Ich schätze Kartoffeln nur als Schutz vor Hungersnöten. Ansonsten kenne ich nichts, was geschmackloser wäre.

J.A. Brillat-Savarin

Vor einiger Zeit erreichte mich eine Anfrage von Claudio zu Kartoffelgerichten à la Parmentier - also nicht etwa nach einem Rezept, da würde er mich nicht fragen, sondern nach der Historie. Antoine Augustin Parmentier (1737-1813) gilt als der Mann, der die Kartoffel in Frankreich populär gemacht hat. Weil Claudio schon das Hachis Parmentier übernommen hat, begnüge ich mich mit dem schlichten Potage Parmentier, einer Kartoffelsuppe mit Lauch.

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Die Angst vor der Kartoffel

Aber erst mal zur Geschichte. Parmentier war kein Koch, sondern Militärapotheker. Zu seiner Zeit wurden Kartoffeln in Frankreich kaum gegessen, lieber fütterte man die Schweine damit. Die Mediziner warnten, die Erdknollen seien giftig und verursachten Lepra. In einigen Regionen war ihr Anbau deshalb verboten. Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) kam Parmentier in preußische Gefangenschaft und erfuhr am eigenen Leib, dass es möglich ist, sich längere Zeit fast ausschließlich von Kartoffeln zu ernähren. Das machte ihn zu einem begeisterten Anhänger der Erdäpfel. Er verfasste eine Schrift über ihren Nutzen und empfahl sie als Ersatz für Getreide. Immerhin erklärte die Pariser Akademie der Medizin Kartoffeln einige Zeit später für essbar. Der König überließ ihm schließlich einen Acker als Versuchsfeld für den Kartoffelanbau; das war aber erst 1785. Da gab es nämlich gerade mal wieder eine Hungersnot.

Antoine Parmentier

Antoine Parmentier

Parmentier konnte einige Wissenschaftler und Gelehrte von den Vorzügen der Knollen überzeugen, aber aus den meisten Küchen blieben sie weiterhin verbannt, wie ein Zitat aus der „Geschichte des Privatlebens der Franzosen” von 1783 beweist:

„Ihr mehliger Geschmack, ihre natürliche Fadheit, die ungesunden Eigenschaften dieses Lebensmittels, das bläht und unverdaulich ist, haben dazu geführt, dass sie von besseren Haushalten abgelehnt wird.”

Das Gerücht, Parmentier habe sich „seine Gerichte” selbst ausgedacht, beruht vor allem auf seiner Idee, ein Festessen mit 20 Gängen für geladene Gäste auszurichten - jeder Gang bestand aus Kartoffeln, selbst das Dessert und der Kaffee. Aber der gute Mann hatte natürlich einen Koch, und der musste das alles austüfteln. Parmentier selbst hat jedenfalls keine Kochrezepte veröffentlicht. Das erste französische Kochbuch nur mit Kartoffelrezepten wurde 1793 von einer Frau geschrieben. Der Durchbruch kam mit Napoleon, der den Anbau der Erdäpfel in großem Stil befahl, um damit seine Armee zu versorgen. Freiwillig aßen die Franzosen die mehligen Dinger aber erst, als sie lernten, daraus Pommes frites zu machen. Das passierte so um 1830 herum - was für ein Jammer, dass Parmentier das nicht mehr erlebt hat …

Französische Kartoffelsuppe (Potage Parmentier)

Zutaten für 4 Personen: ca. 400 g Kartoffeln, 2 Stangen Lauch, ¾ l Wasser oder Brühe, 100 ml Sahne, Salz, Pfeffer, Schnittlauch. - Zubereitung: Kartoffeln schälen und würfeln. Den Lauch putzen, die Stangen in Scheiben schneiden, gründlich waschen. Kartoffeln und Lauch in den Topf geben, Wasser zufügen, salzen, pfeffern. Die Suppe etwa 40 Minuten zugedeckt kochen lassen. Danach das Gemüse durch ein Sieb passieren oder pürieren. Anschließend die Sahne zugeben und nochmal kurz erhitzen. Die Suppe mit dem gehackten Schnittlauch anrichten.

Interessante Links:

Zur Geschichte der Kartoffel