Arancini di riso (Frittierte Reisbällchen)
Posted by Petra Foede on 27 Jan 2010 | Tagged as: Italien, Rezepte
Arancini sind ein beliebter Snack in Sizilien, wo es sie in vielen Trattorias gibt. Es sind kleine frittierte Reisbällchen mit einer Füllung, die ihren Namen „kleine Orangen” ihrer goldgelben Farbe verdanken. Im Westen der Insel werden sie zu Kugeln geformt, während sie im Osten eher an Birnen als an Orangen erinnern. Gefüllt werden sie traditionell mit geschmorten Fleischstücken, einer Art Ragù bolognese, aber andere Füllungen wie Mozzarella, Pilze oder Auberginen sind auch sehr verbreitet. In Rom und Umgebung füllt man die Arancini nur mit Käse und nennt sie scherzhaft suppli al telefono („Telefonschnüre”), weil der Käse beim Essen so schön Fäden zieht. (Die Römer hören es nicht gerne, aber es ist schon dasselbe Gericht, andere Füllung hin oder her.)
Geschichte
Das Gericht geht wohl auf Einflüsse der Araber zurück, die im 9. und 10. Jahrhundert Sizilien beherrschten. In Italien erzählt man, dass die Eroberer damals mit Safran gewürzte und gefärbte Reisbällchen eingeführt hätten, die mit irgendetwas gefüllt waren. Auf die Idee, sie zu panieren und zu frittieren sei man dann Jahrhunderte später am Hof des römisch-deutschen Kaisers und Herrschers von Sizilien, Friedrich II. (1194-1250), gekommen, weil sich die Reisbälle so besser als Reiseverpflegung für unterwegs eigneten. Ja, wer’s glaubt …
Tatsächlich dürften sich die Arancini in Sizilien über einen längeren Zeitraum hinweg aus verschiedenen Gerichten entwickelt haben. Die Araber mögen Pilaw zu Kugeln geformt und mit Safran gefärbt haben. Mich erinnern die heutigen Reisbälle an eine arabische Spezialität, die naranjiyya („Orangen”) hieß und schon in einem Bagdader Kochbuch des 13. Jahrhunderts vorkommt: Kugeln aus gegrilltem Fleisch, ähnlich einem Kebab, die mit Eigelb und Safran goldgelb gefärbt wurden. Wann daraus gefüllte und frittierte Reiskugeln wurden, ist unklar. Es gibt zwar schon in Scappis berühmtem Kochbuch Opera (1570) ein Rezept für gebackene Reisbälle, aber er vermischt dafür süßen Reis mit Eiern und Frischkäse und paniert sie mit Mehl.
Rezept
Es gibt viele ziemlich komplizierte Rezepte für Arancini, vor allem für solche mit Fleischfüllung. Hier ist ein einfaches aus Harry’s Bar in Venedig, das sich mit Resten von Risotto relativ schnell machen lässt, ansonsten muss man ihn extra dafür kochen. Mit Langkornreis würden sich die Bälle nicht gut formen lassen.
Zutaten: Risotto alla parmigiana, Mozzarellawürfel, Mehl, Semmelbrösel, verquirltes Ei, Olivenöl. - Zubereitung: Das Risotto zu Kugeln etwa in Limonengröße rollen. Mit dem Finger ein Loch hinein bohren, jeweils einen Mozzarellawürfel hinein stecken und wieder rollen, um das Loch zu schließen. Die Kugeln erst in Mehl wenden, anschließend in verquirltes Ei tauchen und danach in Semmelbröseln wälzen. In heißem Öl knusprig frittieren, auf Küchenpapier entfetten. Die Arancini heiß servieren; wenn sie nur noch lauwarm sind, wird der Käse zäh.
Aus: Arrigo Cipriani, Harry’s Bar Kochbuch, 9. Auflage München 1998
7 Comments »




Arancini… njamm!
Ich liebe Arancini, allerdings kenne ich nur meine selbst gemachten.
Schon vor einigen Jahren war ich neugierig geworden, da in meinem Lieblingskrimi “Commissario Montalbano” eine ganze Folge den Titel dieser leckeren Dingelchen trägt… und auch wenn ich bei langem nicht alles auf italienisch verstehe (speziell das sizilianische murmelnuschelnusch…) war es klar, wie sehr er diesen Dingern, die dort zu Sylvester gemacht wurden, hinterhergeierte
im doppelten Sinne köstliche Filmfolge
Dann musste ich mich eben ans selber machen wagen… allerdings machte ich sie nach genauen Rezeptstudien dann nach eigenem Rezept…
Puristen mögen verzeihen, aber ich nahm den eines Tages vorhandenen Risottorest (milanese) und versteckte kurzerhand (weil kein Ragú vorhanden) einfach einige Flusskrebschen und Mozzarellastückelchen darin, an die Supplí denkend.
Aber es gibt ja so viele Variationen davon, in vielen Formen auch, nicht nur rund. Dies waren dann die monikasischen mit Krebschen
Eergebnis war, dass sie schneller verschwanden als gemacht waren. *lechz*
Meine Freundin in Palermo freute sich über unsere Leidenschaft für die Dingelchens und erzählte mir auch, dass sie in Palermo ein anderes Geschlecht haben, als im Rest von Sizilien, dort heissen sie Arancine, sind also Weibchen
Allerdings muss ich zugeben, dass ich gern mal solche Originalarancini/e probieren würde.
