Die Zeit vergeht wie im Flug. Gerade war es noch klirrend kalt und Weihnachten gefühlsmäßig kaum vorbei, schon haben wir Ostern. In meiner Kindheit war das Wichtigste an diesem Datum natürlich, dass „der Osterhase die Eier bringt” und wir im Garten danach suchen konnten. Bei schlechtem Wetter wurde die Eiersuche halt ins Wohnzimmer verlegt, was die Zahl der Verstecke sehr überschaubar machte – aber sie einfach ausfallen zu lassen, das kam nicht in Frage.
Warum färben wir zu Ostern Eier?
Aber wieso gibt es zu Ostern, wenn die Christen eigentlich die Auferstehung Jesu nach der Kreuzigung feiern, überhaupt Eier, weshalb sind sie bunt und was hat ein Hase damit zu tun? Tatsächlich können auch Historiker darüber nur spekulieren. Fest steht, dass das Ei schon früh auch im Christentum als Symbol des Lebens galt. Das beliebte „Anditschen” von gefärbten Eiern ist eine Anspielung auf das Aufbrechen der Schale, wenn ein Küken schlüpft. Eine Osterei-Theorie besagt, dass in der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern früher auch Eier tabu waren, so dass sie wochenlang zwar gesammelt und gekocht, aber nicht gegessen wurden. Die Bauern entrichteten einen Teil des Pachtzinses an die Grundherren mit diesen Eiern. Die restlichen wurden am Karsamstag rot gefärbt, in der Kirche geweiht und gegessen. Die Farbe unterschied diese geweihten Eiern von den anderen.
Die frühen gefärbten Eier waren aber noch keine Geschenke, schon gar nicht für Kinder. Der Brauch, die Eier zu verstecken und sie dann auch noch einem Hasen unterzujubeln, hat mit der Kirche eher nichts zu tun. Vermutlich wurde er von protestantischen Familien eingeführt, in denen die Erwachsenen zunächst am Gründonnerstag ihre Patenkinder mit Gebäck und Eiern beschenkten. Die Eierweihe hatte die evangelische Kirche wie viele katholische Rituale nach der Reformation abgeschafft.
Offenbar war der Eierbrauch in der Bevölkerung aber beliebt und so suchte man halt nach einem anderen Grund, Eier zu bemalen und zu färben. Das Patengeschenk wurde auf den Ostersonntag verschoben (obwohl es mancherorts vor 100 Jahren noch beim Gründonnerstag blieb) und den Kindern nicht mehr überreicht, sondern in Grasnester gelegt. Im 17. Jahrhundert breiteten sich die Ostereier für Kinder und der fiktive Osterhase als Lieferant im evangelischen Bürgertum immer weiter aus. Beschrieben wird diese neue Mode zum ersten Mal 1682, und zwar für das Elsass, die Pfalz und Westfalen.
Mein Name ist Hase …
Der Osterhase hatte in anderen Regionen früher aber durchaus Konkurrenz: In Westfalen und in Niedersachsen kam lange Zeit angeblich der Fuchs, in Oberbayern und Schleswig-Holstein der Hahn, in Ostdeutschland der Storch, in der Schweiz der Kuckuck. Langfristig hat sich dann der Osterhase durchgesetzt, auch in den katholischen Gebieten, was vermutlich damit zusammenhängt, dass er als Bilderbuch- und Postkartenmotiv einfach am dekorativsten war. Nicht zu vergessen als Schokoladenfigur, aber die gibt es erst seit den 1920er Jahren. Im 19. Jahrhundert war der Osterhase noch aus Pappe und es gab jedes Jahr denselben: Der Kopf der Hohlfigur ließ sich abnehmen, das Innere wurde mit Naschwerk gefüllt. Nach Ostern wurde er wieder weggeräumt. Dass der Osterhase eine versehentliche Erfindung der Bäcker ist, denen das gebackene Osterlamm mitunter etwas zu langohrig geriet, halte ich für eine Anekdote.
Die Einführung einer Osterfigur, die die Eier bringt, entsprach wohl dem Zeitgeist, der das Beschenken von Kindern durch Erwachsene ohne Grund nicht vorsah; Geschenke gab es sonst nur als Belohnung. Deshalb gab es früher nicht nur Nikolaus, Christkind und Weihnachtsmann, sondern auch noch ein „Geburtstagsmännchen” und eben den Osterhase oder ein anderes Ostertier.
Quellen:
- P.M. History Ausgabe 4/2003: Die wahre Geschichte vom Osterhasen
- Berliner Zeitung: Der Osterhase. Keck, putzig und potent (Artikel vom 5. April 2004)
- Planet Wissen: Ostereier
- Planet Wissen: Der Osterhase
- Brauchtum.de: Vom „agnus dei” zum „lepus paschalis”? Wie der Osterhase zum säkularen österlichen Symboltier wurde
Frohe Ostern! Ich mache eine Woche Osterpause.











Zum einen müssen natürlich die Eier bunt sein, damit man sie im Schnee besser findet!
Und auch bei schlechtem Wetter wurde früher bei uns die Eiersuche nicht ins Haus verlegt. Ich weiß aber mittlerweile von meinem Vater, dass die von uns Kindern gefundenen Eier auf den Wald-Osterspaziergang immer wieder neu versteckt wurden. So haben wir dann immer die gleichen Eier wiedergefunden, und im kindlichen Vertrauen an die Gerechtigkeit der Welt natürlich nicht fewußt, wie sehr wir hinters Licht geführt wurden.