Die Ära der deutschen Fernseh-Kochshows begann im Februar 1953, als Clemens Wilmenrod alle vierzehn Tage im Abendprogramm live auf Sendung ging. Ihm verdanken wir kulinarische Highlights wie den Toast Hawaii und das Arabische Reiterfleisch. Doch auch die DDR hatte ihren Fernsehkoch, und Kurt Drummer (1928-2000) spielte diese Rolle nicht nur, sondern er hatte den Beruf wirklich gelernt. Seine Sendung „Der Fernsehkoch empfiehlt” startete 1958 und lief über 25 Jahre lang. Anfang der Sechziger Jahre erschienen seine Rezepte zum ersten Mal in Buchform.

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Drummer war kein Entertainer wie Wilmenrod, er trat stets seriös und mit weißer Kochmütze vor die Kamera. Laut Wikipedia lernte er von 1942 bis 1944 im Hotel Chemnitzer Hof und studierte später Ernährungswissenschaften. Wie er zu seinem Job im Fernsehstudio kam, scheint aber ein Geheimnis zu sein. Anders als sein Vorbild (?) im Westen konnte Drummer keineswegs kochen was er wollte. Seine Aufgabe war es, sich Rezepte auszudenken, die zu den im Arbeiter- und Bauernstaat gerade erhältlichen Lebensmitteln passten und Versorgungsengpässe geschickt zu kaschieren. Waren die Heringsfänge der volkseigenen Flotte gut ausgefallen, dann gab es in der nächsten Sendung eben Heringssalat. Pech, wenn ausgerechnet dann die Zwiebeln ausgingen … Dem Kochbuch nach zu urteilen waren Hering, Paprika, Tomaten, Eier, Spaghetti und Chicoree sehr oft vorrätig.

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Der Fernsehkoch empfahl nicht nur altbekannte deutsche Hausmannskost, sondern entwickelte auch neue Rezepte. So kamen auch die Hausfrauen im Osten in den Genuss überbackener Toastschnitten und von „Käsekotelettchen mit Fruchtspießchen”. Angeblich hat er auch das Arabische Reiterfleisch als „Ukrainisches Reiterfleisch” verwurstet, aber das kommt in der Ausgabe von 1963 leider nicht vor. Nicht fehlen durften natürlich Gerichte aus befreundeten sozialistischen Ländern. Vermutlich war es Kurt Drummer, der Soljanka und Letscho in der DDR bekannt machte. „Kebabtscheta” preist er als bulgarische Spezialität, das Schaschlik ist armenisch, Rumpsteak mit Paprika serbisch und der Schweinebraten mit Sauerkraut „ein rumänisches Gericht”. Seltsamerweise fehlt der russische Borschtsch - mangelte es da womöglich an Roter Bete? Auch ein paar Rezepte aus dem westlichen Ausland schafften es ins Repertoire, Italien und Österreich waren in der Fernsehküche offenbar zugelassen.

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Kurt Drummer kochte nicht nur im Fernsehen, sondern war von 1965 bis 1990 auch Chefkoch der gehobenen Interhotel-Kette, in der vor allem Gäste aus „nicht sozialistischen Wirtschaftsgebieten” untergebracht waren. Ein Höhepunkt seiner Laufbahn war sicher seine Verpflichtung als Mannschaftskoch der DDR bei der Fußball-WM 1974.

Hier ein Rezept aus dem Fernseh-Kochbuch:

Kubanischer Reissalat

Zutaten: 250 g gehacktes Rindfleisch, 150 g gehacktes Schweinefleisch, 4 EL Öl, 100 g Reis, ½ Flasche Joghurt, 50 g süße Mandeln, 100 g Gewürzgurken, 1 Stange Lauch, 1 Glas Weinbrand, Senf, Salz, Zucker, Knoblauch, Pfeffer. Zubereitung: Das Hackfleisch mit wenig Öl anbraten, mit der Gabel zerkrümeln, gut mit Salz und Pfeffer würzen und mit dem Weinbrand ablöschen. Nach dem Erkalten mischt man es mit dem nicht zu weich gekochten Reis, den feinwürfelig geschnittenen Gewürzgurken, dem klein geschnittenen Lauch, den gehackten Mandeln und dem Joghurt. Abgeschmeckt wird der Salat mit Senf, Zucker, Knoblauch sowie dem Rest des Öls. Man garniert mit grünem Salat.

Dieser Salat ist in etwa so kubanisch wie das Reiterfleisch arabisch. Nur eine Geschichte hat Drummer dazu nicht erzählt.

Quellen:

  • Wikipedia-Artikel zu Kurt Drummer
  • Immer wieder Schnippelsuppe, Berliner Zeitung (2. Juni 2003)
  • MDR: Die Fernsehköche der DDR