Vergessene Küchenhelfer: Schneidboy und Greifhexe

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Wir benutzen in der Küche ganz selbstverständlich diverse Geräte, die unsere Großeltern noch nicht kannten, vom Sparschäler über Käsehobel und Knoblauchpresse bis hin zu Pürierstab und Milchaufschäumer. Ganz zu schweigen von Schnickschnack wie dem Eierschalen-Sollbruchstellen-Verursacher. Manche Utensilien werden zu Klassikern wie der „Zauberstab”, eine Erfindung aus den 1950er Jahren, anderes verschwindet nach einer Weile im großen Müllcontainer des kollektiven Vergessens.

Beim Blättern in einem alten Haushaltsratgeber von 1958, noch aus dem Bestand meiner Großmutter, sind mir ein paar Küchengeräte begegnet, die vor 50 Jahren der letzte Schrei waren, die heute aber kaum noch jemand kennt oder benutzt. Es sei denn, in sentimentaler Erinnerung an einen Fernsehkoch namens Clemens Wilmenrod, der das ein oder andere Gerät gerne werbewirksam in die Kamera hielt.

Schneidboy

schneidboyEines der Wilmenrodschen Lieblingsgeräte war der Schneidboy, hergestellt von der Firma Ritter. Das war ein kleiner handlicher Allesschneider, der vom Hersteller vor allem als Alternative zum altmodischen Wiegemesser beworben wurde, das aber (angeblich) noch viel mehr konnte: Kräuter und Spinat zerkleinern, Zwiebeln schneiden und bei der Herstellung von Nudeln helfen. Über 10 Millionen Schneidboys sollen weltweit verkauft worden sein, ein echter Bestseller. Aber: Es gibt ihn nicht mehr. Vielleicht weil die Hausfrauen irgendwann gemerkt haben, dass es noch viel praktischer ist, Kräutern und Zwiebeln zu hacken (und die Nudeln fertig zu kaufen?).

Greifhexe

greifhexeAls ich vor einiger Zeit einen Originalmitschnitt von Wilmenrod gesehen habe, in dem er einen „Heringssalat auf bretonische Art” zubereitet, unterstellte ich ihm noch, dabei mit einer Grillzange zu hantieren. Welch abwegiger Gedanke ;) Tatsächlich handelt es sich bei diesem Utensil um die „Greifhexe”, eigens konzipiert, um zum Beispiel gekochte Würstchen oder Eier aus heißem Wasser zu nehmen, ohne sich die Finger zu verbrennen. Doch auch Gurken oder eben auch Heringe ließen sich damit hygienisch einwandfrei greifen, so die Herstellerwerbung. Sowas gibt es immer noch, sieht etwas anders aus, wird meist nur noch als Pfannenwender genommen und heißt schlicht Küchenzange – wie langweilig.

Grill-Toaster

grilltoasterDas hier ist ein Grill-Toaster, ein „reizendes praktisches Tischgerät”, in dessen Schublade vier Scheiben Toastbrot hinein passten. Das wäre an sich vielleicht noch keine so fantastische Neuheit gewesen, denn solche Flachbett-Toaster gab es zumindest in den USA schon eine ganze Weile. Dieses Gerät sollte aber auch in der Lage sein, gleichzeitig bis zu vier Steaks elektrisch zu grillen. Der Hersteller wird nicht genannt. Zumindest in der DDR wurde ein ähnliches Gerät als Party-Grill bis in die 1980er Jahre hergestellt, allerdings ohne Schublade. Vermutlich hat die immer mal geklemmt. Dann hatte man vier verbrannte Toasts auf einmal …

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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8 Responses to Vergessene Küchenhelfer: Schneidboy und Greifhexe

  1. Feiner Bericht! Aber ich möchte doch betonen, dass ich niemals nie eine Knoblauchpresse benutze! Pfui! ;)

  2. lamiacucina says:

    Schneidboy und Greifhexe haben wir vor etwa 5 Jahren entsorgt. Nur die Knoblauchpresse ist für gewisse Speisen noch im Einsatz. Und wird es weiterhin bleiben :-)

  3. Ulrike says:

    Also wirklich: Ein Eierschalensollbruchstellenverursacher ist doch nun wirklich kein Schnickschnack, genausowenig wie Schantall ;-) Knoblauchpresse ist abgeschafft, statt dessen benutze ich jetzt die Knoblauchcard

  4. alissa says:

    So eine Greifhexe haben wir noch irgendwo und meine Mutter hatte früher auch den Schneidboy – allerdings war der imer läßtig zum Reinigen und flog irgendwann raus. Knoblauchpresse habe ich keine und diesen Toaster habe ich noch nie gesehen – witzig..

  5. Petra Foede says:

    @Alle: Ich hatte keine Ahnung, dass die Knoblauchpresse so ein kontroverses Thema ist, ich habe sie rein zufällig erwähnt, weil ich dachte, sowas hat jeder gut ausgestattete Haushalt (nur ich halt nicht).
    @lamiacucina: Ihr hattet bis vor ein paar Jahren noch einen Schneidboy und eine Greifhexe? Das spricht für die Qualität der Geräte, die haben dann ja sicher lange gehalten.
    @Ulrike: Ich brauche zum Ei-Öffnen eigentlich nur einen Löffel – ist aber natürlich nicht so schick ;) So ein Piep-Ei habe ich auch, aber ich benutze es nie, ich gucke beim Eierkochen einfach auf die Uhr – ist vermutlich auch ziemlich out heutzutage. Schantall erspart wohl immerhin den Loriotschen Vorwurf, es stimme irgendwas mit dem Gefühl der Hausfrau nicht, wenn das Ei mal wieder zu weich oder zu hart ist :) Bei kommerziellen Links (Knoblauchcard) bin ich immer pingelig, sorry, ist nicht böse gemeint, wenn ich sowas entlinke.
    @Alissa: Schneidboy und Greifhexe scheinen wirklich weit verbreitet gewesen zu sein. Komisch, ich kann mich gar nicht erinnern, dass meine Mutter sowas hatte. Muss ich mal fragen. Aber falls irgendjemand noch alte Küchengeräte, halbwegs ansehnlich, in der Ecke rumliegen hat und sie entsorgen will – ich würde sowas annehmen, wenn auch nicht zum Gebrauch, sondern aus rein dokumentarischen Gründen. Ich finde alten Haushaltskram spannend, ich gehe auch gern in Museen, in denen sowas ausgestellt wird.

  6. Ulrike says:

    SchwieMu zieht ins betreute Wohnen, möchtest du ihre Schnippelbohnenmaschine betreuen?

  7. Auch meine Mutter besaß Schneidboy und Greifhexe – letzterer haben wir hier ein Asyl gegeben ;-)

    Im Keller hab ich noch eine ganze Kiste mit Kurbelinstrumenten a la Ulrikes Schnippelbohnenmaschine, ich hab die mal auf Flohmärkten zusammengekauft, unsere erste Küche war damit dekoriert. Schön ist z.B. auch der Apfelschäler zum Kurbeln :-)

  8. Petra Foede says:

    @Ulrike: Interessantes Gerät, habe ich vorher noch nie gesehen. Gleich zwei Bohnen auf einmal schnippeln – Wahnsinn :) Also falls du sie nicht aufheben möchtest und sie nicht zu schwer ist für den normalen Versand, dann könntest du sie mir gerne schicken. Vielleicht habe ich dann in ein paar Jahren auch eine kleine Sammlung von Küchengeräten ;)