Bei uns ist Riz Casimir kaum bekannt, aber in der Schweiz ist es ein Klassiker: geschnetzeltes Kalbfleisch in Currysauce mit exotischen Früchten und Reis. In Indien kennt man dieses Gericht allerdings auch nicht. Als Erfinder gilt Mövenpick-Gründer Ueli Prager, der Riz Casimir zum ersten Mal 1952 auf die Speisekarte seiner Restaurantkette setzte.

Foto: Petra Foede

Foto: Petra Foede

Aus heutiger Sicht erscheint das Gericht nicht besonders spektakulär, aber in den Fünfziger Jahren bedeutete es den Gipfel an Exotik. Riz Casimir wurde schnell eines der erfolgreichsten Gerichte bei Mövenpick; noch im Jahr 2002 wurde es von 80.000 Gästen geordert. Womit auch klar ist, dass Toast Hawaii kein peinlicher Ausrutscher deutscher Kulinarik und Beweis für unseren schlechten Geschmack ist - das Bedürfnis nach neuen Geschmacksnoten und exotischen Zutaten erfasste in der Nachkriegszeit gleich mehrere Länder.

Aus Kaschmir wurde Casimir

Prager war jedenfalls mit Riz Casimir ein großer Coup gelungen, schon 1960 erschien ein Rezept dafür im bekannten Fülscher-Kochbuch. Der Name des Gerichts ist bis heute ein Rätsel, seine Familie vermutet aber, dass er an die Region Kaschmir in Nordindien gedacht hat. Der entscheidende Hinweis dürfte aber sein, dass Prager vor 1948 einige Zeit in London gearbeitet hat. Dort gab es damals schon etliche indische Restaurants, und auf deren Speisekarte stehen unter anderem Kashmir dishes.

Hier die Beschreibung auf den Currypages: Kaschmir, das indische Pendant zu chinesischen Süß-Sauer-Gerichten mit Zwiebeln, Gewürzen und süßen Früchten. Kashmir-Curry ist mild und wird zubereitet mit Huhn, Lamm oder Garnelen, gekocht in Koskosmilch mit verschiedenen Früchten, meistens Lichees, Bananen und Ananas.

Voilà, das ist das Original! Prager hat das Gericht also eigentlich nicht erfunden, sondern aus London importiert und leicht verändert. Vor mit hat den englischen Ursprung des Gerichts offenbar noch niemand entdeckt (ja, Eigenlob stinkt, aber wenn es doch sonst niemand merkt ;) …) Kalbfleisch ist für indische Hindus natürlich tabu (Stichwort Heilige Kuh), das ist echt helvetisch. Der Zusatz Kashmir in den Londoner Curryhouses bedeutet auch keineswegs, dass das real existierende Gerichte aus Kaschmir sind.

Rezept

Das Fülscher-Rezept habe ich nicht, die Rezepte von Betty Bossi und Mövenpick sind nicht identisch und beide erkennbar an den heutigen Geschmack angepasst. In den 50er Jahren gab es Ananas selten frisch zu kaufen, die kamen natürlich aus der Dose. Lamicacucina hat darauf hingewiesen, dass frische Ananas eine Sahnesauce gerinnen lässt. Ich habe also versucht, das mutmaßliche Original von damals zu rekonstruieren, wobei ich beim Nachkochen das Kalbfleisch durch Pute ersetzt habe.

Foto: Petra Foede

Foto: Petra Foede

Zutaten für 4 Personen: 400 g geschnetzeltes Kalbfleisch, 250 g Reis, 2 kleine Bananen, 250 g Dosenananas, 100 Herzkirschen aus der Dose, Butter, Currypulver, Mehl, 200 ml Sahne (Rahm), evtl. 200 ml Fleischbrühe, Salz, Pfeffer. - Zubereitung: Reis kochen. Gut 10 Minuten bevor der Reis gar ist das Geschnetzelte kurz in Butter anbraten, herausnehmen, würzen und warm stellen. Bananen in Scheiben und Ananas in Stücke schneiden; das Obst in Butter kurz andünsten, heraunehmen und warm stellen. Für die Currysauce 1 EL Butter erhitzen, 2 EL Mehl und 1 EL Currypulver unter Rühren anschwitzen. Dann 200 ml Sahne und 200 ml Wasser oder Fleischbrühe zugeben, unter Rühren aufkochen, Hitze reduzieren, mit Salz und Pfeffer würzen und 5 Minuten köcheln lassen. Dann Fleisch und einen Teil der Früchte in die Sauce geben und kurz mitköcheln. Mit Reis anrichten (klassisch im Reisrand) und mit den übrigen Früchten dekorieren.

Quellen:

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