Ich denke aber, jedes Risottorestchen kann man wunderbar so als Knusperbällchen reinkarnieren
oder ists upgraden?
egal, was die offiziellen Rezepte sind. Mir schmecken sie heiss und kalt, aber klar, der Mozzarella ist einfch am schönsten, wenn er zur Meterware wird
Njamm, muss bald mal wieder welche machen
…und das liegt an deinem Artikel
Ach ja, interessant, was du über die Geschichte schriebst… die alten Rezepte müssen auch interessant gewesen sein … müsste man mal nachkochen.
Ich stell mich dann als Testesserin zur Verfügung!
1a Risotto-Reste-Verwertungsnummer, schon oft gemacht! Danke für die Hintergrundinfos…
@Monika und Claus: Das gefällt mir so an den Blogs, dass jeder seinen persönlichen Beitrag zu einem Thema leisten kann, wobei meine Stärke mehr die Theorie ist (und nebenbei das Essen) und die von vielen anderen mehr die Praxis. Das ergänzt sich dann eigentlich sehr gut. Vorgekocht habe ich mal wieder nicht, aber ihr kennt euch ja aus
@Monika: Je nach Region gibt es auch verschiedene “Originale”, für manche muss es halt unbedingt Ragù sein, aber das ist dann zeitaufwändig. Diesen Krimi kenne ich nicht, aber ich bin bei der Recherche darauf aufmerksam geworden. Da dauert die Zubereitung zwei Tage oder so. Wenn du das Rezept von Scappi gern mal nachkochen möchtest, hier ist meine Übersetzung der englischen Übersetzung
: “Koche zwei Pfund Reis in einer fetten Fleischbrühe oder in Ziegen- oder Kuhmilch und Zucker, so dass er dick wird. Nimm ihn aus dem Topf und lass ihn abkühlen. Zerstoße in einem Mörser etwa 100 g Zucker und acht frische Eier mit einem Pfund Frischkäse. Forme Bälle aus dieser Mischung und dem Reis, wende sie in Mehl, dann frittiere sie in Fett. Wenn sie fertig sind, bestreue sie mit Zucker.”
Hi Petra! I can’t believe I dropped by in time for Rice Balls. Oh how I adore them. I just made a batch for Thanksgiving when the kids were here. They do take some effort but oh so worth it!!! (I’m the only one in my family that still makes them
My Sicilian grandmother use to put peas and ground meat in them. I’m not sure if she used pork, beef or both!!!
I had no idea they had such a history. Thank you for sharing those interesting tidbits of knowledge. Boy oh boy am I glad you have a translator or I would have missed sharing in the memories:) I must save this post…
Hi Louise! It’s great that you like my post about the rice balls and you enjoyed so much reading it. Really interesting that you have a grandmother from Sicily. So you know much better than I how to make arancini. The translator is not perfect but it works rather well I think and I’m so proud that I have also “international readers”
Thanks for visiting my blog
Danke fürs alte Rezept… süße Arancini… Hmmm. Mal sehen…
Jaja die Originale… ich bin mal in so eine Diskussionslinie gerutscht, als ich über die Knusperdinger redete…
auf einmal wollte jemand die tiefere philosphische Rolle des Safrans diskutieren
da sind se bei mir nicht so ganz richtig… auch wennes Italiener sind. Ich erzählte dann einfach von meinem Rezept:
Rest-Risotto mit verquirltem Ei vermengen und ein Leckerdings in die Mitte. In Bröseln wälzen und ausbacken.
Das Leckerdings ist fast alles, was nicht mehr zappelt oder sich irgendwie gegen das Risotto sträubt *ggg*
Damit verstimmte ich wohl diese Puristin. Tja, so isses Leben. ;D
Mir schmecken sie so auch und den Aufwand mit dem Ragú und so… ja klar, schön und neugierig bin ich auch, aber…alltags kommt sowas bei mir nie hin.
So gemacht, sind sie nicht mehr Aufwand als Buletten… äh Frikadellen.
Commissario Montalbano sehen lohnt sich auf jeden Fall, auch wenn man nicht alles versteht.
Allerdings hörte ichmal vor Jahren eine synchronisierte Folge, die war echt ätzend… schreckliche Stimmen und die üblichen Sprechweisen lassen viel verschwinden.
Viel kommt über die Sprechweise rüber, selbst wenn man das sizilianische Gemurmel und Vokalbular (Sicilianu ist eine eigenständige Sprache…*ächz*) (fast) nicht versteht. Der Hauptdarsteller hat übrigens als Römer von meiner palermitanischen Freundin “Daumen hoch” für die echte Aussprache bekommen.
Untertitel helfen ungemein. Da sie früher bei RAI in englisch waren, halfen sie noch mehr. Jetzt gibts nur noch italienische und ich hab viele Folgen schon dutzendmal gesehen… immer wieder versteht man mehr, irgendwann vielleicht sogar alles…
zu den Risotto-Resten kommen noch Erbsen und gehackte Pistazien, so kenne ich das. Köstlich warm, aber auch kalt ein schöner Snack!