Falscher Hase: Welsh Rabbit
Posted by Petra Foede on 19 Feb 2010 | Tagged as: England, Rezepte
Welsh Rabbit heißt auf Deutsch „walisisches Kaninchen”, aber wer da einen zünftigen Hasenbraten erwartet, ist auf eine Scherzbezeichnung reingefallen. In Wirklichkeit ist dieses Gericht absolut kaninchenfrei und besteht schlicht aus geröstetem Brot und geschmolzenem Käse. In Kochbüchern wird das oft auch „Welsh Rarebit” genannt, was man mit „seltener Bissen aus Wales” übersetzen kann.
Rabbit oder Rarebit?
Viele halten Rarebit für die ältere Bezeichnung, die Witzbolde irgendwann mal zu Rabbit verändert haben, aber das ist ein Irrtum. Von Welsh Rabbit ist zum ersten Mal 1725 in den Erinnerungen eines John Byron die Rede: „I did not eat of cold beef, but of Welsh rabbit and stewed cheese.” Das „Welsh Rarebit” taucht erst 60 Jahre später in Kochbüchern auf. Beide Bezeichnungen sind eindeutig englisch. Die Waliser haben ihre eigene Sprache und da heißt das Gericht ganz anders, nämlich caws pobi (caws= Käse, pobi = geröstet).
Über offenem Feuer gegrillter Käse ist wirklich eine alte Waliser Spezialität, die schon auf das Mittelalter zurückgeht. Aus dem 16. Jahrhundert ist eine Geschichte überliefert, in der ein englischer Erzähler schildert, wie eine lärmende Gruppe Waliser von Petrus mit einer List aus dem Himmel vertrieben wurde: Er stellte sich vor das Himmelstor und rief laut caws pobi, caws pobi! Als die Waliser ihm nacheilten, schloss er das Tor von innen ab.
Käse statt Fleisch
Die Vorliebe der Waliser für Käse ist auch durch seriöse historische Quellen belegt. Kühe und Schafe wurden vor allem wegen der Milch gehalten und, wenn überhaupt, erst in hohem Alter geschlachtet. In vielen europäischen Regionen mit Milchviehhaltung war Käse im Alltag ein Ersatz für Fleisch; das war nicht nur ein Witz, sondern Realität. Deshalb also Welsh Rabbit. Mich erinnert das an den kölschen Halven Hahn, der ja auch kein halbes Hähnchen, sondern ein Käsebrötchen ist - der Witz dahinter ist derselbe.
Der walisische Käsetoast hat sich im Laufe der Zeit aber stark verändert. Die ursprüngliche Zubereitung war sehr einfach und wird zum Beispiel von Hannah Glasse 1747 noch so erklärt: „Röste das Brot von beiden Seiten, dann röste den Käse auf einer Seite und lege ihn auf den Toast, bräune die andere Seite mit einem heißen Eisen. Man kann etwas Senf darauf streichen.” 50 Jahre später war daraus eine Art englisches Fondue geworden, bei dem der geriebene Käse in der Pfanne oder einem Tischkocher geschmolzen und mit Milch oder Ale und Gewürzen vermischt wird. Ob das Brot mit der Käsesauce dann noch mal getoastet wird, darüber ist man sich bis heute in den Kochbüchern nicht einig. Ich habe geschmacklich keinen Unterschied feststellen können, das ist also wohl eher eine Glaubensfrage.
Rezept
Zutaten für 4 Peronen: 4 Scheiben Brot, 2 TL Butter, 225 g geriebenen Cheddar, 1 TL Senf (eigentlich Senfpulver), etwas Worcestershiresauce, evtl. etwas Cayennepfeffer, 2 EL Ale oder Milch. - Zubereitung: Zuerst das Brot toasten und warm stellen. In einem Gefäß über dem Wasserbad die Butter schmelzen, dann unter ständigem Rühren nach und nach den Käse zugeben und schmelzen, danach die Gewürze zugeben. Unter ständigem Rühren Ale oder Milch zugießen. Die Käsecreme auf dem Brot verstreichen und den Toast kurz überbacken, bis der Käse leicht gebräunt ist.
Quellen:
- John Ayto: An A to Z of Food and Drink, Oxford University Press 2002
- Patricia Bunning Stevens: Rare Bits - Unusual origins of popular recipes, Athens 1998
- Alan Davidson: The Oxford Companion to Food, 2. Aufl. Oxford University Press 2006
- Bobby Freeman: First catch your peacock - The classic guide to Welsh food, 3. Aufl. Talybont 2006
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7 Comments »









Hallo Petra,
unter „falschen Hase“ verstehe ich etwas anders. Es ist ein schlichter Hackbraten mit gekochtem Ei als Füllung.
Oder?
Ja sicher Alwi, der “echte” Falsche Hase ist ein Hackbraten, das kenne ich auch so. Die Überschrift soll nur ein kleines Wortspiel sein - sowas machen Journalisten ganz gerne
Also bitte nicht verwirren lassen
Schöne Historie! Bei uns gibt es oft Welsh Rarebits - ein schneller Imbiss zu gutem Bier, in Ermangelung von Ale darf es auch ein Pils sein. In meine Rezeptur kommt noch ein ganzes Ei pro Person hinein, dafür keine Butter und nie Milch. Diese Masse streiche ich dick auf vorgetoastetes Weissbrot und überbacke die Rarebits unter dem Grill.
Ich habe Welsh Rabbits jetzt zum ersten Mal gemacht, das war also eine Premiere. Aus etlichen Rezepten hab ich mir eins rausgesucht, das mir zugesagt hat. Ei kommt in vielen Rezepten vor, aber ich habe es weggelassen - als Kind musste ich immer mein Rührei aufessen, seitdem habe ich es nicht so mit Ei
Da ich keine Biertrinkerin bin, hatte ich kein Bier da, aber ich kann mir vorstellen, dass es geschmacklich gut zu Cheddar passt.
Wiederum eine interessante story. Die Tomaten auf dem Teller haben mich erst etwas verwirrt. 1725 wurden die noch nicht dazu gegessen, aber das Foto ist vermutlich neueren Datums
@lamiacucina: Im 18. Jahrhundert hat man in England sicher noch keine Tomaten gegessen (in Italien übrigens auch nicht), aber in vielen aktuellen Rezepten sind sie als Beilage fast zwingend vorgesehen, manche legen sie sogar oben auf den Toast drauf. Es gibt bzw. gab übrigens noch eine US-Variante von Welsh Rabbit aus den 1930er Jahren, die “Blushing Bunny” heißt und mit Tomatensuppe aus der Dose statt mit Ale oder Milch zubereitet wird; das Ergebnis ist dann rosa
Genau, an den halven Hahn mußte ich auch sofort denken. Ich mag überbackene Käsebrote gerne, damit kann man auch altbackenes Brot gut zu einem leckeren Snack verwandeln. Das Welsh rabbit ist daher schon gespeichert und wird bei nächster Gelegenheit getestet.