Es soll Leute geben, die ihre Fluglinie danach auswählen, was es an Bord zu essen gibt. Bei Langstreckenflügen kann ich das durchaus verstehen. Ganz oben in der Gunst internationaler Vielflieger stehen laut airlinemeals.net die Singapore Airlines, aber auch Lufthansa oder United Airlines schneiden gut ab. In der Frühzeit des Passagierflugs mit Linienmaschinen taten die Reisenden dagegen noch gut daran, vorher ordentlich zu frühstücken oder sich ein paar belegte Brote einzustecken. Warme Mahlzeiten wurden erst in den 1930er Jahren allmählich zum Standard. (Tipp: Fotos zum Vergrößern einfach anklicken)
Luxus im Zeppelin
Kulinarisch verwöhnt wurden die Passagiere, die sich einen Flug im Zeppelin leisten konnten. Anfangs gab es zwar auch nur kalte Küche und Getränke, aber seit 1912 wurden von Pächtern noble Restaurants an Bord der Flugschiffe betrieben. Zubereitet wurden die Menüs frisch in einer kleinen Bordküche, im Speisesaal bedienten Kellner, ganz wie am Boden. Die Hindenburg, die 1937 bei einer Landung verunglückte, verfügte über einen Speisesaal mit 34 Plätzen an zehn Tischen; gegessen wurde in zwei Schichten, so wie wir das von manchen Urlaubshotels kennen. Eingedeckt wurde mit Porzellangeschirr und Silberbesteck.
Die Menüs entsprachen dem Angebot feiner deutscher Restaurants dieser Zeit. Am 17. August 1936 gab es mittags eine „Kraftbrühe Theodor”, Mastente nach bayrischer Art mit Champagnerkraut, Kartoffeln und Madeirasauce, danach Birnenkompott und Mokka. Zum Abendessen lautete die Menüfolge: Crèmesuppe Hamilton, Gegrillte Scholle, Kalbskotelett mit Kartoffeln und Pilzen und gemischte Käseplatte. Dazu wurde Rhein- und Moselwein gereicht, auf Wunsch auch Champagner. Natürlich gab es auch eine Cocktailbar. Es muss ein bisschen so gewesen sein wie in einem fliegenden Hotel.
Die Anfänge des Bordservice
Die Ära der Linienflüge begann in den 1920er Jahren, als Postflieger dazu übergingen, auch Passagiere mitzunehmen, weil das zusätzliche Einnahmen brachte. Die Lufthansa entstand 1926 aus drei kleinen Konkurrenzunternehmen. Geflogen wurde mit kleinen Junkers-Maschinen, die immerhin schon beheizbar waren. Mehr als ein Dutzend Personen passten da noch nicht rein. Und wenn sie unterwegs etwas essen wollten, dann mussten sie sich selbst verpflegen. Die Paris-London Airway war 1925 die erste Fluggesellschaft gewesen, die einen „Kellner” an Bord hatte und Mahlzeiten servierte. Drei Jahre später zog die Lufthansa nach: Im neuen „Großflugzeug” auf der Strecke Berlin- Paris gab es ein Speiseabteil, das aussah wie in einem Zug: Die Passagiere saßen an kleinen eingedeckten Tischen mit Blumenvasen. Für den neuen Bordservice war Arthur Hove zuständig, ein ehemaliger Kellner der Mitropa, die die Speisewagen der deutschen Eisenbahn betrieb.
Der erste Lufthansa-Steward
Das erste Menü der Lufthansa bestand aus Lachs mit Remouladensauce, Kalbskeule, Schinken, kaltem Huhn, Salat, Obsttörtchen und Käse. Es wurde anfangs aber nur sonntags angeboten. In der Woche gab es Fresskörbe mit belegten Brötchen, Huhn in Aspik, Roastbeef, Obst, Schokolade, Zwieback und diversen Getränken. Hove hatte auch so seine Probleme: Brot und Gebäck waren noch nicht verschweißt und rochen unangenehm nach Benzin. Bei jedem Flug nahm er 50 Thermoskannen mit Kaffee an Bord, von denen regelmäßig einige platzten, weil sie den Druckunterschieden nicht stand hielten. Die ersten Stewardessen traten bei der Lufthansa erst 1938 ihren Dienst an und wurden von den Piloten zunächst nur widerwillig akzeptiert.
