Genau vor einer Woche lief in der ARD der Film „Es liegt mir auf der Zunge” über das Leben des Fernsehkochs Clemens Wilmenrod. Neben dem legendären Toast Hawaii kamen darin noch andere mehr oder weniger originelle „Kompositionen” vor, zum Beispiel das Arabische Reiterfleisch, eine Spezialität aus dem Libanon (O-Ton Wilmenrod). Es wird oft behauptet, dass es sich dabei im Grunde um eine Frikadelle handelt, aber das stimmt gar nicht – es ist eine Hackfleischpfanne.
Weil das Essen fast noch warm war, als Shermin den Blog-Event A Tribute to Don Clemente gestartet hat, ist das auch mein Beitrag dazu.
Die Geschichte des Gerichts
Das Rezept für das Arabische Reiterfleisch steht in Wilmenrods drittem Buch Wie in Abrahams Schoß, in dem er kulinarische Reiseerinnerungen zum Besten gibt. Natürlich hat dieses Gericht eine Geschichte: „An der Mündung des Hundeflusses rasteten die Karawanen. Hier stehen die Pferde, es liegen die Kamele herum, die Feuer lohen, in den Pfannen brutzelt es. Ich hatte das Glück, zu einem Imbiß eingeladen zu werden, dessen Rezept ich im Fernsehen brachte und das einer der größten Schlager wurde … Alle Zutaten werden als wohlverpackte, moderne Konserven mitgeführt.” Sieh mal an, die Araber der Fünfziger Jahre – bepacken die Satteltaschen ihrer Kamele nicht etwa mit Datteln, Feigen und Fladenbrot, sondern mit Ketchup, Gewürzgurken und Meerettich (kommt alles im Rezept vor).
Wilmenrod war 1957 tatsächlich im Libanon, aber am Hundefluss gerastet hat er wohl nicht. Die Wahrheit über dieses Gericht hat ein Spiegel-Redakteur zwei Jahre später genüsslich enthüllt. Nach ersten kritischen Presseberichten hatte sich der Fernsehkoch eine kleine Auszeit genommen und war durch den Nahen Osten gereist. Nach einem Besuch in Kabul erkrankte er an Amöbenruhr und wurde in ein Krankenhaus in Beirut eingeliefert, wo er einen deutschen Manager und dessen Frau traf. Die beiden luden ihn zum Essen ein und es gab – Hackfleisch aus der Pfanne. Wilmenrod erfand dafür einen wohlklingenden Namen, wandelte die Zutaten etwas ab und ging damit auf Sendung.
Rezept:
Zutaten für 2 Personen: 250 g Hackfleisch vom Rind, 1 Ei, 1 kleine Zwiebel, 1 Gewürzgurke, Salz, Pfeffer, Paprikapulver, Ketchup, Joghurt, Öl, Meerettich, Tomaten, Silberzwiebeln, ein paar Blätter Kopfsalat. – Zubereitung: Hackfleisch in eine Schüssel geben, in die Mitte eine Vertiefung machen und da hinein das rohe Ei geben. Nach Geschmack würzen mit Salz, Pfeffer, Paprika, einer Prise Zucker, Ketchup, Meerettich und Joghurt. Dann werden die Zwiebel und die Gewürzgurke klein geschnitten und zugefügt. Alles gut vermischen und in der Pfanne in heißem Öl unter ständigem Rühren anbraten. Das fertige Hackfleisch auf Salatblättern anrichten und mit Tomaten und Silberzwiebeln dekorieren. Als Hauptgericht empfiehlt Wilmenrod dazu Salzkartoffeln und grüne Bohnen.
Der Geschmackstest: Geschmacklich ist das Ganze okay, schmeckt halt im Grunde wie Frikadelle. Allerdings etwas trocken, weil Ketchup und Joghurt aus unerfindlichen Gründen ja in die Hackfleischmasse kommen, nicht als Sauce dazu. Ich habe den Meerettich weggelassen, weil ich ihn nicht mag. Diversen Internetseiten entnehme ich aber, dass er auf keinen Fall vor dem Braten zugegeben werden sollte, weil das Hackfleisch sonst bitter wird. Offenbar hat der Maestro seine Gerichte wirklich am Schreibtisch „komponiert” und vor der Sendung nicht selbst Probe gegessen. Und Ehefrau Erika stand spätestens seit der Trennung ja nicht mehr als Vorkosterin zur Verfügung …
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Der Film war einfach köstlich, vor allem JJL als Wilmenrod. Toast Hawaii finde ich einfach toll, das habe ich auch schon gemacht. Nur echt mit färbender Kirsche! Dein arabisches Reiterfleisch sieht jedenfalls so aus, als könnte ich das mögen
*schüttel* Danke liebe Petra, dass Du Dich geopfert hast. Nur – eine gute Frikadelle wäre mir auch lieber!
Aber die Fabulierkraft von Hr. Wilmenrod steht mal wieder außer Frage!
@Ulrike und AT: So unterschiedlich sind die Geschmäcker
Mir ist eine echte Frikadelle ehrlich gesagt auch lieber, die drapiere ich dann auch nicht auf einem Salatblatt
Aber in den 1950er Jahren war dieses Gericht angeblich der Knüller.
Dollstens! Interessante Geschichtsstunde mal wieder, danke.
Hallo Petra,
mit dezenter Verspätung ist das Roundup zum Blogevent “A Tribute to Don Clemente” endlich online. Viel Vergnügen beim Lesen!