Mövenpick-Klassiker: Riz Casimir
Posted by Petra Foede on 11 Jan 2010 | Tagged as: Rezepte
Bei uns ist Riz Casimir kaum bekannt, aber in der Schweiz ist es ein Klassiker: geschnetzeltes Kalbfleisch in Currysauce mit exotischen Früchten und Reis. In Indien kennt man dieses Gericht allerdings auch nicht. Als Erfinder gilt Mövenpick-Gründer Ueli Prager, der Riz Casimir zum ersten Mal 1952 auf die Speisekarte seiner Restaurantkette setzte.
Aus heutiger Sicht erscheint das Gericht nicht besonders spektakulär, aber in den Fünfziger Jahren bedeutete es den Gipfel an Exotik. Riz Casimir wurde schnell eines der erfolgreichsten Gerichte bei Mövenpick; noch im Jahr 2002 wurde es von 80.000 Gästen geordert. Womit auch klar ist, dass Toast Hawaii kein peinlicher Ausrutscher deutscher Kulinarik und Beweis für unseren schlechten Geschmack ist - das Bedürfnis nach neuen Geschmacksnoten und exotischen Zutaten erfasste in der Nachkriegszeit gleich mehrere Länder.
Aus Kaschmir wurde Casimir
Prager war jedenfalls mit Riz Casimir ein großer Coup gelungen, schon 1960 erschien ein Rezept dafür im bekannten Fülscher-Kochbuch. Der Name des Gerichts ist bis heute ein Rätsel, seine Familie vermutet aber, dass er an die Region Kaschmir in Nordindien gedacht hat. Der entscheidende Hinweis dürfte aber sein, dass Prager vor 1948 einige Zeit in London gearbeitet hat. Dort gab es damals schon etliche indische Restaurants, und auf deren Speisekarte stehen unter anderem Kashmir dishes.
Hier die Beschreibung auf den Currypages: Kaschmir, das indische Pendant zu chinesischen Süß-Sauer-Gerichten mit Zwiebeln, Gewürzen und süßen Früchten. Kashmir-Curry ist mild und wird zubereitet mit Huhn, Lamm oder Garnelen, gekocht in Koskosmilch mit verschiedenen Früchten, meistens Lichees, Bananen und Ananas.
Voilà, das ist das Original! Prager hat das Gericht also eigentlich nicht erfunden, sondern aus London importiert und leicht verändert. Vor mit hat den englischen Ursprung des Gerichts offenbar noch niemand entdeckt (ja, Eigenlob stinkt, aber wenn es doch sonst niemand merkt
…) Kalbfleisch ist für indische Hindus natürlich tabu (Stichwort Heilige Kuh), das ist echt helvetisch. Der Zusatz Kashmir in den Londoner Curryhouses bedeutet auch keineswegs, dass das real existierende Gerichte aus Kaschmir sind.
Rezept
Das Fülscher-Rezept habe ich nicht, die Rezepte von Betty Bossi und Mövenpick sind nicht identisch und beide erkennbar an den heutigen Geschmack angepasst. In den 50er Jahren gab es Ananas selten frisch zu kaufen, die kamen natürlich aus der Dose. Lamicacucina hat darauf hingewiesen, dass frische Ananas eine Sahnesauce gerinnen lässt. Ich habe also versucht, das mutmaßliche Original von damals zu rekonstruieren, wobei ich beim Nachkochen das Kalbfleisch durch Pute ersetzt habe.
Zutaten für 4 Personen: 400 g geschnetzeltes Kalbfleisch, 250 g Reis, 2 kleine Bananen, 250 g Dosenananas, 100 Herzkirschen aus der Dose, Butter, Currypulver, Mehl, 200 ml Sahne (Rahm), evtl. 200 ml Fleischbrühe, Salz, Pfeffer. - Zubereitung: Reis kochen. Gut 10 Minuten bevor der Reis gar ist das Geschnetzelte kurz in Butter anbraten, herausnehmen, würzen und warm stellen. Bananen in Scheiben und Ananas in Stücke schneiden; das Obst in Butter kurz andünsten, heraunehmen und warm stellen. Für die Currysauce 1 EL Butter erhitzen, 2 EL Mehl und 1 EL Currypulver unter Rühren anschwitzen. Dann 200 ml Sahne und 200 ml Wasser oder Fleischbrühe zugeben, unter Rühren aufkochen, Hitze reduzieren, mit Salz und Pfeffer würzen und 5 Minuten köcheln lassen. Dann Fleisch und einen Teil der Früchte in die Sauce geben und kurz mitköcheln. Mit Reis anrichten (klassisch im Reisrand) und mit den übrigen Früchten dekorieren.
