General Tso und sein Huhn

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Was sind wohl die beliebtesten Gerichte in deutschen China-Restaurants? Ich tippe mal auf Frühlingsrolle und Chop suey, gefolgt von Huhn/Schweinefleisch/Ente süß-sauer. Dass viele Chinesen auch „Bambi goreng” auf der Karte haben, will ich hier mal nicht weiter thematisieren … In den USA ist dagegen General Tso’s chicken der absolute Favorit. General was? Tja, bis zu uns hat es das Huhn noch nicht geschafft. Es wird mariniert, im Teigmantel frittiert und mit einer scharf-süßlichen Sauce serviert. Meistens gibt es dazu noch Brokkoli. Aber wer war General Tso und warum essen die Amerikaner sein Huhn?

Foto: jasonlam

Foto: jasonlam

Tso Tsung-tang oder auch Zuo Zongtang (1812-1865) stammte aus der Provinz Hunan und war ein berühmt-berüchtigter Feldherr der Qing-Dynastie, der mehrere Aufstände blutig niederschlug. Er war der militärisch erfolgreichste General seiner Zeit. Mit der Erfindung „seines” Gerichts hat er natürlich nichts zu tun und er hat es selbst auch nie gegessen, denn zu seiner Zeit gab es dieses Rezept noch nicht. Aber auch heute ist es in China so gut wie unbekannt, und es hat auch nichts mit der Küche der Hunan-Region zu tun, die zwar scharf ist, aber nie süß.

Ein chinesisches Huhn erobert New York

In den Vereinigten Staaten lässt sich der Ursprung von General Tso’s Chicken bis in die 1970er Jahre zurückverfolgen, wobei die Spur nach New York führt. Die ersten chinesischen Restaurants in den USA wurden zwar schon vor der Jahrhundertwende gegründet, aber dort wurde kantonesisch gekocht, also relativ mild gewürzt. Die Regionen Sichuan und Hunan sind dagegen für die großzügige Verwendung von Chili und Pfeffer bekannt. Bei uns haben diese Gerichte oft den Zusatz „Kung bao”, sind aber für westliche Gaumen deutlich entschärft. Das Huhn des General Tso war die Spezialität von Uncle Peng’s Hunan Juan in New York City, 1973 eröffnet von Küchenchef Peng Chang-kuei aus Hunan. Henry Kissinger gehörte zu seinen Stammkunden. 1974 dreht ein US-Fernsehteam eine Reportage in seinem Restaurant und filmt Peng beim Zubereiten von General Tso’s Chicken. Nach der Sendung fragten 1500 Zuschauer nach dem Rezept.

General Tso

General Tso

Peng will das Gericht aber schon in den 1950er Jahren in seinem Restaurant in Taiwan erfunden haben, wohin er 1949 im chinesischen Bürgerkrieg geflohen war und wo er zum Koch des Mao-Gegenspielers Chiang Kai-shek wurde. Aber sein Huhn wurde anders zubereitet, typischer für die Hunan-Küche. Was heute als General Tso’s Chicken bezeichnet wird, hat viel mehr Ähnlichkeit mit der Spezialität eines anderen New Yorker Restaurants, dem Shun Lee Palace von Küchenchef Wang aus Hunan. Er nannte sein knuspriges Huhn damals General Ching’s Chicken … Spätestens jetzt wird es verwirrend und kompliziert. Offenbar wechselte das Huhn irgendwann seine Identität, nach dem Motto „Hauptsache General”, legte sich einen Teigmantel zu und hüpfte aus dem Wok in die Fritteuse.

Da es dieses Gericht in deutschen China-Restaurants nicht gibt, hier ein Rezept von Kleiner Kuriositätenladen zum Ausprobieren.

Quellen:

  • Fuchsia Dunlop: Revolutionary Chinese Cookbook: Recipes from Hunan Province, 2007
  • Salon.com: The curious history of General Tso’s chicken von Francis Lam
  • Jennifer 8 Lee: The Fortune Cookie Chronicles, New York 2009

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About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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2 Responses to General Tso und sein Huhn

  1. Eline says:

    In österreichischen China-Restaurants (meist von Taiwanesen geführt) gibt es dieses Gericht schon, allerdings nicht unter diesem Namen. Es heisst meist “gebackenes Huhn süss-sauer”.
    Als Studentin habe ich das sehr gerne gegessen.

  2. Petra Foede says:

    @Eline: Das ist ja interessant. Am Ende gibt es das bei uns auch und heißt nur anders? Es sollte allerdings wohl mehr süß-scharf sein als süß-sauer. Aber die China-Restaurants passen sich den landestypischen Geschmacksvorlieben ja perfekt an.