Lob der Konserve – das Zitat zum Frauentag

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Zum heutigen Internationalen Frauentag ist mir ein interessantes Zitat aus dem Jahr 1894 eingefallen, das ich gleich mal herausgesucht habe:

Bei alledem ist der Verbrauch an Konserven in Österreich-Ungarn ein verhältnismäßig sehr geringer, denn fester noch als selbst in Deutschland haftet hier beim Mittelstand das unselige mittelalterliche Vorurteil, daß eine tüchtige Hausfrau vorzugsweise in die Küche gehörte, um Möhren zu schaben, Kartoffeln zu schälen, Bohnen zu brechen, Erbsen auszulesen usw. – Dinge, die die Maschine weit rascher und billiger besorgt als die beste Frau, die sicher den durch diese erbärmlichen Geschäfte in Anspruch genommenen Teil ihrer Zeit in der Kinderstube oder an der Seite des Mannes weit nützlicher für die Familie und die menschliche Gesellschaft verwenden könnte. Rund herausgesagt: Die berühmte deutsche Hausfrau verplempert viel zuviel Zeit in der Küche, und bevor sie diese “Tugend” nicht ablegt, wird sie nicht zur ebenbürtigen Gefährtin des Mannes werden.

Die Verwendung der Konserven aber erspart sehr viel Zeit (…) Die Konserve beeinflusst demnach nicht bloß bereits das Staatsleben (Anmerkung: gemeint ist hier die Verwendung in der Armee), sondern sie wird auch das häusliche Leben des Volkes allmählich freier, würdiger genußreicher gestalten, und die Nachwelt wird daher das 19. Jahrhundert (…) das “Jahrhundert der Konserven” nennen.

Dieses Zitat stammt nicht etwa vom österreichischen Zweig der Marxisten, sondern aus dem ausgesprochen bürgerlichen Wiener Appetit-Lexikon von Habs/Rosner.

Ob Gemüse in Dosen nun wirklich ein Meilenstein in der Geschichte der Frauenbewegung war, sei mal dahingestellt, wir können heute auch auf hochwertigere Tiefkühlware zurückgreifen. Aber es ist etwas völlig anderes, ob man oder frau das Kochen als Hobby betreibt und sich bei Lust und Laune ein paar Stunden in die Küche stellen kann – oder täglich muss. Nur so als Food for thought.

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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3 Responses to Lob der Konserve – das Zitat zum Frauentag

  1. miriam says:

    vielen dank für das zitat!

  2. Vor Jahr und Tag (wer weiß, vom wem und aus welchem Lied das ist? ;) ) wurde an einen der ersten internationalen Frauentage, die ich bewußt erlebt habe, in Koblenz für einen Tag ein Platz in “Camille Claudel Platz” unbenannt.
    Eine wunderbare Frau, die fulminant von Isabelle Adjani im gleichnamigen Film verkörpert wurde.

    Weg vom Thema? Sorry!
    ;)

  3. Petra Foede says:

    @AT: “Wie vor Jahr und Tag liebe ich dich noch …” von Reinhard Mey – meinst du das? Camille Claudel sagt mir was, den Film kenne ich leider nicht. – Eigentlich wurde bei uns in Westdeutschland der 8. März vor der Wiedervereinigung gar nicht groß begangen, jedenfalls habe ich das so in Erinnerung. Wir hatten nur den Muttertag als “Frauentag”. Weil ich von demonstrativen Gesten einmal im Jahr nicht soviel halte, sind mir beide Tage auch irgendwie suspekt. Das ist so wie mit anderen “Tagen für” – einmal im Jahr kurz daran denken und dann hat es sich wieder für ein Jahr …