Panzanella – Brotsalat aus der Toskana

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Mangiare senza pane e come non mangiare

Von den Bewohnern der Toskana sagt man, dass sie früher fast ausschließlich von Bohnen, Brot und Zwiebeln gelebt haben. 230 Kilo Brot sollen sie noch um 1900 jährlich im Schnitt gegessen haben, also täglich 630 Gramm – pro Person, nicht pro Familie! Brot war das Grundnahrungsmittel der einfachen Bevölkerung, nicht etwa Pasta, von Fleisch gar nicht zu reden. Und deshalb ist Panzanella wirklich ein Gericht der cucina povera, auch wenn die Tomaten erst ziemlich spät dazu kamen, weil Tomaten in der italienischen Küche vor dem 19. Jahrhundert praktisch keine Rolle gespielt haben. Der Appetit der Bauern ist sehr konservativ, überall.

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Panzanella ist eine gute Möglichkeit, altbackenes Brot zu verwerten. Man muss wissen, dass auf dem Land früher nur einmal pro Woche gebacken wurde, in der Toskana angeblich nur alle zehn Tage. Altes Brot war also keine Ausnahme, sondern der Normalfall. Deshalb kennt man hier so viele Gerichte mit hartem Brot, auch verschiedene Brotsuppen. Traditionelles toskanisches Brot besteht aus Sauerteig und enthält kein Salz und keine Hefe. Vielleicht konnten sich die Bauern früher kein Salz leisten. Aber Salz zieht auch Feuchtigkeit an, und feuchtes Brot schimmelt viel schneller als trockenes. Das ungesalzene Brot hält sich lange und wird einfach hart. So hart, dass man es nicht schneiden, sondern nur zerbrechen kann. Pane raffermo sagt man dazu, „festes Brot”, und die Italiener wissen es auch in diesem Zustand zu schätzen.

Die ursprüngliche Form des Brotsalats geht sicher auf das Mittelalter zurück. Agnolo Bronzini, der in Florenz lebte, beschrieb seine Zutaten im 16. Jahrhundert in einem Gedicht: Brot, Zwiebeln, Gurke, Portulak, Basilikum und Rucola. Wie gesagt, noch keine Tomaten damals. Der Name Panzanella kam auch erst später auf.

Rezept

Ich habe beim Bäcker ein pane fileno erstanden, ein längliches rustikales Landbrot, und es zwei Tage liegen lassen. Dieses Brot ist frisch schon relativ fest, deshalb kann man es kurz in Wasser einweichen und gut ausdrücken, ehe es in den Salat kommt. Baguette oder überhaupt frisches Brot wird dadurch aber matschig, das Ergebnis ist dann eher eine kalte Brotsuppe als ein Brotsalat. Es ist besser, den Salat eine halbe Stunde durchziehen zu lassen. Er darf aber nicht in den Kühlschrank, weil Kälte das Aroma der Tomaten zerstört. Mein Rezept orientiert sich an einem Rezept von Anna del Conte.

Zutaten für 4 Personen: 1 rote Zwiebel, 6 EL Olivenöl, 2 zerdrückte Knoblauchzehen, 4 reife Tomaten, 1 kleine Salatgurke, 2 eingesalzene Sardellenfilets, eine Handvoll zerpflückte frische Basilikumblätter, 2 EL Rotweinessig, 200 g italienisches Landbrot ohne Rinde. Zubereitung: 2-3 Stunden vorher die Zwiebel in sehr dünne Scheiben schneiden, in einer Schüssel mit kaltem Wasser und 1 TL Salz bedecken und stehen lassen. Olivenöl und Knoblauch in eine Schüssel geben (evtl. auch noch 2 getrocknete Chilischoten) und genauso lange durchziehen lassen. Tomaten entkernen und in kleine Würfel schneiden, den Saft auffangen; Salatgurke schälen, längs halbieren und evtl. die Kerne herausschaben, in Scheiben schneiden; Sardellenfilets abspülen und klein schneiden. Alles mit dem Tomatensaft und dem Basilikum in eine Schüssel geben. Zwiebelscheiben abtropfen lassen und darunter mischen. Knoblauch aus dem Öl nehmen, 2 EL Essig in das Öl gießen und mit einem Schneebesen kräftig schlagen, über den Salat gießen, salzen und pfeffern. Das Brot in Würfel schneiden und unter den Salat mengen, evtl. nachwürzen. Vor dem Servieren etwas durchziehen lassen.

Quellen:

  • Theatlantic.com: Corby Kummer, Tuscan Tomatoes
  • Vinit.net: La panzanella: Storia di un piatto umile

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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7 Responses to Panzanella – Brotsalat aus der Toskana

  1. Als ich vor vielen Jahren das erste mal einen Brotsalat gegessen habe, (auf einer Party) war ich mir sicher, der könne nicht schmecken. Wer macht denn schon Salat aus Brot???
    Aber dann war ich begeistert und bin es noch heute.

    Werden in Böhmen nicht im Gericht “Topinki” ebenfalls alte Brotscheiben verwendet? Ich kenne es mit Hühnerleber und Paprika auf altbackenem gerösteten Brot.

  2. Petra Foede says:

    @AT: Altbackenes Brot wird international in mehreren Küchen verwendet, das wäre mal einen eigenen Artikel wert. Topinki habe ich gegoogelt, das kenne ich nicht, aber das sind offenbar geröstete Brotscheiben mit Belag, also sowas wie osteuropäische Crostini. Die sind natürlich auch eine gute Verwendungsmöglichkeit für hartes Brot. Für Panzanella wird das Brot vorher aber eigentlich nicht geröstet, im Salat will man es weich haben.

  3. lamiacucina says:

    Tomatensalat machen wir immer mit extra viel Sauce an. Vorzu aufgetunkt (dann wirds nicht matschig) mit frischem dunklem Sauerteigbrot ist das eine herrliche Mahlzeit.

  4. Suse says:

    Brot ist sowieso eines meiner Lieblingslebensmittel, dem eine ganz besondere Aufmerksamkeit gebührt.

    Dass man es bis auf den letzten Krümel verwertet hat nicht nur etwas mit Sparsamkeit, sondern auch mit begründetem Respekt vor dem Produkt zu tun.

  5. Claus says:

    Ich frier halb-trockenes Brot ein. Wenn das Fach voll ist, gibts Semmelknödel…
    Panzanella ist ein klasse Salat!

  6. Toskana Tipps says:

    Was mich gewundert hat, ich dachte immer Panzanella sei florentinisch … wahrscheinlich bin ich da einem Irrtum aufgesessen. Aber ich habe es auf noch keiner Speisekarte entdeckt. Wahrscheinlich macht man das nur selber?

  7. Petra Foede says:

    Florenz ist die Hauptstadt der Toskana :) Ganz offensichtlich kannte man Brotsalat schon vor Jahrhunderten auch in Florenz, siehe Artikel, aber es ist schon in erster Linie ein ländliches Gericht. Das macht man in Italien zuhause, Restaurants möchten sicher nicht den Eindruck erwecken, altbackenes Brot zu haben ;)