Die 60er Jahre waren kulinarisch vielleicht das spannendste Jahrzehnt der Nachkriegszeit, weil sich die deutsche Küche in dieser Zeit ziemlich stark verändert hat. Als es endlich wieder selbstverständlich war, sich jeden Tag satt zu essen, rückte der Geschmack des Gekochten in den Mittelpunkt. An die Aufbruchstimmung dieser Zeit erinnert Unser Kochbuch der 60er Jahre von Günther Klahm, Teil einer mehrbändigen Reihe von Retro-Kochbüchern des Wartberg-Verlags.
Das Buch kommt in recht hochwertiger Aufmachung daher, mit vielen Fotos auf Hochglanzpapier. Die Rezepte sind thematisch auf 21 Kapitel aufgeteilt und werden von mehr oder weniger persönlichen Erinnerungen begleitet. So erfahren die Leser zum Beispiel, dass Spaghetti mit Tomatensauce Ende der 60er Jahre bei Studenten auch deshalb so beliebt waren, weil sie als symbolischer Protest gegen die Elterngeneration angesehen wurden. Die ersten Fertiggerichte wie Ravioli und Fischstäbchen kamen auf den Markt. Und durch die „Wienerwald“-Kette mit ihren Grillhähnchen wurde Auswärtsessen plötzlich für fast alle erschwinglich.
Auch wenn ein Kapitel neumodischen Kreationen wie Schinkenröllchen, Toast Hawaii und Russischen Eiern gewidmet ist, sind die meisten Rezepte doch ausgesprochen bodenständig, so wie es eben der damaligen Alltagsküche entspricht. Viele Suppen und Eintöpfe, beim Fisch dominiert der Hering, während die Fleischgerichte ziemlich international ausfallen. Für Mohrenkopfbrötchen erübrigt sich eine Anleitung, aber der Kalte Hund wird sogar mit Bild gewürdigt.
Die Reihe „Unser Kochbuch …“ umfasst insgesamt acht Bände, von 50ern bis zu den 80er Jahren gibt es jeweils ein Buch für die west- und die ostdeutsche Küche.
Günther Klahm: Unser Kochbuch der 60er Jahre, Wartberg Verlag 2010. 176 Seiten (19,90 Euro)









Oh ja, ich erinnere mich noch gut daran.
Der kalte Hund war der Lieblingskuchen meiner Kinderzeit. Im Kühlschrank zu backen fand ich damals wahnsinn! Und natürlich dachte ich immer, dass nur meine Mutter so abgefahrenes Zeugs machen würde.
Ansonsten ist mir die Mode der 60er lieber als die Küche.
Keine Anleitung für Klatschbrötchen? Wie soll die Jugend von heute das denn nachmachen! Und der Gatte liebt kalten Hund, er hat gerade alle Zutaten dafür eingekauft
Vielen Dank für den Hinweis – mal wieder eine Buchreihe, die man gerne komplett im Regal stehen hätte. Oder zumindest komplett lesen
– Hunger!
@AT: Mein Lieblingskuchen war damals Frankfurter Kranz, den musste meine Mutter mir immer zum Geburtstag machen (der wurde natürlich nicht gekauft!)
@Ulrike: “Klatschbrötchen” ist auch ein schöner Ausdruck, den kannte ich noch nicht
Spaghetti mit Tomatenpü war bei uns schon in den 50er Jahren regelmässig auf dem Tisch. Muss ich aber nicht mehr nachkochen.
Kalter Hund hieß bei uns “Kellerkuchen”, weil er im kühlen Keller aufbewahrt wurde. Heute bekomme ich schon Verkalkung, wenn ich nur an die Zutaten denke, aber damals war das der absolute Knaller, wenn meine Mutter diese Kalorienbombe herstellte.
Lustigerweise habe ich am Samstag (das ist der Tag, wo schon wieder ein Artikel von dir in der Frankfurter Rundschau zu lesen war – juhu!) im Familienkreis noch gestanden, dass ich mir kürzlich, nach Jahren der Enthaltsamkeit, noch mal ein “Klatschbrötchen” gegönnt habe. Schmeckte noch genau so toll wie früher.
@lamiacucina: Die Schweizer waren den deutschen Studenten halt um Längen voraus
@Jutta: Bei gewissen Süßspeisen und Näschereien werden halt die alten Kindheitserinnerungen wach, bei Wackelpudding zum Beispiel … nur schmeckt der heute nicht mehr so wie früher, die künstlichen Aromen von damals sind inzwischen garantiert verboten. “Kellerkuchen” ist auch nicht schlecht
Meine einzige Erinnerung an die 60er war dieses Sch…-Wembley-Tor. An Essen kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Naja ich war damals halt noch sehr jung…