Cobb Salad
Posted by Petra Foede on 25 Jul 2009 | Tagged as: Rezepte, USA
In amerikanischen Restaurants gehört der Cobb Salad seit einem halben Jahrhundert zu den Klassikern auf der Speisekarte. Auch wenn die Zusammensetzung variieren kann, erkennt man ihn sofort: Alle Zutaten werden klein zerschnippelt und fein säuberlich getrennt auf dem Teller angerichtet; das Vermischen mit dem separat gereichten Dressing übernimmt der Gast dann selbst.
Erfunden von Robert Cobb
Der Salat heißt nach seinem mutmaßlichen Erfinder Robert Cobb, seit 1934 bis zu seinem Tod 1970 Besitzer des Restaurants Brown Derby in Hollywood, das zu seiner Zeit zu den beliebtesten Locations der Schönen und Reichen in LA gehörte. Der Legende nach entstand dieses Gericht ganz zufällig eines späten Abends im Jahr 1937. Der Chef hatte nach einem langen Arbeitstag Hunger, aber keinen Appetit auf das, was regulär auf der Speisekarte stand. Also erkundete er den Inhalt des Kühlschranks, schnitt die gefundenen Zutaten in winzig kleine Stücke, warf alles zusammen in eine Salatschüssel und mixte noch ein passendes Dressing dazu. Fertig war die improvisierte Mahlzeit. Angeblich leistete ihm sein prominenter Freund Sid Graumann, Direktor des Chinesischen Theaters in Los Angeles, an diesem Abend Gesellschaft und war von dem Salat so begeistert, dass er am nächsten Tag beim Kellner „Cobb’s Salat“ bestellte, der natürlich erst mal beim Chef nachfragen musste. Wenig später stand die Kreation unter diesem Namen dann offiziell auf dem Menü.
Fakten und Legenden
Wer mich kennt weiß, dass ich solche Anekdoten liebe und die Details mit Wonne nachrecherchiere. Was ist also von dieser Geschichte zu halten? Immerhin wurde sie noch zu Cobbs Lebzeiten von den Verantwortlichen des Restaurants selbst in zwei Büchern verbreitet. Es scheint ziemlich sicher, dass der Salat tatsächlich im Brown Derby entstanden ist und nach Cobb genannt wurde. Die Umstände seiner Erfindung sind weitaus weniger glaubwürdig, denn etwa die Hälfte aller kulinarischen Legenden, die in Restaurants spielen, beginnt genau so. Der Chef hat Hunger oder ein paar Freunde wollen nachts unbedingt noch was essen, es sind aber nur noch Reste da …
Vielleicht war der klein zerschnittene Salat wirklich eine Marotte von Robert Cobb, aber über Nacht hat er die heute als Original bekannte Zusammenstellung garantiert nicht erfunden. Alte Quellen, die Barry Popik zusammengestellt hat, beweisen ziemlich eindeutig, dass das Gericht zwar Ende der 1930er entstanden ist, aber zunächst noch nicht das war, was einige Zeit später als Cobb Salad populär wurde. Erwähnt wird er zum ersten Mal im März 1939 in der Los Angeles Times als „der Salat, der der Favorit des Gäste des Brown Derby geworden ist“ und der damals noch „Brown Derby Chef’s Salad“ hieß. Der so genannte Chefsalat war früher einfach der reichhaltigste Salat, den ein Restaurant anbot. Interessant ist das Rezept von 1939 – darin kommt nämlich noch kein Huhn vor und auch sonst ist einiges anders:
„Nimm die Blätter von zwei mittelgroßen Salatköpfen (grüner Salat) und entferne grobe Strünke. Hacke drei Herzen von Staudensellerie fein, ebenso einen Bund Kresse und einen Bund (sic) Chicoree. Gib eine Tasse gewürfelten und angebratenen Schinken (ham) hinzu. Häute und viertele drei Tomaten. Reibe die Salatschüssel mit Knoblauch aus und mache ein französisches Dressing, indem du den Saft einer Zitrone, eine halbe Tasse Olivenöl und einen halben Teelöffel Gewürzsalz miteinander verquirlst. Wirf alle Zutaten in die Schüssel mit dem Dressing. Dekoriere das Ganze mit in Scheiben geschnittenen hart gekochten Eiern. Ergibt sechs Portionen für ein Dinner oder vier zum Mittagessen.“
Erst 1947 spricht die Los Angeles Times von Cobb Salad. Zu dieser Zeit hatte sich auch das heute bekannte Rezept herauskristallisiert, das 1949 in dem Buch Dining out in Hollywood and Los Angeles beschrieben wird als „fein gehackter grüner Salat mit Huhn, Tomate, Eiern, Bacon, Avocado, Roquefort, Schnittlauch und French Dressing.“ Diese Kombination gilt heute als das Original – aber die hat Cobb nicht spontan 1937 erfunden, sondern sie hat sich über Jahre hinweg entwickelt.
Rezept aus dem Brown Derby:
Zutaten für 4-6 Personen: ½ Kopf Eisbergsalat, ½ Bund Kresse, 1 kleiner Chicoree-Kopf, ½ Kopf Romanasalat, 2 gehäutete Tomaten, 2 gekochte Hühnerbrüste, 6 Streifen knuspriger Bacon, 1 Avocado, 3 hart gekochte Eier, 2 TL gehackter Schnittlauch, etwa 100 g zerkrümelten Roquefort-Käse, 1 Tasse Brown Derby French Dressing. Zubereitung: Alle Salate und die Kresse sehr fein schneiden und in einer Schüssel anrichten. Die Tomaten von Kernen befreien, würfeln und darüber streuen. Die Hühnerbrust in Würfel schneiden und ebenfalls obenauf geben. Bacon klein schneiden und über das Ganze streuen. Avocado in kleine Stücke schneiden und rundum drapieren. Obenauf kommen die klein gehackten Eier, Schnittlauch und der Käse. Kurz vor dem Servieren den Salat mit dem Dressing vermischen.
Zutaten für das Dressing (ergibt ca. 800 ml): ½ Tasse Wasser, ½ Tasse Rotweinessig, etwas Zitronensaft, 1 TL Salz, ½ TL grober schwarzer Pfeffer, ½ TL Worcestershiresauce, ½ TL Senf, ½ gehackte Knoblauchzehe, ½ Tasse Olivenöl, 1 ½ Tassen Pflanzenöl. Zubereitung: Alle Zutaten außer den Ölen miteinander vermischen, dann das Öl darunter rühren. Kalt stellen, vor der Verwendung schütteln. Dieses Dressing ist im Kühlschrank längere Zeit haltbar; für den Salat oben werden etwa 250 ml davon verwendet.
Aus: Betty Goodwin, Hollywood du Jour: Lost Recipes of Legendary Hollywood Haunts, Angel City Press 1993
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