Vive les Macarons!

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Momentan würde ich den Frühling in Berlin gerne gegen den in Paris eintauschen. An der Seine lässt sich Tristesse einfach besser ertragen … Immerhin eine kleine Aufmunterung sind die Macarons, die mir in den Galeries Lafayettes farbenfroh aus der Vitrine entgegen leuchten: Schokolade, Himbeere, Pistazie, Zitrone … Und heute ist auch noch „Tag der Macarons“ – naschen für einen guten Zweck! 40 Cent pro verkauftem Macaron gehen als Spende an ein Berliner Kinderhilfswerk. Da wäre es ja geradezu egoistisch, sich diesen kleinen Genuss zu verkneifen ;)

Es heißt, die unglückliche Königin Marie-Antoinette sei den Macarons verfallen gewesen; der Film über sie mit Kirsten Dunst in der Hauptrolle löste 2006 international einen regelrechten Macaron-Hype aus. Wobei der französische Adel des 18. Jahrhunderts die kleinen, mit Creme gefüllten Doppeldecker noch gar nicht gekannt haben kann, denn die wurden erst um 1930 in der Pariser Patisserie Ladurée erfunden. Heißt es. Andererseits vermuten manche ihren Ursprung in mittelalterlichen Klöstern.

Die Geschichte der Macarons

In Frankreich taucht das Wort macaron Mitte des 16. Jahrhunderts auf. Einer beliebten Legende zufolge wurde das Mandelgebäck von Catharina de Medici aus Italien mitgebracht, als sie 1533 den französischen Thronfolger heiratete. Tatsächlich haben die ursprünglichen Macarons eine gewisse Ähnlichkeit mit den bekannten Amarettini. Nach Deutschland gelangte das Rezept im 17. Jahrhundert. Im Vollständigen Nürnbergischen Kochbuch von 1691 heißt es: „Mackaronen. Nehmet ein Pfund abgeriebener Mandeln/ein halb Pfund Zucker/zerklopffet von zwölff Eyern das Weisse/zuckert es/mischet beedes unter einander/setzet solche auf eine doppelte Oblat …“. Die Franzosen nahmen keine Oblaten, aber das war der einzige Unterschied. Nach 1900 kamen bei uns plötzlich Makronen aus Kokosraspeln in Mode und das so vehement, das die mit Mandeln hierzulande quasi ausgestorben sind.

rechts Amarettini, links Macarons aus Reims

Zurück nach Frankreich. Hier wurden Macarons bald in vielen Nonnenklöstern hergestellt. Die Einnahmen aus dem Verkauf trugen zum Lebensunterhalt der Schwestern bei. Überregional bekannt waren vor allem die Kekse aus Nancy. Verfeinert wurde das Grundrezept aber in den Küchen des Adels. Schon Mitte des 18. Jahrhunderts gab es erste gefüllte Macarons. Ähnlich wie bei einem Berliner Pfannkuchen kam dafür vor dem Backen ein Klecks Marmelade oder Creme in die Mitte der Mandelmasse. Das waren die Macarons der Marie-Antoinette. Ein Jahrhundert später bohrten Konditoren Löcher in die fertigen Makronen, füllten sie mit Gelee und überzogen sie mit Zuckerguss. Und bei Charles Ranhofer, einem Franzosen in New York, habe ich den ersten „Doppeldecker“ gefunden: Erdbeer-Macarons, für die die Mandelmasse mit Carmin rot gefärbt wurde. Nach dem Backen wurden jeweils zwei mit Erdbeermarmelade aufeinander gepappt. Dieses Rezept ist von 1894.

Die Pariser Konditorei Ladurée musste also gar nicht mehr so viel erfinden, aber sie hat das doppelte Macaron perfektioniert und veredelt. Und das war dann so gut, dass es ein Luxemburger für die Schweizer Confiserie Sprüngli 1958 glatt nochmal erfunden hat, die ihre Macarons seitdem als „Luxemburgerli“ verkauft …

Wer Macarons selbst machen will, kann ja mal die Rezepte von Karin Messerli via Valentinas Kochbuch oder von Aux dèlices d’Àurélie ausprobieren.

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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5 Responses to Vive les Macarons!

  1. lamiacucina says:

    Das süsse Zeug beeindruckt mich immer wieder wegen der knalligen Farben. Nur essen mag ich es nicht.

  2. Petra Foede says:

    Macarons sind schon sehr süß, mehr als eine auf einmal esse ich auch nie. Leider sind sie in Berlin bei weitem nicht so gut wie in Paris *seufz*

  3. petra says:

    Die M. von Sprüngli sind aber auch mit die besten! Ich habe in Frankreich schon viele davon durchprobiert, aber die in Zürich… hmmmmm!

  4. Perla says:

    Habe in London beim franz. Bäcker Paul erstmals M. probiert. Bisher waren mir die bunten Dinger einfach unsympathisch. Auf deinen Artikel hin habe ich mich endlich getraut. Was für ein Erlebnis! Überirdisch gut. Glücklicherweise aber so teuer, daß man nicht in Versuchung kommt zuviel davon zu essen. Werde in Wién versuchen günstigere M. bei unseren hiesigen Konditoreien zu finden. Danke für deine herrlichen Aufsätze zu kulinarischen Köstlichkeiten, ich lese jeden einzelnen mit Genuß.

  5. Petra Foede says:

    @Perla: Vielen Dank für dein Lob. Ich freue mich immer über Feedback von Lesern resp. Leserinnen :)