Erinnerung an den Heinzelkoch

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Wer erinnert sich noch an den Heinzelkoch? Nicht zu verwechseln mit Loriots legendärem Heinzelmann, einer Kombination aus Staubsauger und Fön, den meine ich nicht. Der Heinzelkoch war ein „Schnellbrater” und das Lieblingsgerät des ersten deutschen Fernsehkochs Clemens Wilmenrod, der den Hausfrauen seine Vorzüge (gegen Bezahlung) wortreich schilderte – zu einer Zeit als es die Begriffe Schleichwerbung und Product Placement noch gar nicht gab. Es handelte sich um einen kleinen elektrischen Tisch-Backofen mit Infrarot-Grill.

In seinem ersten Kochbuch Es liegt mir auf der Zunge widmet Wilmenrod dem Heinzelkoch eine ganze Seite und schwadroniert: „ Wenn ich vor der Kamera stehe, hilft mir kein Gott, sondern nur mein Gerät, denn es ist mein Partner. An ihm darf nicht der mindeste Makel haften, sonst ist die Blamage unverzüglich da.” Amen. In Wirklichkeit verhinderte hinter den Kulissen in erster Linie Gattin Erika die Blamagen, die im Gegensatz zum Heinzelkoch aber nie im Abspann genannt wurde …

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Im Fernsehstudio hatte der Heinzelkoch durchaus seine Vorzüge, denn er ließ sich, anders als ein Backofen, nach oben öffnen und bot der Kamera einen guten Einblick. Außerdem musste Wilmenrod sich nicht bücken und dem Publikum unvorteilhaft sein Hinterteil präsentieren, um den Grill zu bedienen. Aber um das Gerät dem Durchschnittshaushalt mit kamerafreier Küche anzupreisen, mussten sich der gelernte Schauspieler und der Hersteller schon etwas einfallen lassen.

Das Sichtfenster in der Tür und die Beleuchtung des Innenraums werden als Pluspunkte aufgeführt sowie die schonende Garmethode mit Infrarot-Strahlung. Das Allerneueste war damals der zusätzliche Grillstrahler, „so daß man auch Paniertes im Ofen braten kann, bis dahin ein unmöglicher Vorgang. In 6 Minuten ist das Steak gar. – Genial!” wirbt Wilmenrod im Kochbuch.

Hergestellt wurde der Heinzelkoch damals von Emka in Lüdenscheid. Bis wann er produziert wurde, weiß ich leider nicht. Es gab aber auch von anderen Herstellern ähnliche Geräte, die mit der Verbreitung elektrischer Küchenherde wohl spätestens in den 1970er Jahren überflüssig wurden. 1953 kochten erst 20 Prozent der deutschen Hausfrauen mit einem E-Herd (Männer kochten damals nur im Fernsehen), 1960 waren es schon doppelt so viele.

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About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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3 Responses to Erinnerung an den Heinzelkoch

  1. Claus says:

    Die Dinger sind total selten, ist mir noch nie einer untergekommen und das will was heißen. Wenn ich einen auftreibe, erfährst du´s zuerst :-)

  2. Petra Foede says:

    @Claus: Ist der Heinzelkoch tatsächlich so selten? Vermutlich wurde so etwas auch entsorgt, wenn es nicht mehr funktioniert hat. Aber vielleicht wurde das Gerät auch gar nicht in so großer Stückzahl hergestellt, trotz Wilmenrod-Werbung.

  3. Martina says:

    Ich bin im Besitz eines original Heinzelkoch aus den 50er Jahren und wie ich lese, darf ich mich nun als “stolzen” Besitzer sehen. Ich dachte mir schon, dass bestimmt nur noch wenige Exemplare davon existieren, allerdings war mir nicht bewusst, dass es sich hierbei anscheinend um eine absolute Rarität handelt.