Der Wecker, der Tee kochen kann

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Was wären die Engländer ohne ihren Tee? Und weil sie ihn zu jeder Tageszeit und zu allen denkbaren Gelegenheiten trinken wollen und natürlich auch auf Reisen, haben sie Utensilien wie das Tee-Ei erfunden und vermutlich auch diesen Plastikpinguin mit Zeitschaltuhr, der die Schnur des Teebeutels im Schnabel hält und exakt auf die Minute aus der Tasse hievt. Aber diese Konstruktion ist geradezu lächerlich verglichen mit den sagenhaften Apparaten, die es den Briten seit über hundert Jahren erlauben, ihren Tee morgens nach dem Aufwachen im Bett zu trinken, selbst wenn sie sich keinen Butler leisten können.

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Seit ich so eine alte Teemaschine das erste Mal gesehen habe, bin ich von diesem Wunderwerk der Technik fasziniert. Der Apparat wurde 1902 als „der Wecker, der Tee macht” vorgestellt: Ein Tablett mit einem Kupferkessel über einer Spirituslampe, einem Topf, diversen Federn und Hebeln und einem Wecker. Damit das Ganze funktionierte, mussten am Abend vorher die Teeblätter in den Topf gelegt und der Kessel mit Wasser gefüllt werden. Wenn der Wecker klingelte, wurde automatisch ein Streichholz an einem Stück Sandpapier entzündet, das den Spiritus entflammte. Sobald das Wasser im Kessel anfing zu kochen, kippte ihn eine Mechanik, so dass sich der Inhalt in den Teetopf ergoss. Kurz darauf ertönte ein Signal: Der Morning tea war fertig. Genial, oder? Patentiert wurde der Tee-Wecker 1904 auf den Namen des damaligen Herstellers Frank Clarke.

Foto: gruntzooki (Creative Commons)

Foto: gruntzooki (Creative Commons)

Der ganz große Verkaufshit wurde die Teemaschine damals aber nicht, vielleicht wurden damit versehentlich ein paar Schlafzimmer in Brand gesteckt, man weiß es nicht. Aber die Elektrifizierung der Haushalte schritt voran, und so gab es in den 1930er Jahren mehrere patentierte Teeautomaten, die mit Strom liefen. Auf dem Markt setzte sich das Modell Teasmade der Firma Goblin durch, zu dem auch noch eine Leselampe gehörte. Das Wasser wurde zehn Minuten vor der eingestellten Weckzeit durch ein Heizelement im Kessel erhitzt, das durch den Dampfdruck dann über eine Röhre in die Teekanne floss. Spöttern zufolge war das anschließende Weckerklingeln bei diesen Geräten völlig überflüssig, weil der Brühvorgang so geräuschvoll ablief, dass man davon sowieso wach wurde.

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Das Design des Teasmade wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach geändert und an den jeweiligen Zeitgeschmack angepasst. In den 1970er Jahren stand das Gerät in zwei Millionen Haushalten. Dann kam es irgendwie aus der Mode und verschwand schließlich vom Markt. Aber die Engländer wollten ihren Tee-Wecker wiederhaben, und im Oktober 2009 wurden sie erhört: Es gibt eine neue Version. Sie sieht anders aus, moderner halt, aber sie ist genauso geräuschvoll wie die alten Modelle, wie die Käufer schnell mit einer Mischung aus Erleichterung und Enttäuschung feststellten. Morgens um sieben ist die britische Welt wieder in Ordnung.

Interessante Links:

Teawaker.com: Historische Entwicklung der britischen Teemaschinen

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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3 Responses to Der Wecker, der Tee kochen kann

  1. daniela says:

    Im ersten Link, der mir bei der Suche nach “Teasmade” untergekommen ist, stand schon quer darüber: SOLD OUT!
    Dürfte ja wirklich der Renner bei den Briten sein. :)

  2. Claus says:

    So´n Ding will ich! Ich frag mal meine englischen Kunden…

  3. Petra Foede says:

    @Claus: Es gibt immer mal welche bei ebay, oft ziemlich teuer zum Festpreis. Im Moment läuft aber gerade eine Auktion mit Startpreis 1 Euro. Ich biete nicht mit ;)