Cherries Jubilee
Posted by Petra Foede on 02 Okt 2009 | Tagged as: England, Rezepte
Heute geht es wieder mal um ein Dessert. Die Cherries Jubilee, auf gut deutsch Jubiläumskirschen, wurden angeblich eigens für das goldene Thronjubiläum von Queen Victoria im Jahre 1887 komponiert, weil sie eine Vorliebe für dieses Obst hatte. Die Kirschen werden flambiert und meistens mit Vanilleeis serviert. Als Erfinder gilt der französische Meisterkoch Auguste Escoffier.
Es gibt allerdings kaum ein bekanntes Gericht der Jahrhundertwende, das nicht mit ihm in Verbindung gebracht würde, obwohl längst nicht alle wirklich von ihm stammen. Ein gutes Beispiel ist Birne Helene, die ihm auch fälschlich zugesprochen wird. Tatsächlich war Escoffier 1887 noch gar nicht in England, sondern noch im Ritz in Monte Carlo; erst drei Jahre später wurde er Küchenchef des Hotels Savoy in London. Vorher stand ihm als Franzose das englische Königshaus wohl nicht so wahnsinnig nahe.
Fakt ist, dass das Rezept für dieses Dessert relativ simpel ist und auch englische Köche grundsätzlich sicher auf die Idee kommen konnten, mit Alkohol getränkte Kirschen anzuzünden. Das Flambieren war Ende des 19. Jahrhunderts gerade große Mode, vor allem in England - man denke nur an den berühmten Plumpudding.
Die Vorstellung, Queen Victoria habe die Cherries Jubilee selbst gegessen, ist sicher falsch. Sie schrieb über das Bankett am Abend des 20. Juni 1887, zu dem 50 ausländische Könige und Prinzen geladen waren, in ihr Tagebuch:
„Wir hatten ein großes Familienessen. Die königlichen Hoheiten versammelten sich alle im Bow Room und wir aßen im Speisezimmer, der großartig aussah mit dem Büffet, das mit Gold gedeckt war. Der Tisch hatte eine Hufeisenform, mit vielen Kerzen darauf. Der König von Dänemark geleitete mich hinein … Anschließend gingen wir in den Ballsaal, wo eine Band spielte.”
Das ist alles. Über das Essen selbst verliert sie kein Wort. Im Gegensatz zu Coronation Chicken, erfunden für das Thronjubiläum von Queen Elizabeth, kommt das Kirschdessert auf der offiziellen Seite der Royals nicht vor.
Escoffier erwähnt Cherries Jubilee offenbar in seinen Memoiren, aber ohne Details. Ist es nicht am wahrscheinlichsten, dass er sie zum diamentenen Thronjubiläum 1897 in London erstmals serviert und auf die Speisekarte gesetzt hat? Hier ist jedenfalls sein Rezept für Cerises Jubilé aus dem Guide Culinaire von 1903:
Große Kirschen entsteinen und in Sirup pochieren, danach in kleine silberne Terrinen geben. Den Sirup reduzieren und mit etwas flüssigem Pfeilwurz andicken. Anstelle von Sirup kann man auch roten Johannisbeergelee verwenden. Die Kirschen mit der Sauce bedecken, je einen halben Teelöffel erwärmtes Kirschwasser (also Obstbrand) in jede Terrine geben und kurz vor dem Servieren anzünden.
Von Eis ist in diesem Rezept noch kein Rede, das kam erst später in Mode. Statt Pfeilwurz nimmt man heute einfach Speisestärke.
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4 Comments »





spontan fällt mir da gleich die Viktoria-Torte aus Eberbach ein, auch wohl der Queen Victoria zugeschrieben, aber das wird auch im Legendenbereich zu finden sein.
danke für den Hinweis auf die Viktoria-Torte, die wäre sicher auch mal einen Artikel wert. Zumal ich eine Vorliebe für Süßes habe
Außerdem dankeschön, dass du meinen Blog auf deiner Seite so nett erwähnt hast.
Irgendwas Süsses hat sie sicher gerne gegessen, die Queen Vicky - ihrer Leibesfülle nach zu urteilen. Name und Geschichte dieser flambierten Kirschen ist mir neu, wieder was gelernt.
Zum Rezept: Heute verwenden Köche sogar wieder verstärkt Pfeilwurzmehl zum Andicken von Saucen. Ich hab es auch immer im Schrank. Es schmeckt neutraler als Speisestärke. Flüssiges Pfeilwurz kenne ich allerdings nicht.
und ich denke da mal gleich an Wein vom Weingut Hupfeld.
Der ist übrigens auch noch lecker!
http://www.weingut-koenigin-victoriaberg.de/deutsch/aktuell-2.php