfunden wurde – im Sommer statt des üblichen Bieres unerwartet etwas anderes vorgesetzt bekam: „Es war Weizensaft, die Berliner Blonde in erhöhter Potenz, mit Zuckerstoff und Citronenscheibe noch gesteigert. Ich glaubte, die Isar mit der Spree verwechselt zu haben …“. Was war das anderes als Radler mit Weißbier, das in Süddeutschland heute Russ’n genannt wird.

Die „Berliner Weiße mit Schuss“ hat sich dagegen aus der süßen Bier-Kaltschale entwickelt. Ich weiß nicht genau, wann man angefangen hat, Rosinen und Zitronenscheiben wegzulassen und stattdessen Himbeersirup ins Glas zu gießen, aber auf jeden Fall schon vor 1920.

Foto: Wusel007 (Creative Commons)

 

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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7 Responses to Wie die Limonade ins Bier kam

  1. Claus says:

    Die gehören in die Wüste geschickt!!! Die, die Limo ins Bier schütten! Datt sind dieselben, die auch Sprudel innen Wein knallen! An inne Wüste mit denen!!! Junge, watt hab ich mich wieder aufgeregt ;-) )

  2. Petra Foede says:

    Du hast mich gerade in die Wüste geschickt Claus … Trink erst mal nen Schnaps nach der Aufregung :)

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  4. Liebe Petra,

    wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, dann soll unser Radlermaß auch noch in Berlin erfunden worden sein. Wir armen Bayern – uns bleibt am Ende dann nur noch unsere Weißwurst, aber auch da gibt es Gerüchte, dass uns die Franzosen die Erfindung der Weißwurst wegnehmen wollen.

    Es grüßt der letzte Bayer im Internet

    Martin

  5. Petra Foede says:

    @Martin: So weit würde ich jetzt nicht gehen, das wäre jedenfalls reine Spekulation, aber der Besucher kannte offensichtlich ein ganz ähnliches Getränk aus Berlin. Als Trost: Die bayrische Weißwurst ist nicht dasselbe wie die französische Weißwurst (auch wenn sie nicht im “Ewigen Licht” erfunden wurde). Darauf ein Prosit! :)

  6. Günter says:

    Ich bin ja eigentlich auch eher der Meinung, dass man einem guten Bier keinen Gefallen tut, wenn man es mit Limonade oder dergleichen panscht. Allerdings muss ich auch zugeben, dass ein einem schönen sonnigen Tag Mittags zur Erfrischung auch mal ein Radler herhalten darf, schliesslich schiesst das auch nicht gleich so in den Kopf.
    in dem Sinne ein Prosit!

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