Vor Jahren wurden Blogger von den „alten Medien” belächelt, dann wurden sie der Unprofessionalität und Trivialität gescholten und mit Etiketten wie „virtueller Kaffeeklatsch” bedacht (daher hat mein Blog übrigens seinen Namen). Und jetzt sind wir wohl in der Phase angelangt, in der zumindest die guten Blog-Autoren als Bereicherung der Medienlandschaft gesehen werden. Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, dass allmählich die Buchverlage aufmerksam werden - wobei diese Entwicklung in den USA schon vor Jahren eingesetzt hat.

Nicole Stich von delicious days war die erste deutsche Food-Bloggerin, die vom Verlag Gräfe und Unzer quasi entdeckt wurde. Ihr Buch wurde voriges Jahr veröffentlicht. Jetzt sind zwei weitere kulinarische Bücher erschienen, die es ohne die Blogs ihrer Autoren sicher nicht gäbe.

cover-stevan-paulStevan Pauls Seite NutriCulinary gehört, seit ich sie entdeckt habe, zu meinen Lieblingsblogs. Seine „Erzählungen vom Kochen” wurden aber noch für seinen mittlerweile still gelegten Blog Dem Herr Paulsen sein Kiosk geschrieben. Der gelernte Restaurantkoch und heutige Autor und Foodstylist hat viel Autobiografisches in seinen Kurzgeschichten verarbeitet, auf amüsante und sehr sympathische Art und Weise. Wer eigentlich das reale Vorbild von Monsieur ist und wie Stevan Paul zum Schreiben kam, erzählt er in diesem Interview. Subtile Erzählkunst, ergänzt durch Rezepte.

Stevan Paul: Monsieur, der Hummer und ich. Erzählungen vom Kochen, 176 Seiten, mairisch Verlag, September 2009 (18,90 €)

cover-anonyme-kocheDie Anonymen Köche sind das Projekt des Werbetexters und passionierten Amateurkochs Claudio del Principe, der das mit der Anonymität schon länger nicht mehr so ernst nimmt. Er bezeichnet sich selbst als Cookaholic, und ob der Blog nun eher Symptom oder Therapie ist … man weiß es nicht. Jedenfalls bietet er deutlich mehr als nur bebilderte Rezepte. Das Buch ist quasi ein Best of des Blogs, es wendet sich also offenbar vor allem an Leser, die Principes Seite noch nicht kennen. Schweizer Foodwriting mit stark italophilem Einschlag. Natürlich mit Rezepten.

Claudio del Principe: Anonyme Köche, 192 Seiten, Verlag Gräfe und Unzer, September 2009 (19,90 €)

cover-pieAus einer ganzen Reihe von englischen Büchern wähle ich eines aus, weil es zu einem Blog gehört, den ich regelmäßig lese: Pie: A global history von Janet Clarkson alias The Old Foodie. Das Buch ist Teil einer Reihe zu (mittlerweile) weltweit verbreiteten Gerichten wie Suppe, Pfannkuchen, Pizza etc. Sowas würde ich mir auch mal auf Deutsch wünschen. Die Autorin ist keine studierte Historikerin, der Verlag wurde durch ihren mittlerweile seit 2005 existierenden Blog auf sie aufmerksam. Die Buchserie ist eine Fundgrube für Leute, die sich für kulinarische Geschichte interessieren und vor englischen Texten nicht zurückschrecken. Mit Rezepten.

Janet Clarkson: Pie: A global history, 128 Seiten, Reaktion Books, April 2009 (10,99 €)