Helau und Alaaf liebe Närrinnen und Narrhalesen - wer sich am heutigen Rosenmontag damit angesprochen fühlt (alle anderen überlesen es bitte einfach). Ich wohne in einer Karnevalshochburg und komme an diesem Thema zwangsläufig nicht vorbei. Schon seit Donnerstag („Schwerdonnerstag”) ist das öffentliche Leben hier nahezu lahm gelegt, die Behörden machen nur noch Notdienst, und die Fußgängerzone ist trotz Schnee zur Schunkelzone mutiert. Selbst die Kassiererinnen bei Rewe tragen lustige Hütchen.

Da in einem derart närrischen Umfeld an seriöse kulinarische Forschung nicht zu denken ist, habe ich mich diesmal unter dem Motto Retro-Küche kleinen Partygerichten aus den Fünfziger Jahren gewidmet, deren Nachahmung ich nur bedingt nicht empfehlen kann.

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Das erste Rezept stammt aus einem Hausfrauenratgeber von 1958 und trägt den Titel Sauerkrautsalat mit Fischmarinade. Die Anleitung ist simpel: „Eine Dose Fischkonserve zerdrückt man und mischt eine Handvoll rohes, ausgedrücktes, zartes Sauerkraut darunter. Dann fügt man noch etwas Salz und ganz wenig Zucker sowie den nötigen Essig daran; Öl ist nicht notwendig, da der Fisch sämig genug ist. Der feine Geschmack dieser Speise wird ganz besonders überraschen.” Soso. „Fischkonserve” - ginge es auch etwas konkreter? Da Bismarck- und Matjeshering sich meinen Versuchen, sie zu zerdrücken, hartnäckig widersetzten, habe ich dann doch eingedosten Hering in Tomatensauce genommen. Hier das Ergebnis:

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Hinweis: Man sollte bei dieser „Speise” keine angenehmen Überraschungen erwarten. Sie schmeckt wie ein verhunzter Sauerkrautsalat, um die Wahrheit zu sagen.

Kommen wir nun zu einem Rezept aus einem Sonderheft der Zeitschrift Constanze, ebenfalls von 1958, das sicher keinen Vergleich mit Kreationen à la Wilmenrod zu scheuen braucht, auch wenn es schlicht Matjes-Cocktail heißt: „4 Matjesfilets gründlich säubern, wässern und eine Nacht in einem Aufguß von schwarzem Tee ziehen lassen. 6 bis 8 Champignons in wenig Butter und Zitrone weich dünsten. Aus 125 g Mayonnaise, etwas Sahne, je einem Eßlöffel Weinbrand und Tomatenketchup eine dickliche Soße rühren, mit Pfeffer, geriebenem Meerrettich, ein paar Tropfen Zitrone abschmecken. Hering, Champignons und 3 Scheiben Ananas würfeln, mischen und in Cocktailgläser schichten, mit der Soße übergießen, mit Zitronenrädchen, Kaviar und Tomatenketchup-Tupfen verzieren.” - Die gewagte Kombination der Aromen verheißt … ähm … sagen wir mal: Außergewöhnliches.

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Die Anweisungen habe ich tapfer befolgt, abgesehen von Meerrettich (mag ich nicht) und Kaviar - der wäre bei diesem „Gericht” wirklich verschwendet. Nun also der Geschmackstest. Die Sauce schmeckt nicht schlecht, wenn auch etwas mächtig. Zögerlich taste ich mich zu den Feststoffen vor … Ananas und Pilze … Der Matjes schmeckt nicht mehr nach Matjes, das steht fest. Eher wie … Aubergine mit Fischgeschmack? Nicht gut jedenfalls! Als Getränk zu diesem Cocktail passt eindeutig etwas Hochprozentiges. Zum Runterspülen. Merke: Eine Flasche Schnaps sollte man in der experimentellen Retro-Küche immer vorrätig haben.