Was ist stramm am Strammen Max?

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Ein Strammer Max ist einfach eine große Scheibe Mischbrot, belegt mit Schinken und Spiegelei, dazu gibt’s vielleicht noch eine Gewürzgurke. Das kriegen auch Kochverweigerer hin, ansonsten begegnet man dem Strammen Max in ländlichen Gaststätten und urigen Kneipen, als Imbiss zum Bier. Mit gekochtem Schinken wird das Brot auch „Stramme Luise” genannt, mit Salami “Strammer Moritz”, mit kaltem Braten „Strammer Otto” …

Foto: Petra Foede

Strammer Max – nur was für Männer?

Das Rezept an sich ist wenig spektakulär, aber warum heißt ein belegtes Brot „strammer Max” und wer war Max? Nein, es war nicht der Erfinder dieser Stulle. Als „strammen Max” haben die Sachsen vor etwa hundert Jahren den männlichsten Körperteil bezeichnet, und zwar in paarungsbereitem Zustand. Und da Schinken und Ei dank viel Eiweiß gut für die männliche Potenz sein sollen, hat man das Brot dann auch so genannt, heißt es. Der Ursprung des Strammen Max wäre also in Sachsen oder im Berliner Raum zu suchen. Dort kennt man ja auch einen Stolzen Heinrich, das ist eine Bratwurst in Biersauce.

Kleines Problem: Vor 1950 ist Strammer Max in gedruckter Literatur praktisch unauffindbar. Nicht mal in der vierten Auflage der Hotel- und Restaurationsküche von 1956 kommt er vor, obwohl es einen Abschnitt über belegte Schnitten gibt. Außerdem beansprucht man auch im Ruhrgebiet die Urheberschaft am Strammen Max, und diese Region hielt der Sprachforscher Lutz Mackensen, der in dieser Frage als Niedersachse neutral ist, schon 1956 für die Heimat des Spiegelei-Brotes.

Mittlerweile ist Strammer Max ein gesamtdeutsches Phänomen, es gibt ihn quasi überall; es gibt sogar Lokale, die so heißen. Den Vogel aber schießt wohl Tante Alma in Herdecke ab, die auf Hausmannskost setzt und mehr als 30 verschiedene Stramme Maxe (Mäxe?) auf der Karte hat. Wenn die alte Volkskundler-Faustregel gilt, dass es am Ursprungsort eines Gerichts die meisten Varianten gibt, dann wäre Herdecke … Aber nach der Speisekarte von Tante Alma müssten hier dann auch Schnitzel und Pfannkuchen erfunden worden sein. Also wohl doch keine heiße Spur, eher gastronomischer Erfindergeist.

Rezept

Den klassischen Strammen Max kriegt eigentlich jeder auch ohne Rezept hin, aber hier für alle Fälle eines der Berliner Zeitung. Ganz interessant finde ich eine Abwandlung mit Lachs, auch wenn das dann kein Strammer Max mehr ist, sondern vielleicht ein Strammer Lars oder was weiß ich.

Zutaten pro Person: 1 Scheibe Mischbrot, Butter, 1 Scheibe gebeizter Lachs, 1 Ei, 1 Gewürzgurke. Zubereitung: Ei in die Pfanne gleiten lassen und warten, bis das Eiweiß fest wird. Brot mit Butter bestreichen, Lachs darauf legen, obenauf das Spiegelei. Gurke in Scheiben schneiden und den Teller damit dekorieren.

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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6 Responses to Was ist stramm am Strammen Max?

  1. Theresa says:

    Wenn es mal ganz schnell gehen muss, gibt es bei uns zu Hause auch den Strammen Max. Ich kenne die schnelle Mahlzeit auch noch von zu Hause, da meine Mama gern Spiegelei gemacht hat.

  2. Ulrike says:

    Mischbrot? Oha, jahrelang falsch gegessen und zubereitet mit Schwarzbrot ;-)

  3. Petra Foede says:

    @Ulrike: Ich glaube, das ist bei diesem Rezept nicht weiter tragisch, es gibt ohnehin so viele Varianten und das “Original” ist ja auch gar nicht überliefert. Es gibt aber Leute, die sich ernsthaft darüber streiten, ob der Schinken im Ganzen aufs Brot gehört oder klein gehackt in Würfeln :)

  4. Den “strammen Lars” gibts tatsächlich, allerdings ist mir dazu kein Name geläufig. Mir ist diese Lachsstulle schon mehrmals in Süd- und Mittelschweden begegnet, allerdings immer auf diesem schwedisch-finnischen Vollkornschwarzbrötchen. Und mit viel Dill. Wichtig soll dabei sein, daß das Eigelb noch flüssig ist – was das Essen ungemein erschwert, aber lecker ist.

  5. Petra Foede says:

    @Ralf: Den “strammen Lars” habe ich mir auch nicht selbst ausgedacht, also nicht als Rezept, nur der Name ist von mir ;)

  6. Tina Wiethoff says:

    Mit dem strammen Max ist das so eine Sache. Im Grunde ist es ja nur ein Reste-essen. Brot und Ei hat man/frau ja meistens im Kühlschrank und dann bleibt es dem Geschmack und den Resten im Kühlschrank überlassen, was man sonst noch drauf gibt.
    Aber das, was ich in der Tante Alma für mich erfunden habe, ist ohne technische Hilfsmittel ein Ei zu überbacken. Meine Freundinnen, alles gestandene Hausfrauen und Mütter, auch Omas, waren alle ganz hin und weg, weils so einfach ist. Schwierig wirds nur dann, wenn meine Gäste das Ei blind möchten, aber auch das krieg ich noch hin.
    Meine Gäste in der Tante Alma dürfen mich gerne nach dem Trick fragen, ich verrate es gern an nette Gäste ;-)
    Liebe Grüße Eure Küchen-Alma