Retro-Küche: Venezianischer Weihnachtsschmaus

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Alle Jahre wieder – Gans, Ente, Fondue … okay, es schmeckt, aber ist das nicht ziemlich langweilig? Wie wäre es mal mit etwas ganz anderem, das garantiert keiner (mehr) kennt? „Venezianischer Weihnachtsschmaus” klingt schon mal gut und stammt aus dem Repertoire von Clemens Wilmenrod, Deutschlands erstem Fernsehkoch, einem gelernten Schauspieler. Seine kulinarischen Ideen waren meistens ebenso originell wie schräg, das Rezept hat also garantiert einen gewissen Unterhaltungswert. Auch an Weihnachten muss es ja nicht immer bierernst zugehen, oder?

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Wilmenrods „Weihnachtsschmaus” hat mit Venedig genau soviel zu tun wie mit Weihnachten, nämlich nichts. Es handelt sich um ein paniertes Kalbsschnitzel, das in einer Tomatensauce nach deutscher Hausfrauenart ertränkt ähm serviert wird. Typisch für Venedig wären Meeresfrüchte oder Fisch vielleicht, Fleisch wird in Italien ja nur in der Mailänder Küche paniert. Und typisch für Weihnachten wäre – siehe oben. Aber in den Fünfziger Jahren waren die meisten Deutschen noch nicht in Italien und das Gericht umwaberte der Duft der weiten Welt. Das reichte, es fernsehtauglich zu machen.

Es heißt ja, dass „Don Clemente” 1957 der Weihnachtspute in Deutschland zum Durchbruch verholfen hat, auf ausdrücklichen Wunsch eines Geflügelzüchters … Dass ihm das mit dem Venezianischen Weihnachtsschmaus nicht gelungen ist, dürfte seine Gründe haben. Aber wer weiß, vielleicht ist Wilmenrod ja indirekt dafür verantwortlich, dass sich seit den Fünfziger Jahren massenhaft Jägerschnitzel, Zigeunerschnitzel, Rahmschnitzel etc. auf deutschen Speisekarten ausgebreitet haben – endlich wieder Fleisch mit guter Sauce!

Rezept

Zutaten für 2 Personen: 2 Kalbsschnitzel, 1 Bund Suppengrün/Suppengemüse, 2 Zwiebeln, Brühwürfel, Olivenöl, Butter, weißer Pfeffer, Piment, 1 Lorbeerblatt, 1 Dose Tomaten, 50 g roher Schinken, Mehl, 1 Ei, Paniermehl/Semmelbrösel, geriebener Käse. Originaltext: „Ein Suppengrün und zwei mittlere Zwiebeln werden gehackt. In einem Schuß Olivenöl und einem Stück Butter werden sie in der Kasserolle weich gedämpft. Es kommen vier Körner weißer Pfeffer und vier Körner Piment hinzu. Weiter gesellen sich hinzu etwa 50 g roher Schinken, in sehr feine Würfel geschnitten. Gut verrühren! Dann mit Mehl binden. Mit einem Viertelliter Brühe wird vorsichtig abgelöscht. Dann werden geschälte Tomaten (Dose) eingerührt und das Ganze etwa eine Viertelstunde zart gekocht.” Die eingekochte Tomatensauce wird durch ein Sieb passiert und mit geriebenem Käse „verfeinert”. Darauf kommen dann die Wiener Schnitzel, über deren Zubereitung sich der Fernsehkoch ausschweigt.

Ich habe bei der Sauce einiges weggelassen: Piment, Lorbeerblatt, Pfefferkörner, Schinken und Mehl. Passiert habe ich sie auch nicht.

Geschmackstest: Die Tomatensauce schmeckt an sich nicht schlecht, durch den Brühwürfel recht würzig. Aber sie passt nicht zu paniertem Kalbsschnitzel; der Geschmack des Fleisches wird durch die Tomaten völlig überdeckt. Wenn man solche Experimente macht, dann lieber mit robustem Schweineschnitzel. Zu Weihnachten werde ich jedenfalls definitiv was anderes essen.

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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7 Responses to Retro-Küche: Venezianischer Weihnachtsschmaus

  1. Ich bleibe bei Raclette! ;)

  2. lamiacucina says:

    und ich bei Salami.

  3. Petra Foede says:

    Bei uns wird es zwangsläufig wieder Würstchen mit Kartoffelsalat geben :)

  4. Bei uns gibts gedünsteten Dorsch mit Dillsauce und Fischkartoffeln. Man muß nicht jede Mode mitmachen.

    Das mit der Tomatensauce klingt schon irgendwie schräg, appetitlich hört sich die Mischung mit Kalb nicht unbedingt an.

  5. Gege says:

    ossobuco alla anfänger? oder?
    und auch allen schöne weihnachten und ´nen guten rutsch…2011
    gruß georg

  6. Max says:

    Hat Clemens Wilmenrod wirklich die Weihnachtspute populär gemacht? Interessant was der Mann für Einfluss gehabt haben muss.

  7. Petra Foede says:

    @Max: Man sagt es. Jedenfalls hat er wohl nachweislich Honorar von einem Geflügelzüchter bekommen.