Der Geschmack der Sechziger Jahre

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Was war in den Sechziger Jahren die wichtigste Zutat in der deutschen Küche? Zwiebeln? Maggi? Butter? Alles falsch. Die wichtigste Zutat war LIEBE, wie der Hausfrau immer wieder eindringlich nahe gebracht wurde – wie auch immer man Liebe in einen Kochtopf hinein bekommt … Es gab eine populäre Rezeptsammlung mit dem Untertitel „für Frauen, die mit Liebe kochen”, und in der DDR wurde für den Maggi-Ersatz mit dem Slogan „Koche mit Liebe, würze mit Bino” geworben. Wobei die Idee, dass Kochen etwas mit Liebe zu tun hat, natürlich viel älter ist. Das Motto „Das Herz des Mannes wird am Kochtopf gewonnen”, das sich seit dem 19. Jahrhundert durch die Frauenratgeber zieht, wäre einen eigenen Artikel wert. Heute will ich eigentlich nur über ein Kochbuch aus den Sechziger Jahren schreiben, das mit dem Satz Liebe geht durch den Magen beginnt.

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Das Cornelia-Kochbuch

Das Cornelia-Kochbuch stammt von der Cornelius Stüssgen AG, die 1952 in Brühl das erste deutsche Lebensmittelgeschäft mit Selbstbedienung eröffnete. Der Rheinländer Stüssgen (1877-1956) war ein sehr innovativer Mann, der schon um 1900 in seinen Läden Lebensmittel vorverpacken ließ und die Hausmarke Cornelia einführte. Auch die Kundenzeitung hieß so. Diese Cornelia gab es natürlich nicht, genauso wenig wie die Schweizerin Betty Bossi, aber offenbar kamen immer wieder Kundenanfragen, die an „Cornelia” adressiert waren. Also ließ Stüssgen sie von der Witwe eines früheren Vorstandsmitglieds spielen, die sich an der Telefon-Hotline mit „Cornelia” meldete, Hausführungen für Besuchergruppen machte und der Marke auch ihr Gesicht lieh. Obwohl sie gar nicht Cornelia hieß.

Achja, das Kochbuch … Es ist ein Sammelordner mit jeweils fünf Wochenplänen für Sommer und Winter, die Rezepte dazu alphabetisch geordnet, von Amazonas-Salat bis Zwetschgenknödel. Solche Speisepläne spiegeln ja ganz gut den kulinarischen Zeitgeist wider, den Spagat zwischen traditioneller Hausmannskost und „moderner Küche”.

Hier ein Wochenplan für einen Sommer der Sechziger Jahre:

  • Montag: Hollywood-Salat (Gurke mit Orange und Salami) – Überbackene Chicoreeröllchen mit Reis – Tee-Creme
  • Dienstag: Grießsuppe – Geschmorte Schweinerippchen mit Schnittbohnen und Reibekuchen – Erdbeer-Buttermilch-Speise
  • Mittwoch: Melonensalat – Schwalbennester (gefüllte Kalbsrouladen) mit Leipziger Allerlei und Herzogin-Kartoffeln – Westfälische Sahnespeise (mit Pumpernickel)
  • Donnerstag: Ausgebackene Champignons – Kalbsfrikassee mit Reis und Salat – Kirschgelee
  • Freitag: Gefüllte Selleriescheiben – Bunte Fischpfanne mit Kartoffelpüree – Grießschnitten
  • Samstag: Hering in Senfsauce auf Toast – Hackbraten mit Ei, Kartoffeln und Kohlrabi – Schokoladensoufflé
  • Sonntag: Amazonas-Salat – Pfeffersteak mit Kroketten und Salat – Gefüllte Ananas

Amazonas-Salat

Amazonas-Salat

Rezept: Amazonas-Salat

Zutaten für 4 Portionen: 1 Apfel, 1 Banane, 50 g Schinken, 1 EL gehackte Walnüsse (hatte ich nicht da), 1 EL Mayonnaise, 1 EL Quark, 1 EL Ketchup, Zitronensaft. Zubereitung: Den geschälten Apfel würfeln, die Banane in Scheiben und den Schinken in Streifen schneiden. Zusammen mit den Walnüsseln in eine Schüssel geben, vermischen und mit etwas Zitronensaft beträufeln. Die Mayonnaise mit Quark und Ketchup verrühren und unter den Salat heben. Da es in den Sechzigern chic war, Salat in ausgehöhlten Grapefruit, Orangen oder Melonen zu servieren, habe ich das mal gemacht, auch wenn das Kochbuch das nicht vorsieht.

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel zu Cornelius Stüssgen
  • Beitrag von Hans-Jürgen Weber in Wisement Nr. 12, Juni 2007

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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6 Responses to Der Geschmack der Sechziger Jahre

  1. Helen says:

    Und wie hat’s geschmeckt? Mayonnaise, Quark und Ketchup als Dressing hört sich ja sehr abenteuerlich an…

  2. Petra Foede says:

    @Helen: Mayonnaise und Ketchup gibt an sich ein recht ordentliches Dressing und galt früher als sehr “amerikanisch”, erinnert an Thousand Island. Gestört habe ich mich an der Banane im Salat, dadurch wurde das Ganze ziemlich süßlich, nicht mein Fall. Mit Orange statt Banane und mit Schmand statt Mayonnaise und Quark wäre der Salat vielleicht gar nicht mal so schlecht.

  3. Ich erinnere mich noch daran. Plötzlich gab es Ananas und wurde verarbeitet, z.B. zu einem Salat, wie hier, oder natürlich zu Toast Hawai.

  4. Hesting says:

    Ich wäre ja an dem Rezept für das Kirsch-Gelee interessiert. :)

  5. Damals ging es halt recht fetzig zu…es gibt im Wochenplan auch nur wenige Rezeptnamen denen ich aus dem Wege gehen wuerde. Einer davon ist auf jeder Fall der Hollywood Salat.

  6. Petra Foede says:

    @Jutta: Ach, der Hollywood-Salat ist eigentlich auch nicht schlimmer als der Amazonas-Salat :)
    @Hesting: Kirschgelee? Hier ist das Rezept: 5 Blatt Gelatine, 1 Glas Schattenmorellen, 2 EL Kirschwasser, 2 EL Zucker, 1/8 l Schlagsahne. Die Gelatine 10 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Kirschen abtropfen lassen, den Saft mit dem Kirschwasser und 1 EL Zucker verrühren und die aufgelöste Gelatine und die Kirschen zugeben. Gelee in Schälchen füllen und im Kühlschrank erstarren lassen. Sahne mit Zucker steif schlagen, Gelee vor dem Servieren damit garnieren.