Es soll Leute geben, die ihre Fluglinie danach auswählen, was es an Bord zu essen gibt. Bei Langstreckenflügen kann ich das durchaus verstehen. Ganz oben in der Gunst internationaler Vielflieger stehen laut airlinemeals.net die Singapore Airlines, aber auch Lufthansa oder United Airlines schneiden gut ab. In der Frühzeit des Passagierflugs mit Linienmaschinen taten die Reisenden dagegen noch gut daran, vorher ordentlich zu frühstücken oder sich ein paar belegte Brote einzustecken. Warme Mahlzeiten wurden erst in den 1930er Jahren allmählich zum Standard. (Tipp: Fotos zum Vergrößern einfach anklicken)

Erster Linienflug der Lufthansa 1926. Foto: Archiv Reinhard Knoblich

Erster Linienflug der Lufthansa 1926. Foto: Archiv Reinhard Knoblich

Luxus im Zeppelin

Kulinarisch verwöhnt wurden die Passagiere, die sich einen Flug im Zeppelin leisten konnten. Anfangs gab es zwar auch nur kalte Küche und Getränke, aber seit 1912 wurden von Pächtern noble Restaurants an Bord der Flugschiffe betrieben. Zubereitet wurden die Menüs frisch in einer kleinen Bordküche, im Speisesaal bedienten Kellner, ganz wie am Boden. Die Hindenburg, die 1937 bei einer Landung verunglückte, verfügte über einen Speisesaal mit 34 Plätzen an zehn Tischen; gegessen wurde in zwei Schichten, so wie wir das von manchen Urlaubshotels kennen. Eingedeckt wurde mit Porzellangeschirr und Silberbesteck.

Die Menüs entsprachen dem Angebot feiner deutscher Restaurants dieser Zeit. Am 17. August 1936 gab es mittags eine „Kraftbrühe Theodor”, Mastente nach bayrischer Art mit Champagnerkraut, Kartoffeln und Madeirasauce, danach Birnenkompott und Mokka. Zum Abendessen lautete die Menüfolge: Crèmesuppe Hamilton, Gegrillte Scholle, Kalbskotelett mit Kartoffeln und Pilzen und gemischte Käseplatte. Dazu wurde Rhein- und Moselwein gereicht, auf Wunsch auch Champagner. Natürlich gab es auch eine Cocktailbar. Es muss ein bisschen so gewesen sein wie in einem fliegenden Hotel.

Speisesaal und Bordküche eines Zeppelin. Fotos: Archiv Reinhard Knoblich

Speisesaal und Bordküche eines Zeppelin. Fotos: Archiv Reinhard Knoblich

Die Anfänge des Bordservice

Die Ära der Linienflüge begann in den 1920er Jahren, als Postflieger dazu übergingen, auch Passagiere mitzunehmen, weil das zusätzliche Einnahmen brachte. Die Lufthansa entstand 1926 aus drei kleinen Konkurrenzunternehmen. Geflogen wurde mit kleinen Junkers-Maschinen, die immerhin schon beheizbar waren. Mehr als ein Dutzend Personen passten da noch nicht rein. Und wenn sie unterwegs etwas essen wollten, dann mussten sie sich selbst verpflegen. Die Paris-London Airway war 1925 die erste Fluggesellschaft gewesen, die einen „Kellner” an Bord hatte und Mahlzeiten servierte. Drei Jahre später zog die Lufthansa nach: Im neuen „Großflugzeug” auf der Strecke Berlin- Paris gab es ein Speiseabteil, das aussah wie in einem Zug: Die Passagiere saßen an kleinen eingedeckten Tischen mit Blumenvasen. Für den neuen Bordservice war Arthur Hove zuständig, ein ehemaliger Kellner der Mitropa, die die Speisewagen der deutschen Eisenbahn betrieb.

Der "fliegende Speisewagen" der Lufthansa. Foto: Lufthansa

Der "fliegende Speisewagen" der Lufthansa. Foto: Lufthansa

Der erste Lufthansa-Steward

Das erste Menü der Lufthansa bestand aus Lachs mit Remouladensauce, Kalbskeule, Schinken, kaltem Huhn, Salat, Obsttörtchen und Käse. Es wurde anfangs aber nur sonntags angeboten. In der Woche gab es Fresskörbe mit belegten Brötchen, Huhn in Aspik, Roastbeef, Obst, Schokolade, Zwieback und diversen Getränken. Hove hatte auch so seine Probleme: Brot und Gebäck waren noch nicht verschweißt und rochen unangenehm nach Benzin. Bei jedem Flug nahm er 50 Thermoskannen mit Kaffee an Bord, von denen regelmäßig einige platzten, weil sie den Druckunterschieden nicht stand hielten. Die ersten Stewardessen traten bei der Lufthansa erst 1938 ihren Dienst an und wurden von den Piloten zunächst nur widerwillig akzeptiert.

Steward Arthur Hove. Foto: Lufthansa

Steward Arthur Hove. Foto: Lufthansa

Mitte der Dreißiger Jahre begannen die Fluglinien damit, komplette warme Mahlzeiten von Flughaften-Restaurants einzukaufen, die in Isolierbehältern warm gehalten wurden. Die Passagiere aßen von Tellern, die sie auf den Knien hielten. Am häufigsten wurde Huhn serviert, was den American Airlines sogar den Spitznamen „Fried chicken airline” einbrachte. 1945 entwickelten Techniker einen speziellen Heißluftofen für die Pan American Airlines, in dem vorgekochte und eingefrorene Kost an Bord aufgetaut und gewärmt werden konnte. In diese Zeit fällt auch die Erfindung des Drei-Gang-Menü-Tabletts mit genormten Vertiefungen, das zumindest für mich das Symbol für Flugzeug-Mahlzeiten schlechthin ist: Hauptspeise in der Mitte, oben rechts Vorspeise, oben links Dessert, rechts das Getränk … Als die Lufthansa 1958 die „Senatorenklasse” (Businessclass) einführte, kamen für sie dann auch Köche an Bord, und die Zeit des Einheitsessens für alle war vorbei.

Passagiere der Pan American Airlines 1930/31. Fotos: Sunbird Photos by Don Boyd

Passagiere der Pan American Airlines 1930/31. Fotos: Sunbird Photos by Don Boyd

Quellen: