Frankfurter Bethmännchen

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Es liegt an der Jahreszeit, jetzt wird auch in diesem Blog gebacken. Ginge es nur nach meinen Vorlieben, dann hätte ich mich wohl für Vanillekipferl oder schlichte Butterplätzchen entschieden, aber als pflichtbewusste Historikerin kam ich nun mal nicht daran vorbei, ein Gebäck mit einer Geschichte auszuwählen. Deshalb habe ich mich an den Bethmännchen versucht, neben den Brenten das typische Frankfurter Weihnachtsgebäck.

Foto: Petra Foede

Foto: Petra Foede

Erfunden für einen Bankier

Die Bethmännchen haben nichts mit betenden Männchen zu tun, wie man vielleicht denken könnte. Die kleinen Kugeln aus Marzipanteig sollen 1838 im Haushalt des Bankiers und Stadtrats Simon Moritz von Bethmann entstanden sein, als Kreation seines französischen Küchenchefs Jean Jacques Gautenier. Der Teig ist ganz ähnlich wie für die älteren Frankfurter Brenten, die früher „Teebrot” genannt wurden, aber für die Kugeln braucht man praktischerweise kein Model. Weil der Bankier vier Söhne hatte, sollen die Bethmännchen damals mit vier Mandelhälften verziert worden sein. Seit dem Tod eines Sohnes 1845 wurden dann nur noch drei Mandeln genommen.

Diese Geschichte erzählt man jedenfalls in Frankfurt am Main, und vielleicht war es so, wobei ich keine Ahnung habe, wieso sich diese Erfindung exakt auf 1838 datieren lässt. Hat es am Ende noch damit zu tun, dass in diesem Jahr ein erster Antrag scheiterte, dem 1826 verstorbenen Bankier ein Denkmal errichten zu lassen? Griff man da in der Küche kurzerhand zum Marzipan …? Das wäre doch eine hübsche Anekdote. Auf dem Frankfurter Fürstentag 1863 soll sein Sohn Moritz das Konfekt jedenfalls gekrönten Häuptern wie Kaiser Franz Joseph von Österreich offeriert haben, bei denen es angeblich viel Beifall fand. Ein Rezept Gauteniers ist nicht erhalten.

Meine Bethmännchen sind nicht perfekt geworden, sie sind nicht ganz rund und etwas dunkel, weil ich sie komplett mit Eigelb eingepinselt habe.

Rezept:

Zutaten für 24 Stück: 300 g Marzipan-Rohmasse, 100 g Puderzucker, 1 Ei, 50 g Mehl, 70 g fein gemahlene Mandeln, eine Handvoll ganze geschälte Mandeln. – Zubereitung: Die Marzipanmasse mit Puderzucker, Mehl, gemahlenen Mandeln und dem Eiweiß gut verkneten. Aus dieser leicht klebrigen Masse Kugeln von etwa 3 Zentimeter Durchmesser formen. Die Mandeln werden halbiert, in jede Kugel werden drei Hälften hineingedrückt (senkrecht). Dann das Eigelb mit einem EL Wasser verquirlen und die Bethmännchen damit bestreichen. Auf ein gefettetes Backblech setzen und bei niedriger Temperatur 15 Minuten backen (E-Herd 150 Grad). Nach dem Abkühlen in einer Blechdose aufbewahren.

Aus: Barbara Bartos-Höppner/Burghard Bartos, Von Aachener Printen bis Zürcher Leckerli, Wien 1989

About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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4 Responses to Frankfurter Bethmännchen

  1. Monika says:

    Perfekt oder nicht, sie sehen lecker aus, die Bethmännchen und gebräunt schmeck Marzipan am besten! Zu braun ists erst ab tiefdunkel-fastschwarz-braun.

    Die Geschichte ist interessant, ich liebe Essen mit interessanter Geschichte! :)

    Liebe Adventsgrüße,
    Monika

  2. Petra Foede says:

    was die Farbe angeht hast du wohl recht, etwas bräunlich dürfen sie ruhig sein. Schmecken tun sie auf jeden Fall :)

  3. Wenn man das Backen mit so netten Geschichten verbinden kann – dann täte ich es am Ende auch! ;)

  4. Shermin says:

    Ohja gebackenes Marzipan ist doch am leckersten. Auf meiner To-Do-List stehen die Teilchen auch noch. Allerdings wandert da noch zusätzlich Orangenschale und Sherry in die Masse. Danke für die Geschichte. ;-) *mjam*