Sich nur zum Vergnügen auf ein Schiff zu begeben und eine mehrwöchige Reise als Erholung anzusehen, das wäre vor ein paar Generationen noch niemandem eingefallen. Selbst wer sich wie Charles Dickens und seine Ehefrau den Luxus einer Kabine leisten konnte, um 1842 an Bord der Britannia nach Amerika zu reisen, fand genug Anlass zur Klage. (Fotos zum Vergrößern anklicken)

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Sein Gemach bezeichnete er als „höchst unpraktische, gänzlich hoffnungslose und vollkommen lächerliche Schachtel”, in die er mit seinem Gepäck so gut hineinpasse „wie eine Giraffe in einen Blumentopf”. Die doppelstöckigen Kojen seien „mit dünnen Matrazen und schlaffen Steppdecken versehene Regale”. Nie sei etwas Kleineres zum Schlafen gebaut worden, mit Ausnahme von Särgen. Der Speisesaal erinnerte den Schriftsteller auch unangenehm an „einen gigantischen Leichenwagen mit Fenstern”. Auch das Essen fand in seinen Augen keine Gnade, meistens gebe es „gelb gekochte Hammelkeule” und Kompott aus verdorbenem Obst. Da Dickens seekrank wurde, verbrachte er die meiste Zeit der vierzehntägigen Überfahrt aber ohnehin im Bett.

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Die ersten Kreuzfahrten

Jahrzehnte später waren die Überseedampfer schon deutlich komfortabler und ähnelten immer mehr schwimmenden Hotels. So war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Reedereien auf die Idee kamen, mehrmonatige „Exkursionen” in den Wintermonaten anzubieten, heute als Kreuzfahrten bekannt. Dass sie von dem Deutschen Albert Ballin für die Hapag „erfunden” wurden, ist übrigens eine Legende, da waren Engländer und Amerikaner früher dran. Er perfektionierte aber das Konzept der schwimmenden Nobelherberge. Von Januar bis März 1891 unternahm die Augusta Victoria der Hapag mit knapp 300 Passagieren an Bord die erste Orient-Reise, wobei in 58 Tagen nur 13 Häfen angelaufen wurden. Da mussten die Ausstattung des Schiffes und die Küche schon dazu beitragen, die Reisenden bei Laune zu halten.

Speisesaal und Damensalon auf dem "Großen Kurfürst"

Speisesaal und Damensalon auf dem "Großen Kurfürst"

Nach 1900 gehörten Etagenbetten der Vergangenheit an, aus heutiger Sicht haben die Kabinen aber den Charme eines Schlafwagenabteils. Auf dem neuen Luxusdampfer Victoria Luise verfügten sie zwar über Doppelbetten, elektrisches Licht, Ventilator, Dampfheizung, Klingel und Waschtisch. Wer baden wollte, musste sich aber beim Obersteward einen Termin für eine der zwölf Wannen an Bord reservieren lassen; nur die Suiten hatten ein eigenes Badezimmer.

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Herrenzimmer und Damensalons

Der Luxus entfaltete sich vor allem in den Gesellschaftsräumen. Aus einem Hapag-Werbeprospekt von 1927: „In einem großen, luxuriösen Speisesaal nehmen die Passagiere beim Klang festlicher Tafelmusik die Mahlzeiten ein … Außer den Speisesälen und dem Grillraum haben die Dampfer ein mahagonigetäfeltes Rauchzimmer mit behaglichem Kamin und Lederklubsesseln und einen zart blaugrau dekorierten Damensalon mit einem großen Flügel …”. Außerdem gab es einen großen verglasten Wintergarten, in dem nachmittags Kaffee getrunken und abends getanzt wurde. Nicht zu vergessen die Promenadendecks, ein Fitnessraum und ein Schwimmbecken.

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Auch das Essen spielte an Bord eine wichtige Rolle, für das Dutzende von Köchen verantwortlich waren. Die Luxusliner hatten mehrere Küchen, dazu Bäckerei und Konditorei. Auf den deutschen Schiffen gab es ab 8 Uhr Frühstück, Mittagssen ab halb eins, Abendessen um 18 Uhr und zwei Stunden später nochmal Tee. Vormittags servierten die Stewards den Passagieren an Deck außerdem auf Wunsch Sandwiches und Bouillon oder heiße Schokolade und natürlich gab es nachmittags auch Gebäck und Kuchen.

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Wer mit der britischen Union-Castle-Linie nach Afrika reiste, hatte einen strafferen Tagesplan: 6 Uhr Tee und Kaffee in den Kabinen - 8 Uhr Signal zum Ankleiden - 8 Uhr Frühstück für die Kinder - 8.30 Uhr Frühstück- 12.30 Uhr Mittagessen für Kinder - 13 Uhr Gabelfrühstück - 16 Uhr Nachmittagstee - 17.30 Uhr Abendessen für Kinder - 18 Uhr Signal zum Umkleiden (Abendgarderobe) - ab 18.30 Uhr Abendessen im Salon. Die Bar schließt um 23 Uhr. Das hat ein bisschen was von einem Ferienlager …

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Essen wie im Nobelrestaurant

Was wurde damals an Bord gegessen? Einen Einblick geben alte Speisekarten. Hier eine deutsche Frühstückskarte von 1909: Kaffee, Tee, Apfelsinen, Milchreis, Hafergrütze, Lachsbälle, englisches Beefsteak, Hammelkotelett, Rostocker Steaks, Yorkshire-Schinken und Speck, Rührei mit Schinken, Omelette, Spiegeleier, gekochte Eier, verlorene Eier auf Toast, Bratkartoffeln, gekochte Kartoffeln, Leberwurst, Schweizer Käse, Marmelade. Man sieht, dass man sich auf ein internationales Publikum eingestellt hatte.

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Auch Mittag- und Abendessen entsprachen dem Niveau gehobener Restaurants, fünf bis sechs Gänge waren obligatorisch. 1905 führte die Hapag dann auf ihrem Luxusdampfer Amerika ein so genanntes Ritz-Carlton-Restaurant ein, in dem à la carte bestellt werden konnte. Gegen Aufpreis, versteht sich.

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Jahrzehntelang gab es jedoch auf Kreuzfahrten Passagiere erster und zweiter Klasse und noch eine dritte, die Touristenklasse. Jede hatte eigene Speisesäle und Salons; die “unteren Klassen” durften auch nicht ins  Restaurant. Erst in den 1970ern Jahren endete diese Klassengesellschaft auf den Schiffen; seitdem gibt es nur noch gestaffelte Kabinenpreise.

HAPAG-Nordlandfahrt: Landausflug Spitzbergen

HAPAG-Nordlandfahrt: Landausflug Spitzbergen

Literatur:

Arnold Kludas/Karl-Theo Beer: Die glanzvolle Ära der Luxusschiffe. Reisekultur auf den Weltmeeren, Hamburg 2005

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