Aus Omas Küche: Kirschmichel

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Dieser Post ist etwas anders als sonst, weil ich wie im vorigen Jahr am virtuellen Picknick von Louise teilnehme, aber dazu später mehr. Erst mal zum Kirschmichel, einem süßen Auflauf aus altbackenen Brötchen und Kirschen, den ich als Kind sicher gerne gegessen hätte – wenn es ihn bei uns gegeben hätte. Offensichtlich bin ich in Nordhessen nicht nur jenseits des ominösen Weißwurst-Äquators aufgewachsen, der Bayern von „Preußen“ trennt, sondern auch jenseits der Kirschmichel-Zone, die laut Wikipedia Baden-Württemberg, Bayern, die Pfalz und Südhessen umfasst. Wirklich Pech. Aber zum Glück lassen sich manche Dinge ja nachholen. Hier also mein erster Kirchmichel (leider sieht er auf den meisten Fotos aus wie ein Verkehrsunfall):


Der Kirschmichel hat noch andere Namen, zum Beispiel Kirschjockel oder Kerscheplotzer in der Pfalz und in Baden. Wie die Süßspeise zu den Vornamen Michel und Jockel (Jochen) gekommen ist, weiß man nicht genau, es könnte eine Art Kosename für ein beliebtes Gericht sein, so wie „Wackelpeter“ für Wackelpudding (Jell-o pudding). Nach einer anderen Theorie erinnern die Namen noch an symbolische Mahlzeiten für Kobolde, die als gute Geister im Haushalt gebraucht wurden, und die oft Nickel, Hans, Kunz, Michel oder Jockel genannt wurden. In alter Zeit stellte man für sie Teller mit Milch, Grütze und Semmeln auf. Nimmt man statt Kirschen Äpfel, dann heißt der Auflauf „Ofenschlupfer“ (Slip in the oven) – oder auch Apfelkunz.

Diese einfachen Obstkuchen sind sicher entstanden, weil man altbackenes Brot oder alte Brötchen früher nicht weggeworfen, sondern verwertet hat. Ein anderes bekanntes Beispiel dieser Resteverwertung sind Arme Ritter. Schon im Mittelalter wurde hartes Brot in Milch oder Wasser eingeweicht und mit Gewürzen und zerstoßenen Mandeln vermischt. Wurde das Ganze gebacken oder im Tuch gekocht, hatte man einen „Brotpudding“. Bei dem Brot handelte es sich früher aber meistens um dunkles Brot, Eier und Zucker hatten auch im 19. Jahrhundert nur gut situierte Familien ständig zur Verfügung.

Rezept

Zutaten für 4 Portionen: 750 g entsteinte Kirschen (frisch oder aus dem Glas), 5 altbackene Brötchen, 300 ml Milch, 4 Eier, 100 g Butter, 100 g Zucker, 100 g geriebene Mandeln, Puderzucker. Zubereitung: Kirschen aus dem Glas vorher gut abtropfen lassen. Den Backofen auf 175 Gras vorheizen. Die Brötchen in Scheiben schneiden, mit der lauwarmen Milch übergießen und aufquellen lassen. Die Eier trennen. Dann die Butter mit dem Zucker und dem Eigelb schaumig rühren. Anschließend die Mandeln und die Brötchenmasse dazu geben, danach die Kirschen. Das Eiweiß mit einer Prise Zucker zu festem Eischnee schlagen und unterheben. Den Teig in eine gefettete Auflauf- oder Kuchenform füllen und bei 200 Grad etwa 45 bis 60 Minuten backen (Garprobe mit einem Holzstäbchen machen). Vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben.


Jetzt zum Picknick-Spiel, das so funktioniert wie bei uns das Spiel „Ich packe meinen Koffer”, nur wird statt des Koffers ein imaginärer Picknickkorb gepackt. Also das Spiel geht so: I’m going to a picnic and I’m taking with me …


About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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11 Responses to Aus Omas Küche: Kirschmichel

  1. Claudio says:

    Sehr schön, Petra, und unterscheidet sich wirklich kaum vom Kirschentschu.

  2. Petra Foede says:

    Also ein bisschen schöner sieht dein Tschu schon aus

  3. gloria says:

    Petra look yummy!!! gloria

  4. Liebe Petra,

    bei uns heißt er auch noch Kirschkoch. Wobei der Koch für Auflauf steht. Und ein Apfelauflauf heißt auch Schoadlrocka aber nur wenn er an Maria Lichtmess gebacken wird. Ansonsten wird er Scheiterhaufen genannt.

    Es grüßt der namensverwirrte

    Martin

  5. Wahrscheinlich ist es so, desto mehr verschiedene regionale Namen man findet, desto älter ist ein Gebäck. Könnte ich mir jedenfalls gut vorstellen.

    Es grüßt mit regionalem Gruße

    Martin

  6. Petra Foede says:

    @Martin: Scheiterhaufen ist auch ein sehr interessanter Name für einen Auflauf. Die Idee zur Vielzahl der Namen ist an sich clever gedacht, trifft aber nach Meinung von Experten nur dann zu, wenn es besonders viele Namen für ein Gericht bzw. Varianten für ein Gericht innerhalb einer Region gibt … Ansonsten müssen die Namen nicht alle unbedingt besonders alt sein. Wahrscheinlich ist es so, dass jede Region sich ein besonders beliebtes Rezept auch wirklich “einverleiben” will und sich dann einen eigenen Namen dafür ausdenkt, um es so als Teil der eigenen Küche zu kennzeichnen oder so ähnlich.

  7. Louise says:

    I Know I was here the other day to see your delectable dessert. I can’t imagine what happened to my comment.

    Well, here I am again and as happy as the first time. It looks absolutely delicious and will be a wonderful delight to sample at the Picnic Game.

    Thank you so much for “playing” again, Petra. We have lots and lots of goodies in store, just you wait and see!!!

  8. Petra Foede says:

    @Louise: Oh if you were here already probably my new spam filter had a bad day and he “swallowed” it. Anyway thanks for coming around again. I’m really curious what the others will bring for the picnic.

  9. Barbara says:

    Looks delicious, Petra! What fun this picnic is.

  10. This looks delicious and something new to me. I am so curious to find out how this taste so I got to make it someday soon.

  11. Petra Foede says:

    It’s something like a bread pudding with cherries