Quellen:
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6 Comments »





Der Zusammenhang Kaschmir Casimir wurde in diesem Artikel der saisonküche bereits gestreift:
http://www.saison.ch/de/rezepte/schweizer-klassiker/riz-casimir/
@lamiacucina: Da hast du völlig recht. Dieser Text ist meine wichtigste Quelle, das ist der Artikel von Stephanie Riedi, den ich ja auch angegeben habe und der auf dieser Internetseite offensichtlich auch steht (warum die Autorenangabe auf dieser Seite fehlt, weiß ich nicht). Meine Bemerkung, dass das noch niemand herausgefunden hat, bezieht sich nur auf den Zusammenhang “Kashmir dishes” in London und Riz Casimir. Riedi und die Prager-Familie halten reale Gerichte in Kaschmir für Pragers Inspirationsquelle. Das halte ich für unwahrscheinlich. Hinweise darauf, dass Reis mit Bananen dort eine “Nationalspeise” ist, habe ich in seriöser Literatur auch nicht gefunden. Also um es noch mal auf den Punkt zu bringen: Meine “Entdeckung” ist, dass Riz Casimir im Ursprung ein “indisches” Gericht aus London ist, nur nicht mit Kalbfleisch und natürlich nicht mit Sahne. Kashmir ist in London ein Synonym für ein mildes Currygericht mit Früchten. Ohne den Hinweis auf London in diesem Artikel wäre ich darauf aber sicher nicht gekommen. Ich habe das im Blog jetzt noch mal etwas präzisiert. Mit fremden Federn schmücken will ich mich nicht.
Ich glaub, das steht heute noch auf den Speisekarten der Mövenpick-Restaurants, oder?
Ja. Man wollte es irgendwann mal von der Karte nehmen, aber dieser Versuch scheiterte am Widerstand der Gäste
Heute serviert man es bei Mövenpick aber offenbar mit Peperoni, was sicher nicht die Originalversion ist.
“Kashmir ist in London ein Synonym für ein mildes Currygericht mit Früchten.” Bist du dir da ganz sicher?
Ich habe mich mal bei meinem indischen Freund und Restaurantbesitzer erkundigt: die Küche in Kaschmir entspricht fast der nordindischen Mogulenküche. Auch in London kenne ich Restaurants mit Kashmiri Food, die in erster Linie nordindische Curries und Tandoori Spezialitäten, mit Joghurt statt Kokosmilch, vielen Hülsenfrüchten (Daals) und Brotsorten anbieten. Früchte kommen da kaum vor, maximal als Rosinen.
Aber wie immer gilt bei derartigen “exotischen” Gerichten: 80.000 Gäste pro Jahr können nicht irren
Ich persönlich kann es nicht beurteilen, ich war noch nicht in Kaschmir und habe noch kein “Kashmir dish” in London gegessen. Aus gutem Grund gebe ich ja meine Quellen an und verlinke sie auch. Du kannst die Definition auf Englisch auf den verlinkten Currypages nachsehen, das ist ein Portal englischer Curryhouses. Wenn du “Kashmir dishes” bei google eingibst, wirst du die Speisekarten diverser Curryhäuser finden mit dieser Bezeichnung und der Erklärung “Curry with fruits …”. - Aber wie ich ja auch im Artikel geschrieben habe: Man darf eine Bezeichnung indischer Restaurants in London oder auch anderswo nicht mit der realen Küche in Kaschmir verwechseln. Das sind zwei Paar Schuhe. Tatsächlich gehe ich ausdrücklich NICHT davon aus, dass ein ähnliches Currygericht mit Früchten in Kaschmir gegessen wird. Die Aussage deines Freundes ist sicher richtig, etwas Ähnliches habe ich auch in seriöser Literatur gefunden. Es gibt wohl ein paar Gerichte mit Trockenfrüchten, also auch Aprikosen, die aus der persischen Küche übernommen wurden. Es gibt auch einen Reis, der “Kashmiri Pulao” heißt und in London wohl oft mit Früchten zubereitet wird, da kommen im Original aber auch nur Rosinen und evtl. andere Trockenfrüchte rein. Ich halte das Vorbild für Riz Casimir für ein in Großbritannien entstandenes pseudo-indisches Gericht, um es mal so zu sagen. Vage indisch inspiriert. Es gibt aber sicher auch in London Restaurants mit echter indischer Küche, also auch echtem “Kashmiri Food”, da gibt es dann wohl auch keine “Kashmir Dishes”. - Toast Hawaii wird auf Hawaii auch nicht gegessen