Fettuccine Alfredo

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Wer Angst vor üppigen Sahnesaucen und Butter hat, sollte um dieses Gericht am besten einen großen Bogen machen. Namensgeber und Erfinder ist Alfredo di Lelio, der 1908 das kleine Restaurant seiner Eltern in der Via della Scrofa in Rom übernahm. Als seine Frau Jahre später nach der Geburt ihres Sohnes unter Appetitlosigkeit litt und immer weniger aß, soll er ihr eines Abends zum ersten Mal Pasta mit dieser extrem reichhaltigen Sauce serviert haben. Die Nudeln schmeckten ihr so gut, dass sie sie zu ihrem Lieblingsessen erklärte. Daraufhin setzte di Lelio sie als Fettuccine Alfredo auf die Speisekarte.

Foto: rizkapb

Foto: rizkapb

Zur Geschichte

Das Originalrezept enthält nur Butter und Parmigiano Reggiano. Im Grunde sind Fettuccine Alfredo nichts anderes als Fettuccine al burro, ein traditionelles römisches Pastagericht. Werden die Nudeln vor dem Servieren zweimal mit Butter vermischt, spricht man von doppio burro (doppelte Butter). Di Lelio erhöhte die Buttermenge nochmal und nannte das triplo burro. Italiener betrachten diese uralte simple Zubereitung nicht mal als Rezept. Außerhalb Roms werden Fettuccine als Tagliatelle bezeichnet.

Spannend ist vor allem die weitere Geschichte der Trattoria, die bald zu einem Treffpunkt des internationalen Jet-set wurde – nur wegen dieser Nudeln. In Amerika gilt es als ausgemachte Sache, dass die Hollywoodstars Mary Pickford und Douglas Fairbanks den Stein ins Rollen brachten, als sie auf ihrer Hochzeitsreise 1920 in Rom Station machten und Alfredo quasi entdeckten. Nach einer Woche schenkten sie ihm zum Dank ein vergoldetes Pastabesteck. Zurück in Hollywood schwärmten sie von „Pasta Alfredo” und es dauerte nicht lange, bis andere Stars und Sternchen ebenfalls zu Alfredo pilgerten. Fettuccine Alfredo – eine Entdeckung Hollywoods?

Mary Pickford und Douglas Fairbanks

Mary Pickford und Douglas Fairbanks

Tatsächlich kam das Glamourpaar erst 1927 in die Via della Scrofa; das erste Rezept für „Noodles Alfredo” erschien in den USA nicht vor 1929. Da war Alfredo längst bekannt als Promi-Treff, wie Barry Popik herausgefunden hat. Einer seiner Stammkunden war der Schriftsteller Sinclair Lewis, der in seinem Roman Babbit 1922 den Satz schreibt: „No, what I really go for is: there’s a little trattoria on the Via della Scrofa where you get the best fettuccine in the world.” In dem Reiseführer So you’re going to Rome! heißt es 1925:

„Die meisten Reisenden würden sich schämen zuzugeben, dass sie in Rom waren und nicht Alfredos fettucine al burro gegessen haben, eine Art Makkaroni mit Butter, die Alfredo Ruhm und Vermögen eingebracht haben.”

Seine Pasta hieß also zunächst schlicht fettuccine al burro, wie in anderen römischen Restaurants auch. Bei ihm gab’s nur mehr Butter und eine einzigartige Show, wenn er die Nudeln am Tisch der Gäste minutenlang in der Schüssel herumwirbelte. 1938 verkaufte di Lelio seine Trattoria und zog sich aus dem Geschäft zurück, ehe er nach dem Zweiten Weltkrieg sein neues Restaurant Alfredo All’ Augusteo eröffnete, das noch heute der Familie gehört. Das berühmte vergoldete Besteck von Fairbanks und Pickford wird heute übrigens sowohl in der Via della Scrofa als auch im Augusteo voller Stolz ausgestellt – welch wundersame Vermehrung …

Alfredo di Lelio füttert Sophia Loren (Webseite des Alfredo all' Augusteo)

Alfredo di Lelio füttert Sophia Loren (Webseite des Alfredo all' Augusteo)

Das Originalrezept

Im Internet verrät Russell Bellanca, der Inhaber des amerikanischen Ablegers Alfredo of Rome, das „Originalrezept” der legendären Fettuccine (hier bei cookstreet), täuschend ähnlich nachempfunden von lamiacucina. Hier wird die Buttersauce jeweils in der Küche angerührt. Das mag das heutige „Original” sein, aber bei Alfredo die Lelio wurden die Zutaten allen Berichten zufolge erst am Tisch vermischt.

