Blick durchs Schlüsselloch: Die Hochzeitsmenüs der Royals

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Für die Medien war es die Traumhochzeit des Jahres: Prinz William heiratete am 29. April in London seine bürgerliche Verlobte Kate Middleton, die damit zur Herzogin von Cambridge wurde. Die Hochzeit wurde weltweit von zwei Milliarden Zuschauern live am Fernseher miterlebt (oder vielleicht eher von 1,99 Milliarden Zuschauerinnen und ein paar tausend Männern???). Wir (Frauen) kennen jetzt alle Details über Kates Brautkleid, wissen dass William auf einen Ehering verzichtet und dass das Paar sich auf dem Balkon des Buckinghampalasts gleich zweimal geküsst hat. Doch wir wissen längst nicht alles. Das Menü des abendlichen Hochzeitsdinners zum Beispiel war geheim – kein Wort an die Presse.

10.000 Schnittchen und zwei Hochzeitstorten

Immerhin gab der Hof vorab bekannt, dass die 650 geladenen Gäste nach der kirchlichen Trauung ein üppiges Büffet mit 10.000 Kanapees erwartete, die ein Team von 21 Köchen zubereitet hatte. Dazu gehörten Krabbensalat auf Zitronenblini, Ententerrine mit Fruchtchutney, Wachteleier und Yorkshire Pudding, außerdem süße Tarteletts. Beim Empfang wurden auch die beiden Hochzeitstorten angeschnitten. Die große der Braut bestand aus 17 verschiedenen Früchtekuchen, die mit Sahne und Zuckerguss überzogen waren. Die zweite war auf speziellen Wunsch von Prinz William nach einem Familienrezept hergestellt worden, eine Art königlicher „Kalter Hund“ aus 1700 Keksen und 20 Kilo Schokolade. Das Rezept ist natürlich auch streng geheim – wurde aber von Prinzessin Dianas früherem Koch schon vor Jahren in seinem Buch „Eating royally“ verraten :) Wer sich daran versuchen möchte, findet es bei Scrumpdillyicious.

Top secret war und ist das abendliche Dinner für 300 Freunde und Familienmitglieder des Brautpaares. Fest steht, dass das dreigängige Menü unter Leitung des Schweizers Anton Mosimann gekocht wurde, der in London ein exklusives Restaurant besitzt. Er wurde vertraglich zum Schweigen verpflichtet, die Menükarten wurden direkt nach dem Essen eingesammelt. Dabei war das Aufgetischte offenbar gar nicht besonders brisant. Es sickerte durch, dass als Vorspeise Krabbensalat, Krabben-Mousse sowie Krebse serviert wurden, gefolgt von „drei Variationen vom Lamm“ als Hauptgang. Das Dessert bestand aus Mini-Trifle, Schoko-Mousse und Eiscreme.

Foto: UK Ministry of Defence

Gefüllte Hühnerbrüstchen Diana und Eisbombe Elizabeth …

Aus unerfindlichen Gründen werden die Speisekarten bei Hochzeiten des britischen Königshauses traditonell auf Französisch verfasst. Mindestens ein Gericht wird der Braut gewidmet, manchmal bekommt der Bräutigam auch noch eins ab. So bestand der Hauptgang des Hochzeitsmenüs von Prinz Charles und Lady Diana Spencer offiziell aus „Suprême de volaille Princesse de Galles“ – Hühnerbrüstchen, gefüllt mit Lamm-Mousse, à la Prinzessin von Wales. Wie galant … Als Vorspeise gab es damals Fischklößchen in Hummersauce, als Dessert ganz schlicht Erdbeeren mit Sahne.

Elizabeth II. und Prinz Philip. Foto: TIME LIFE

Williams Großmutter, die aktuelle Queen, speiste mit ihren Hochzeitsgästen 1947 beim mittäglichen Empfang, der Wedding Breakfast genannt wird, „Schollenfilet Mountbatten“, benannt nach Prinz Philip, gefolgt von Rebhuhn und „Eisbombe Prinzessin Elizabeth“ (Königin wurde sie erst sechs Jahre später). Bei ihrem Vater George und “Queen Mum” gab es 1923 noch fünf Gänge: Consommé à la Windsor, Lachsfilet Königin Mary, Lammkotelett Prinz Albert, Kapaun à la Strathmore (das war der Geburtsname ihrer Mutter) und Erdbeeren Elizabeth.

Queen Victoria und Prinz Albert

Die Torten: Höher, schwerer, weißer …

Welche Windsor-Braut hatte die eindrucksvollste Torte? Schwer zu sagen. Die vierstöckige Hochzeitstorte der heutigen Königin wog stolze 500 Pfund, war aber eindeutig zierlicher als das drei Meter hohe Prachtexemplar ihrer Mutter. Die Torte von Queen Victoria bei ihrer Hochzeit 1840 war da vergleichsweise bescheiden: nur einstöckig, aber mit einem Umfang von immerhin 2,70 Metern und essbaren Figuren als krönendem Aufsatz. Für bürgerliche Bräute gab es zu dieser Zeit übrigens noch gar keine Torte.

Modell der Hochzeitstorte von "Queen Mum". Foto: TIME LIFE

Hochzeitstorte für Queen Victoria

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About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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2 Responses to Blick durchs Schlüsselloch: Die Hochzeitsmenüs der Royals

  1. Perla says:

    Perla kann 2 Männer beisteuern die die Hochzeit gesehen haben. Ich war zum Zeitpunkt der Hochzeit mit meinen Söhnen in London. Und nachdem wir die ganze Woche zum Frühstücksfernsehen die Hochzeitsvorbereitungen “erlitten” hatten, mußten wir uns ja wohl auch noch die Hochzeit im Fernsehen anschauen. Vom Essen war wirklich die ganze Woche keine Rede. Nur von Schleppenlängen der Bräute usw.
    Übrigens: Wann ist ein Beitrag über Fish and Chips, das Britische Nationalgericht geplant? Beide Söhne sind danach süchtig und ich kann den Backteig nicht so richtig hinkriegen!
    Sehnsüchtig wartend
    Perla

  2. Petra Foede says:

    @Perla: Du siehst, es gibt hier im Blog wirklich ganz exklusive Informationen :) Fish und Chips hatte ich bislang nicht wirklich geplant, aber ich kann es mir ja mal notieren. Ob ich dann herausfinde, wie der echt englische Backteig sein muss – schauen wir mal …