Mein Blog-Titel ist ja leicht ironisch gemeint und nicht so ernst zu nehmen, nichtsdestotrotz halte ich den Kaffeeklatsch für eine liebenswerte Errungenschaft deutscher Kultur, von der auch die Herren der Schöpfung  profitieren - man denke nur an all die leckeren Kuchen und Torten, von denen einige ohne diesen Anlass vielleicht nie erfunden worden wären. Die Journalistin Katja Mutschelknaus holt dieses angeblich rein weibliche Phänomen in ihrem Buch Kaffeeklatsch. Die Stunde der Frauen endlich einmal aus der Mottenkiste hervor.

cover-kaffeeklatschEs soll ja Männer geben, denen Kaffee trinkende Frauen noch immer suspekt sind, sofern sie es in Gruppen tun. Schon vor Jahrhunderten fürchteten sie, das dunkle Getränk löse die Zunge der Holden übermäßig und bringe sie auf dumme Gedanken - will heißen auf eigene Ideen, die womöglich den Hausfrieden stören. Diese kollektiven Ängste und Klischees wurden mitunter satirisch-humorvoll verarbeitet, meistens aber in Form von Moralpredigten publiziert. Müßiggang, Völlerei und Tratsch wurden den Kaffeekränzchen-Damen vorgeworfen. Wobei sich an diesem Negativbild bis heute wenig geändert hat, man denke nur an den Schlager Aber bitte mit Sahne von Udo Jürgens. Und der Kulturhistoriker Günther Schidlausky urteilte 1961: „wo der Hauptzweck das Verspeisen von süßer Backware ist, kann ein vornehmlich von stimulierenden Getränken gefördertes geistiges Gespräch nur schwer gedeihen”.

Katja Mutschelknaus sieht den Kaffeeklatsch dagegen als „Königsdisziplin weiblicher Gastlichkeit”, entstanden als Ersatz für den Besuch der Kaffeehäuser, die früher Männern vorbehalten waren. Ihre Theorie, dass diese Frauenrunden emanzipatorische Wirkung hatten, ist allerdings gewagt. Die Einführung des Frauenwahlrechts oder etwa der Frauenhose ist sicher nicht in Kränzchen vorbereitet worden. Der Kaffeeklatsch diente vor allem als Ventil, denn hier konnten die Frauen einmal männlicher (und auch weiblicher) Aufsicht entrinnen und sich so manches von der Seele reden. Die intellektuellen „Blaustümpfe” trafen sich dagegen eher in Literaturzirkeln.

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Die Wirkung der Kaffeekränzchen auf unsere Alltagskultur sollte aber nicht unterschätzt werden, man denke nur an die Einführung des Kaffeeservice, der Sammeltassen, der Vitrine in der guten Stube … und nicht zuletzt den Aufschwung der häuslichen Bäckerei.

Da es vorher kein Buch zur Kulturgeschichte des Kaffeeklatschs gab, hat Katja Mutschelknaus hier Pionierarbeit geleistet. Sie kreist das Thema quasi ein, mit Kapiteln zum Kaffeehaus, zum Mobiliar, zum Klatsch und schließlich zu Kuchen und Schlagsahne. Dank der zahlreichen Illustrationen ist es fast ein Bildband, eben ein richtiges Coffeetable-Book, wie die Engländer sagen.

Katja Mutschelknaus: Kaffeeklatsch. Die Stunde der Frauen, 2. Auflage München 2008, Elisabeth Sandmann Verlag. 144 Seiten (19,95 €)

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