Hier ist die Anleitung von George Rector aus dem Jahr 1929:

Die Nudeln in Salzwasser gar kochen. Abtropfen und kurz unter kaltes Wasser halten, dann unter heißes Wasser, um die Wärme zu halten. Erneut abtropfen und die Nudeln auf einem großen Teller anrichten, mit geriebenem Parmesan bestreuen und obenauf drei Butterstücke platzieren, jeweils in der Größe eines kleinen Eies. Nun mit einem Löffel und einer Gabel die Nudeln anheben und so lange mit der Butter und dem Käse vermischen, bis alles vollständig von den Nudeln aufgenommen wurde. Alfredo braucht dafür mindestens sieben Minuten.

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About Petra Foede

Ich bin Kulturhistorikerin und freie Journalistin. In diesem Blog schreibe ich über die Geschichte von Gerichten, über berühmte Cafés und Restaurants sowie über dies & das aus der kulinarischen Vergangenheit.
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6 Responses to Fettuccine Alfredo

  1. Eline says:

    Ein nettes Bild von Pickford und Fairbanks – wie auffallend natürlich für Stummfilmstars, die auf der Leinwand so viel Pathos verkörperten.
    Irgendwie genial wieviel Wind italienische “Köche” (meist waren es ja mehr Trattoriabesitzer als gelernte Köche) um so einfache Gerichte machen können und wie dankbar ihnen Stars aus der Hand essen – ob das heute auch noch so ist?
    Mich wundert, dass die Nudeln gespült (abgeschreckt) wurden. Das macht man heute ja kaum mehr, weil die Kochflüssigkeit doch für eine angenehme Sämigkeit sorgt und damit doch Butter ohne Geschmackseinbusse gespart werden kann.

  2. Petra Foede says:

    Ich finde die Entwicklung von bekannten Gerichten auch immer wieder spannend. Das Original von heute muss nicht unbedingt das Original von früher sein. Bei Rectors Rezept habe ich seinen ersten Satz übrigens absichtlich weggelassen, weil der heute für Lacher sorgt: “Die Nudeln 20 Minuten in Salzwasser kochen.” Mit al dente hatte man es damals offensichtlich noch nicht so …
    Ob es noch so viele Show-Gerichte wie früher gibt, weiß ich so auf Anhieb nicht. Heute flambieren die Hobbyköche ja selbst, dafür muss man nicht ins Restaurant. Aber Restaurants als Promi-Treffs gibt es ja schon noch, in Berlin zum Beispiel das Borchardt, in München war es lange Zeit Witzigmann.

  3. lamiacucina says:

    bei unseren früheren Rombesuchen wurde die Nudelplatte dampfend aufgetragen, obenauf ein paar Stück Butter, dann gemischt. Aber wir sind den Verdacht nie los geworden, dass das mit den Butterstücken nur Schau war. Butter und gemahlener Parmesan zugemischt wird nie so cremig, bleibt immer leicht sandig.

  4. Petra Foede says:

    Das ist wirklich interessant. Genau diese Idee, dass die eigentliche Buttersauce beim Servieren schon unter den Nudeln ist, ist mir beim Schreiben auch gekommen ;)

  5. Niemals wäre ich so feige, um um eine Sahnesauce einen Bogen zu machen! Und auch das Stück Butter ist kein Angstgegner für mich! ;)

    Und behauptet nicht die wunderbare Sophia Loren bis heute, ihre schwindelerregenden Kurven nur mit Pasta so zu halten?

    Schönes Rezept mit wieder schöner Geschichte!

  6. A.H. says:

    Ich war 1975 in besagtem Restaurant Dall’Alfredo in Rom und kann nur berichten, dass die Fettuccine Alfredo tatsächlich genial waren. Abgesehen von der virtuosen Performance beim Anrichten vor den Gästen wurde die Platte, auf der die Nudeln mit dem Käse vermischt wurden, als besondere Ehre dem “besonderen” Gast am Tisch gereicht. Dabei hat es auch mich manchmal “getroffen”. Wenn es die Manieren nicht verboten hätten, hätte ich glatt die Platte abgeschleckt (!), denn die Restsauce die darauf haftete waren das Allerbeste. Ich nehme an es war der erstarrte Käse der dort kleben blieb. Die Nudeln waren wohl vor dem Vermischen besonders heiss, das der Käse wirklich zu Gänze schmolz. – Einfach tödlich lecker !!! Kein Wunder über die vielen gefakten Rezepte dazu im Netz. lg Andreas