Aus Omas Küche: Falscher Hase

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Das Schöne am Erwachsensein ist ja, dass man sich die Fragen aus der Kindheit endlich selbst beantworten kann. Zum Beispiel: Warum heißt ein Hackbraten Falscher Hase? Als Kind konnte ich da keine besondere Ähnlichkeit erkennen, von der braunen Farbe mal abgesehen. Aber das lag vielleicht auch daran, dass ich nicht wusste, wie ein Hasenbraten eigentlich aussieht.

Foto: Gelblog

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Foto: Gelblog (Creative Commons)

Früher sah der Falsche Hase dem echten noch ähnlicher als heute, denn er wurde nicht nur wie ein Hasenrücken geformt, sondern oft auch wie dieser gespickt, obwohl das bei Hackfleisch ja nicht nötig gewesen wäre. Oder es wurde mit dem Messer ein Muster in die Hackmasse geritzt. Hasenbraten war zwar nicht unbedingt ein Festessen der gehobenen Küche, aber oft das einzige Wildgericht, das sich bürgerliche Familien hin und wieder sonntags leisten konnten. Wenn es nicht einmal zu Hase oder Kaninchen reichte, dann gab es eben wenigstens Falschen Hase. Jedenfalls seit dem 19. Jahrhundert, denn älter sind auch Hackbraten und Frikadelle nicht (siehe Geschichte der Frikadelle).

Es heißt, dass der Ausdruck Falscher Hase zuerst in Berlin aufgekommen ist, aber direkt nachvollziehen lässt sich das nicht. Die Westfälin Henriette Davidis kannte dieses Gericht offenbar nicht, aber spätestens Ende des 19. Jahrhunderts gab es Rezepte dafür in vielen deutschen Kochbüchern, auch in süddeutschen und bei der Österreicherin Katharina Prato. Der Unterschied zum Hackbraten bestand oft nur darin, dass für den Letzteren gern zerkleinerte Bratenreste verwendet wurden, also kein rohes Fleisch.

Dass mit Falscher Hase ursprünglich immer ein „Dachhase” gemeint war, also Katzenbraten, ist nur ein Gerücht. Als Synonym verwendet wurden die beiden Ausdrücke erst nach 1910, da gab es den Hackbraten-Hase in den Kochbüchern schon eine ganze Weile. In den alten Rezepten kommt übrigens noch kein gekochtes Ei als Zutat vor. Vermutlich ist vor ein paar Jahrzehnten mal jemand auf die Idee gekommen, Falscher Hase sei doch ein sehr origineller Osterbraten, und der Osterhase kommt ja selten ohne Eier …

Rezept

Die Grundzubereitung unterscheidet sich eigentlich nicht von der für Frikadelle.

Zutaten für 4 Personen: 250 g Hackfleisch vom Rind, 250 g Hackfleisch vom Schwein, 1 altbackenes Brötchen, 1 Ei, 2 Zwiebeln, 1-2 gekochte Eier, Salz, Pfeffer, Muskat, Paprika, 200 ml Gemüsebrühe, 100 ml trockener Rotwein. Zubereitung: Brötchen in Milch einweichen und gut ausdrücken. Hackfleisch mit Ei, 1 klein gehackten Zwiebel und Brötchenmasse vermengen; mit Salz, Pfeffer, Muskat, Paprika würzen. Falls die Masse zu matschig ist, Semmelbrösel zugeben. Aus dem Hackfleisch einen ovalen Laib formen und dabei in der Mitte die gekochten Eier platzieren. In einer Pfanne Butterschmalz erhitzen, den Hackbraten von allen Seiten kräftig anbraten. Kurz eine Zwiebel mitdünsten. In eine feuerfeste Form umfüllen, Gemüsebrühe und Rotwein angießen. Die Form mit einem Deckel oder Alufolie abdecken und etwa eine Stunde im Backofen garen. Für die Sauce den Fond anschließend mit Sahne kurz aufkochen und mit Mehl binden. Den Falschen Hasen vor dem Servieren in Scheiben schneiden.

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About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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6 Responses to Aus Omas Küche: Falscher Hase

  1. Frederik says:

    Klasse Rezept :) Danke dafür! wirklich nett beschrieben und einfach zum nachbereiten. Frederik

  2. Immer wieder interessant Deine Berichte.
    Zu den Frikadellen/Netzwürstchen kann ich sagen, dass schon Apicius der in der altrömischen Kaiserzeit also im 1. Jahrhundert n. Chr. gelebt und gekocht hat, eine Art derselben gemacht hat.
    Siehe mein Blog vom http://reinegeschmacksache.blogspot.com/search/label/Leber

    Kulinarische Grüße

  3. Petra Foede says:

    Das Rezept von Apicius ist interessant, aber als Vorläufer unserer Frikadelle würde ich diese Netzwürstchen nicht unbedingt ansehen, vielleicht als entfernte Verwandte.

  4. alissa says:

    ich mag Deinen Blog sehr und bin eine oftmals stille Leserin… Danke für Deine Recherchen und Beiträge – ich finde sie sehr spannend…

  5. Petra Foede says:

    @Alissa: Das freut mich. Ich habe mittlerweile über hundert “stille Leser” und manchmal weiß ich nicht, ob gerade alle in Urlaub sind oder ob mein Blog irgendwie langweilig wird … Ab und zu ein Kommentar ist schon ganz schön, das motiviert mich auch dazu weiterzumachen. Deshalb danke für dein Feedback :)

  6. Tina says:

    Ja, ich mag die Recherchen über diverse Gerichte auch immer sehr gern und nehme viel für mich mit.. So z.B. auch, dass wir Chili con carne dann doch lieber mit Bohnen essen und das Cincinatti-Rezept toll riecht, aber recht fade schmeckt.. ;-)

    Danke für deine tolle Berichte..