Aus Omas Küche: Kaltschale

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Kaltschale erinnert mich an die Sommer meiner Kindheit. Wenn es sehr heiß war, so wie jetzt, dann gab es diese kalte Fruchtsuppe bei uns statt Mittagessen, mit einem Brötchen oder einem Hörnchen dazu.

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Mit meiner Kaltschale nehme ich auf Einladung von Louise an einem virtuellen Picknick teil.

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Die Geschichte der Kaltschale

Bevor ich zum Rezept komme, wie immer ein Blick zurück in die Vergangenheit. Offensichtlich gab es „kalte Schalen” schon im 16. Jahrhundert, aber noch etwas anders als heute. Sie waren keine Suppen, sondern Getränke mit Einlage, und die Basis war Bier oder Wein. Später kamen Kaltschalen mit Milch hinzu, aber die meisten alten Rezepte enthalten Alkohol und erinnern ein bisschen an eine Bowle.

Spätestens im 18. Jahrhundert waren Kaltschalen in ganz Deutschland verbreitet und besonders bei den Damen beliebt. Zu dieser Zeit wurde aus dem Getränk wahrscheinlich eine kalte Suppe, denn in einem Lexikon von 1715 wird ein spezieller Kaltschalen-Napf aus Porzellan beschrieben, der wie eine Suppentasse mit Deckel aussah, aber seitlich einen kleinen Ausguss mit Sieb hatte, durch den die Flüssigkeit abgetrunken werden konnte.

Das Damen-Conversationslexikon schreibt 1836 über die „Kalte Schale”:

ein echt deutsches Gericht, das in heißer Jahreszeit in vielen Gegenden die Suppe ersetzt, wird auf mannigfache Weise, doch am öftersten aus gutem Bier, geriebenem Brot, Zucker, Zitronenschalen und kleinen Rosinen bereitet. Hier und da pflegt man dies Gemisch auch als kühlendes Getränk außer der Mahlzeit, doch nur in den Nachmittagsstunden, zu genießen und vorzüglich berühmt ist in dieser Hinsicht die kalte Schale, welche die glänzenden Vergnügungsorte in der Umgegend Berlins den Spaziergängern bieten.

Aus der Berliner Bierkaltschale entwickelte sich die Berliner Weiße mit Himbeer- oder Waldmeistersirup, aber das Original von damals bestand aus Bier, geriebenem Brot, Rosinen, Zucker und Zitrone.

Rezept: Aprikosen-Kaltschale

Zutaten für 4 Personen: 800 g Aprikosen, 400 ml Weißwein oder Apfelsaft, 400 ml Aprikosen- oder Pfirsichsaft, 2-3 EL Zucker, 1 Päckchen Vanillin-Zucker, Zitrone. Zubereitung: Aprikosen abspülen, Schale anritzen, kurz in heißes Wasser legen und die Schale abziehen. Halbieren, entkernen und in Viertel schneiden. Für die Suppe Wein und Saft mit Zucker und ein paar Aprikosenkernen zum Kochen bringen. Achtung: Nie die Kerne von kleinen Wildaprikosen nehmen, die sind bitter und giftig! Die süßen Kerne haben ein leichtes Mandelaroma. Aprikosen zugeben und etwa 5 Minuten im heißen Sud ziehen lassen. Um die Suppe anzudicken, einen Teil der Aprikosen pürieren und wieder zugeben. Man kann auch Speisestärke einrühren. Kerne herausnehmen, mit Zucker und Zitronensaft abschmecken und abkühlen lassen, kurz in den Kühlschrank stellen.

Jetzt zum Picknick-Spiel, das so funktioniert wie bei uns das Spiel „Ich packe meinen Koffer”, nur wird statt des Koffers ein imaginärer Picknickkorb gepackt. Also das Spiel geht so: I’m going to a picnic and I’m taking with me …

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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13 Responses to Aus Omas Küche: Kaltschale

  1. Monika says:

    Waaas, die Berliner Weiße gabs mal mit so viel Zeugs drin… *staun* nie daavon gehört… wann war denn das? 19. Jahrhundert, nehm ich an…

    Kaltschale gabs bei uns nie… scheint meine Ma nicht zu kennen. Ich fand sie vom Sehen in Zeitschriften oder so immer komisch… kalte süße Suppe. Nie probiert muss ich gestehen.

    Den scherzhaften Ausdruck Gerstenkaltschale für ein Bier kenn ich ansonsten noch.

    Vielleicht sind ja die alten Kaltschalen mit dem Alkohol drin die gemeinsamen Vorfahren von den modernen Kaltschalen und den Bowlen…

  2. Petra Foede says:

    @Monika: Die Berliner Weiße mit “Einlage” gab es vermutlich schon im 18. Jahrhundert. Der Begriff Gerstenkaltschale geht in der Tat auf die Bier-Kaltschale von früher zurück. Ich denke auch, dass die Bier- und Weinkaltschalen ein Vorläufer der Bowle sind, obwohl zumindest der Name eindeutig aus England übernommen worden ist. Aber vom Prinzip ist es schon sehr ähnlich. Für die Berliner Bierkaltschale hätte ich übrigens ein Rezept, wenn du das mal ausprobieren willst … :)

  3. Claus says:

    Boah, das katapultiert mich jetzt 40 Jahre zurück. Bei meiner Oma gabs im Sommer immer kalte Kirschsuppe, ein Wahnsinnszeugs aus den Schattenmorellen aus unserem Garten. Ich muß mich da wirklich mal ums Rezept kümmern – Mama fragen!

  4. Petra Foede says:

    @Claus: Mama oder Oma fragen ist bei solchen Rezepten immer eine gute Idee :) Meine Mutter hat das auch oft mit Kirschen gemacht. Mein Rezept ist eher eine Mischung aus Dr. Oetker und Henriette Davidis.

  5. Meine Oma ist etwa 1905 in Pommern “in Stellung” gegangen und hat dort auf dem Gut für die Herrschaft und auch für die Knechte gekocht. Die einfache Kaltschale bestand da aus gemischten Früchten, Kartoffelstärke und Wasser. Da kamen auch schon vermatschte Äpfel mit rein, die man nicht mehr essen mochte, weil sie braune Stellen hatten. Die Herrschaft bekam reine Früchte, also kein Gemisch. Die Herrschaft bekam auch als Dickungsmittel Sago, für Oma war das immer etwas besonders Edles. Tja, es gab ja auch Butter (Margarine) und “gute Butter” (Butter). Aber das ist ein anderes Thema.

  6. Eline says:

    Gute Anregungen für “Kaltschalen” findet man in südeuropäischen und orientalischen Küchen, aber auch in Lateinamerika. Ich bin zwar keine Oma, aber kalte Suppen, vor allem pikante gehören unbedingt zu meinem Sommerrepertoir.

  7. Petra Foede says:

    @Ralf: Das ist sehr interessant. Meine Mutter hat die Kaltschale auch immer mit Sago angedickt, ich wusste nicht, dass das früher was “Feines” war. Ich hätte auch Sago genommen, schon aus nostalgischen Gründen, aber bei Rewe gab es keins und im Reformhaus nur Großpackungen mit Haltbarkeitsdatum 08/2010.
    @Eline: Ich kenne natürlich noch Gazpacho als pikante “Kaltschale”. Das Besondere an der deutschen Kaltschale ist, dass sie früher mit Bier oder Wein zubereitet wurde und mehr ein Getränk als eine Suppe war.

  8. Suse says:

    Irgendwie hab ich massiv Probleme, bei dir einen Kommentar zu hinterlasse. Egal von welchem Rechner :o (

    Ich kenn übrigens acuh die Schattenmorellenversion von früher und empfand sie als Kind schrecklich sauer…heute nicht mehr.
    Wenn ich zur Sommerküchenwunderwaffe greife, dann tendiere ich wie Eline allerdings auch eher zu den herzhaften Suppen.

  9. Monika says:

    Ja, so ein Rezept der Berliner Bierkaltschale würde mich interessieren, auch wenn ichs nicht gleich ausprobieren würde.

    Die Kaltschale als Vorfahr der Bowle, die als neues Trendgetränk einen “vornehmen”, weil ausländischen Namen aufgedrückt bekam, macht Sinn für mich. Dass der Name vom Pott herkommt, las ich schon mal irgendwo.

    Sago war bestimmt früher mal was feines, da dieser ja von der Sagopalme oder anderen (Tapioka oder so??) “ausländischen” Zutaten kommt. Sogar Zucker war ja damals was feines.

    Sagemal, kommt die Rote Grütze nicht auch aus dieser Ecke?
    Oder kommt die durch andere Ecken auf das Menü?

  10. Ralf says:

    Das mit dem Gazpacho ist auch wieder so eine Sache. Heute wird das als Oberbegriff für kalte Suppen verwendet, in der Geschichte war das anders. Zur Zeit der alten Römer war das saurer Wein mit Brot und Öl, heute gibts durchaus auch “Gazpacho de Frutas”, allerdings nicht angedickt. Andicken mögen die Spanier nicht. Als ich mal Gurkensalat mit Sahne gemacht habe, nannten sie es Gurkensuppe. Ist eben ne andere Kultur.

  11. Petra Foede says:

    @Suse: Leider weiß ich nicht, weshalb einige Leser Probleme mit der Kommentarfunktion auf meiner Seite haben. Bei meinen Tests funktioniert sie. Ich versuche mal, beim WordPress-Forum Hilfe zu bekommen.
    @Monika: Rote Grütze hat wieder eine eigene Geschichte. – Hier ein Rezept für Berliner Bierkaltschale aus einem Berlin-Kochbuch: Für 4 Personen 1,5 Liter Weißbier, 100 g Zucker, 1 Prise Zimt, 1 unbehandelte Zitrone, 100 g eingeweichte Rosinen, 3 Scheiben Schwarzbrot. Das geriebene Schwarzbrot in einer Pfanne anrösten, mit dem Zucker mischen und in einen Topf füllen. Das Bier erwärmen, geriebene Zitronenschale und Zimt zufügen, Zitrone in Scheiben schneiden, entkernen und mit Rosinen zugeben. Alles bei schwacher Hitze 15 Minuten abgedeckt ziehen lassen, danach kalt stellen. Abschmecken und über die Brotbrösel gießen.

  12. Monika says:

    KLingt ja eigenartig, Bier über geröstetes Schwarzbrot gießen… aber schmeckt wahrscheinlich nicht schlecht… Danke fürs Rezept!!!

    Interessant auch der Hintergrund der Roten Grütze.
    Danke fürs Erklären!!

  13. Louise says:

    Hi Petra,
    I’m having a problem getting my comment through. This happened the other day too.

    I just wanted to “personally” thank you for “bringing” your soup to the picnic. It was a refreshing addition flavored with history. Quite enjoyable:)

    I do hope you had fun playing. I know I did!!!

    Thanks again, Petra…