Huhn à la King

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Vielleicht ist einigen schon aufgefallen, dass ich ein gewisses Faible für die amerikanische Restaurantküche habe. Nicht nur wegen der Gerichte  zugegebenermaßen, sondern auch wegen der schönen Geschichten dazu. Chicken à la King – ein Huhn wie für einen König? Könnte man meinen, aber bei näherem Hinsehen entpuppt sich das Ganze als eigentlich wenig spektakuläres Geflügelragout in Sahnesauce, das früher gern auf Toast serviert wurde. Eine Zeitlang war es Mode, die Sauce mit Alkohol aufzupeppen und am Tisch der Gäste zu flambieren.

Foto: pirate johnny

Foto: pirate johnny

Geschichten und Legenden zur Erfindung

Huhn à la King stand vor gut 100 Jahren in den USA eigentlich in allen Restaurants, die etwas auf sich hielten, auf der Speisekarte; es schaffte sogar den Sprung in deutsche Kochbücher, auch wenn es bei uns längst vergessen ist. Aber wer war nun dieser King? Wie so oft gibt es viele Möchtegern-Erfinder und wenig Beweise. Ziemlich populär ist die Theorie, das Gericht sei ursprünglich eine Hommage an einen New Yorker Börsenmakler und Pferdezüchter namens James R. Keene (1838-1913) gewesen. Der Ort der Erfindung war wahlweise ein Nobelrestaurant in London oder das Delmonico’s in New York. Es ist aber noch nie ein Rezept für „Chicken à la Keene” aufgetaucht.

Eine andere Geschichte spielt Anfang des 20. Jahrhunderts in einem Sommerhotel in Brighton Beach bei New York, das einem Charles King gehörte. Sein Sohn schilderte Jahrzehnte später ausführlich, wie der damalige Restaurantchef „an einem warmen Sommerabend” eifrig bemüht war, ein neues Gericht auszutüfteln, um sich der Gunst seines Chefs zu versichern. Und wie es sich gehört, ließ er diesem seine neue Kreation sogleich beim Abendessen auftischen. Mr. King war angeblich hellauf begeistert, und am nächsten Tag stand das Huhn auf der Speisekarte – eben Chicken à la King.

Soso … Dummerweise hat Barry Popik eine alte Zeitungsnotiz aus dem Jahr 1893 ausgegraben, die King junior als eitlen Aufschneider dastehen lässt. Da wurde dieses Gericht schon beim Dinner eines New Yorker Football-Teams aufgetischt. Wenige Jahre später servierten es alle großen Hotels des Landes, wie es scheint. Damals wusste man aber wohl noch, wer es erfunden hatte, jedenfalls meldeten mehrere US-Zeitungen im März 1915: „The inventor of chicken à la king is dead.” Die Nachrufe galten einem Koch namens William King aus Philadelphia. Es ist zwar sehr ungewöhnlich, dass ein Gericht nach einem Koch genannt wird, aber aus Mangel an überzeugenderen Erklärungen wollen wir es mal glauben.

Rezept

Zutaten für 4 Personen: ein gekochtes Huhn oder 2 große gekochte Hähnchenbrüste, 4 große Pilzköpfe, 1 grüne oder rote Parika, 2 TL Butter, 125 ml Sherry, 600 ml Sahne, 2 Eigelb, ½ TL gehackte Peperoni, Salz, 4 Scheiben Toast. – Zubereitung: Die Pilze und die Paprika in Würfel schneiden und in einem Chafing dish oder einer Kasserolle in Butter dünsten, bis die Paprika weich ist. Die Hälfte des Sherrys zugeben, rühren und aufkochen lassen. 500 ml Sahne hinzufügen, rühren, 2 bis 3 Minuten köcheln lassen, bis die Sahne angedickt ist. Jetzt das in Würfel geschnittene Huhn dazugeben, zum Kochen bringen und 1 bis 2 Minuten köcheln. Nun die übrige Sahn mit dem Eigelb dazugeben und behutsam rühren. Peperoni und Gewürze zufügen und kurz vor dem Servieren den restlichen Sherry. Toastscheiben diagonal durchschneiden, das fertige Huhn darauf anrichten.

Aus: Leonard Jan Mitchell, Lüchow’s German Cookbook, New York 1952

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About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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2 Responses to Huhn à la King

  1. louise says:

    I’ve heard quite a few legends about the history of this dish. John Mariani defines the dish in his book The Dictionary of American Food and Drink.” However, he makes no mention of William King of Philadelphia. Interesting concept I will have to someday explore further. Thanks for sharing, Petra.

    P.S. The addition of the blog translator on your blog inspired me to get one of my own. Thanks for that, (although, I may like yours better:)

  2. Petra Foede says:

    It’s nice to have you here on my blog because you know all these american dishes