Mitte der Dreißiger Jahre begannen die Fluglinien damit, komplette warme Mahlzeiten von Flughaften-Restaurants einzukaufen, die in Isolierbehältern warm gehalten wurden. Die Passagiere aßen von Tellern, die sie auf den Knien hielten. Am häufigsten wurde Huhn serviert, was den American Airlines sogar den Spitznamen „Fried chicken airline” einbrachte. 1945 entwickelten Techniker einen speziellen Heißluftofen für die Pan American Airlines, in dem vorgekochte und eingefrorene Kost an Bord aufgetaut und gewärmt werden konnte. In diese Zeit fällt auch die Erfindung des Drei-Gang-Menü-Tabletts mit genormten Vertiefungen, das zumindest für mich das Symbol für Flugzeug-Mahlzeiten schlechthin ist: Hauptspeise in der Mitte, oben rechts Vorspeise, oben links Dessert, rechts das Getränk … Als die Lufthansa 1958 die „Senatorenklasse” (Businessclass) einführte, kamen für sie dann auch Köche an Bord, und die Zeit des Einheitsessens für alle war vorbei.
Quellen:
- Rainer Horbelt/Sonja Spindler: Die deutsche Küche im 20. Jahrhundert, Frankfurt/Main 2000
- Food Timeline: Airline food
- Böblinger Flughafengeschichten Blog (Fotos)
- Sunbird Photos by Don Boyd (Fotos)













Und wann haben sie dann alle angefangen, Tomatensaft zu trinken?
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OT- was ich noch schön finde ist, dass nach vielen Jahren der modischen Katastrophen bei der Lufthansa, die Firma Strenesse die Stewardessen einkleidet. Jetzt sehen sie wieder so chic aus, wie das sein soll. Wie es mit den Piloten ist, weiß ich nicht, aber es kann eh kaum ein Mann so gut im weißen Strenesse-Hemd aussehen, wie Jogi Löw, gell?
ja das Tomatensaft-Phänomen … abgepackten Tomatensaft gibt es seit Ende der 1920er Jahre, soweit ich weiß. Serviert wird ja eine “Virgin Mary”, also eine Bloody Mary ohne Alkohol. Ich habe das auch schon im Flugzeug getrunken und es hat mir auch geschmeckt, obwohl ich sonst nie freiwillig Tomatensaft trinke. Rein subjektiv würde ich behaupten, das Getränk bekämpft ein “hohles Gefühl” im Magen. – Die Uniform-Mode der Stewardessen ist in diesem Blog (leider) wirklich off topic, da habe ich im Internet schöne Bilder von früher gefunden … wobei ich persönlich nicht so auf den Uniform-Look stehe, bei den meisten Airlines sehen die Damen und Herren ja irgendwie aus wie Politessen (wie ist die männliche Form, ja wohl nicht Politeur?)
Ich beherzige seit einiger Zeit den Tipp, wenn möglich vorab ein extra Menü zu bestellen. Zum Beispiel bei der Lufthansa kann man auf den Flügen nach Asian nicht nur eine vegetarische Option ordern, sondern auch eine asiatisch-indische Variante. Das letzte Mal war nicht nur unglaublich lecker, sondern sah auch noch so appetitlich aus, dass mein Gang-Nachbar gleich bei der Stewardess gefragt hat, ob er seine Cannelloni dagegen eintauschen kann…
Lustig, das mit dem Tomatensaft. Ich glaube, weil ich es von mir selber auch kenne, dass man sich Tomatensaft bestellt, weil man ihn sich selber in größeren Mengen nicht kauft. Und ich hab immer so ein subjektives Bedürfnis nach Vitaminen beim Fliegen, ich mein einfach, der tut mir gut
Zuhause trinke ich ihn nicht, weil mir ein Glas völlig reicht, bis zum nächsten Flug!
es gibt ja die Theorie, dass Tomatensaft in großer Höhe einfach anders (also besser) schmeckt. Aber müsste Kaffee dann nicht auch anders schmecken? Selbst Wissenschaftler wissen auf diese Frage bisher keine Antwort.
Hach, so´n Diner im Zeppelin, das hat schon was, anders als das Platikessen heutzutage – aber fliegen ist eh nicht mein Ding…